Während der Besichtigung kam auch die Frage auf, wieso eigens Tümpel angelegt wurden, obwohl sich doch an der tiefsten Stelle der Grube, am Ostende, ein kleiner See gebildet hat. Andreas Ness erläuterte, dass sich Amphibien dort nicht entwickeln können: Irgendwie sind nämlich Fische hineingeraten, unter anderem Rotauge und Hecht, und das in einer Dichte, dass sich kein "natürliches Gleichgewicht" einstellt. Laich und Kaulquappen haben dort keine Chance.

Die Tongrube bietet aber nicht nur Amphibien einen Lebensraum. Vögel wie der Neuntöter oder die Dorngrasmücke brüten am Waldrand, an den steilen Hängen leben zahllose Zauneidechsen. Und in der Dämmerung kommen kleine Jäger aus dem Wald und gehen über der Grube auf Beutefang. Hier haben sie freie Bahn und finden Nahrung, vor allem Insekten, in Hülle und Fülle. Sie heißen Großes Mausohr, Großer Abendsegler oder Zwergfledermaus. Die Tiere wurden anhand ihrer Ultraschall-Rufe, hörbar gemacht durch spezielle Detektoren, von den Biologen identifiziert. Zehn Arten wurden in der Tongrube beobachtet (in Deutschland kommen rund 20 vor).

Wie es in fernerer Zukunft mit den Amphibientümpeln weitergeht, ist nicht ganz sicher. Wienerberger wird laut Jürgen Förderer mit der Erweiterung der Tongrube auch neue Tümpel anlegen. Doch hat sich das Unternehmen auch verpflichtet, die Grube zu renaturieren, das hieß ursprünglich, sie sukzessive zu verfüllen und wieder einen Eichenwald anzulegen. Jetzt jedoch, wo schützenswerte Amphibien hier vorkommen, lautet die Aufgabe, Aufforstung und Erhalt der Tümpel unter einen Hut zu bringen. "Da darf man keine Erde draufkippen", so Andreas Ness. Das wird rechtlich und praktisch nicht einfach. Aber alle Beteiligten arbeiten Hand in Hand.

Nächstes Frühjahr findet wieder eine Begehung der Rettigheimer Tongrube statt, dann können die Besucher die Amphibien auch hören, die dann auf Brautschau sind, und mehr über die hier vorkommenden Vögel erfahren.

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