Darum luden sie zwei ihrer Kaffeebauern nach Mannheim ein. Francisco und Fernando verließen zum ersten Mal Südamerika, um bei "Agáta" die Kaffeespezialitäten zu kosten. Sie schauten Elisabetta beim Rösten zu und tauschten ihr Wissen mit Johannes aus. So lernten die Eppings mehr über den Weg von der Pflanze bis zum Getränk und die Bauern lernten, wie wertschätzend man bei "Agáta" mit ihrem Produkt umgeht.

Elisabetta und Johannes wollen mit ihrem Kaffee-Business dazu beitragen, dass sich die wirtschaftliche und soziale Lage der Bauern verbessert. Darum zahlt das Paar so viel für den Kaffee, wie die Bauern zum Leben in ihrer Heimat brauchen. Denn wer seine Familie nicht mehr ernähren kann, der wandert nach Nordamerika aus. Die Eppings wissen, dass Armut und Arbeitslosigkeit in Südamerika sich nicht mit einer Tasse "Agáta"-Kaffee beheben lassen. Aber sie wollen beispielhaft vorangehen, damit viele andere Unternehmen es ihnen gleich tun.

Dafür nehmen die Eppings einen höheren Ladenpreis in Kauf. Mehr Geld für die Kaffeebauern bedeutet mehr Geld für eine Tasse "Agáta"-Kaffee. Doch die Kunden zahlen diesen Aufpreis gerne, sagt die engagierte Röstmeisterin. Viele seien interessiert daran, etwas über die Herkunft der Bohnen zu erfahren. Schließlich deute der Geschmack des Kaffees auf eine hochwertige Produktionskette hin.

Kaffeeröster Agáta - die Fotogalerie

Elisabetta Epping engagiert sich schon lange in sozialen Projekten, wie zum Beispiel bei "Reshape". Bei dem EU-geförderten Kunstprojekt in Italien lernten sie und ihr Mann sich 2011 kennen. Elisabetta half, über 30 Künstler zu vernetzen und Brücken zwischen deren unterschiedlichen Herkunftsländern zu bauen. 

Im Jahre 2015 arbeiteten die Eppings gemeinsam beim "COFFEE-Project", bei dem sie junge Unternehmer in der Kaffeebranche vernetzen. In dieser Zeit erkannten sie zwei Dinge: Sie wollten zum einen im Kaffee-Geschäft bleiben. Zum anderen befriedigten sie zeitlich begrenzte Projekte nicht mehr: "Wir wollten etwas haben, was immer mit uns wächst. Da war uns klar, dass wir Agáta gründen werden", erinnert sich Elisabetta. 2013 zogen sie und ihr Mann nach Mannheim. 2016 ging es mit "Agáta" in die Startlöcher. Die letzten drei Jahre waren anstrengend, aber erfolgreich. "Agáta" hat heute ein Team von elf Mitarbeitern vor Ort und etwa zehn weiteren Beteiligten an anderen Orten.

Elisabetta, die dieses Jahr an den deutschen Röstmeisterschaften teilnahm, widmet sich nun intensiv ihrer Liebe zum Kaffeerösten. Doch sie trägt eben auch die italienische Geselligkeit im Herzen. Ein Kaffee ist für sie noch nicht gelungen, wenn er schmeckt. Er muss einen Moment der Begegnung schaffen. Wenn man sich in Italien auf einen Kaffee verabrede, dann wolle man plaudern, lachen und genießen, erzählt sie. Diesen Esprit will sie einfangen: "Dieser Satz, lass uns einen Kaffee trinken gehen, bedeutet viel. Kaffee heißt zusammen sein."

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