Hofherr und Gerlinger fahren die Übernachtungsplätze im Freien regelmäßig ab und fragen, ob alles okay ist. Wenn sie niemanden antreffen, hinterlassen sie bei Bedarf einen guten Schlafsack. Jürgen Hofherr kennt die Kälte aus eigener Erfahrung, denn vor einigen Jahren harrte er im Selbstversuch Stunde um Stunde mit Obdachlosen in der Kälte aus: "Ich habe mir aus Versehen Erfrierungen an den Beinen geholt. So weiß ich, wie gefährlich der Frost schon tagsüber sein kann. Ich bin froh, dass wir nun einige Betroffene in die Notunterkünfte der Stadt vermitteln konnten."

Das Wichernheim der Evangelischen Stadtmission stellt 66 Plätze für Heidelberger Obdachlose zur Verfügung. "Wir sind so rappelvoll wie seit Jahren nicht mehr", sagt Sozialarbeiter Pascal Drzonek. Das Haus zur Wiedereingliederungshilfe der Evangelischen Stadtmission bietet ihnen eine Unterkunft und die Hilfe, um in das "normale" Leben zurückzufinden. "Weiterführende Hilfen sind derzeit nur schwer möglich", so Drzonek. Aufgrund der Corona-Krise sind fast alle Hilfe-Einrichtungen nur telefonisch erreichbar, auf dem Arbeitsmarkt werden Stellen für ungelernte Kräfte zuerst gestrichen. Die Betroffenen, die auf so einen Platz im Wichernheim warten, nächtigen im Moment meist bei Bekannten. "Sie wandern Nacht für Nacht von Couch zu Couch."

Zusätzlich bietet das Wichernheim aktuell vier Plätze für Nicht-Heidelberger und damit für Durchreisende an. Die Belegung der Plätze ist unterschiedlich. "Das hängt davon ab, wo die Durchreisenden von der Kälte überrascht werden", sagt der Sozialarbeiter. Sind die vier Notplätze belegt, können Betroffene auch für ein bis zwei Tage bis zur Weiterreise im Notquartier der Stadt untergebracht werden.

Und was passiert, wenn bei einem Betroffenen eine Coronainfektion bestätigt werden sollte? Auch darauf ist man bei der Stadt vorbereitet. Auf RNZ-Nachfrage teilt eine Sprecherin mit: "Bislang ist der städtischen Fachstelle für Wohnungsnotfälle kein solcher Infektionsfall unter Obdachlosen in Heidelberg bekannt geworden. Für diesen Fall wäre eine separate Unterbringung in einem Hotel aber sofort umsetzbar."

Jürgen Hofherr erklärt: "Wir hoffen, dass wir alle Obdachlosen erreichen und ihnen helfen können. Ein Dank geht an die Stadt Heidelberg, denn ohne sie wäre das alles nicht möglich." Aber die Unterstützung hat auch Grenzen. "Wir können den Menschen mit Unterkunft, warmen Getränken und Essen helfen. Aber am schlimmsten ist die Einsamkeit. Da sind wir machtlos."

Info: Spenden sind willkommen, aber wer spenden möchte, wird gebeten, vorher anzurufen und nach dem Bedarf zu fragen: Karl-Klotz-Haus, Telefon 06221 / 163659; Bahnhofsmission, Telefon 06221 / 23824.

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