Spielarten des Lichts

"LeuchtSinn" im Tandem Art Space am Heidelberger Heumarkt

Ein Laserstrahl biegt um die Ecke - Arbeiten von Milan Chlumsky und Michael Bacht

14.07.2020 UPDATE: 15.07.2020 06:00 Uhr 1 Minute, 25 Sekunden
Das Laserlicht sucht sich kurvige Wege in Michael Bachts Installationen. Foto: MR.

Von Matthias Roth

Heidelberg. Es gibt auch gute Nachrichten in Corona-Zeiten. Zum Beispiel in der Heidelberger Galerien-Szene, die um eine attraktive Location reicher geworden ist – mitten in der Altstadt, am Heumarkt. Ein Privatmann, der ungenannt bleiben möchte – auch das gibt es noch! – habe die Räumlichkeiten bis Dezember 2020 zur Verfügung gestellt, in denen nun der "Tandem Art Space" eingezogen ist und Wechselausstellungen mit hiesigen und anderen Künstlern veranstaltet.

Ideengeber ist der Verein "KulturTandem International", und 15 Künstlerinnen und Künstler zieren bereits die Frontscheibe: Sie stehen mit dem "Tandem" in engem Kontakt und werden sicher alle nach und nach hier – paarweise, ist zu vermuten – ausstellen. Aber "Tandem" sind auch die Verbindungen zu Literatur und Musik wichtig, ihr Zusammenspiel soll ebenso gefördert werden wie jede Spielart der Kunst: "Tandem" ist auch Begegnungsraum.

"LeuchtSinn" heißt die erste Ausstellung. Sie zeigt mit Arbeiten von Michael Bacht und Milan Chlumsky die Spannbreite von der Installation bis zur Fotografie und befasst sich mit verschiedenen Spielarten des Lichts. Bacht, dessen Ausstellung in der Galerie Philippi gestern in dieser Zeitung besprochen wurde, ist ein sehr vielfältig tätiger Künstler, und so unterscheiden sich die Werke im Tandem Art Space fast grundsätzlich von jenen, die in Dossenheim zu sehen sind. Denn hier experimentiert Bacht mit Laserlicht, das er auf unergründliche Weise um die Ecke biegen lässt: Die Physik scheint hier außer Kraft gesetzt.

So besteht das "Planetenobjekt" (2020) aus einem dreieckigen Segment mit neun Kuhlen (Pluto gilt hier offenbar noch als Planet), die von einem abgebogenen Laserstrahl beleuchtet werden. Wie der Künstler das hinbekommt, ist unklar, da offenbar keine Spiegel benutzt werden. Auch in der speziell für diese Ausstellung konzipierten Installation "Seven Days" sucht sich das Laserlicht einen abgebogenen Weg durch Dornen und Mullbinden sowie sieben Metallösen, die wie Odysseus’ Äxte angeordnet sind. Diese Arbeiten bergen Geheimnisse, die nicht einfach zu entschlüsseln sind, die aber Fantasie doch kolossal anregen.

Demgegenüber sind Milan Chlumskys Langzeitfotografien der zunehmenden Mondsichel zwar relativ leicht als solche zu erkennen, aber einen Zauber bieten diese Fotografien dennoch. Denn die Lichtspuren gewinnen je nach Bewegung eine Körperlichkeit, die an Tänzerinnen und Tänzer erinnert. Auch hier also sind der Interpretation keine Grenzen gesetzt.

Info: Tandem Art Space am Heidelberger Heumarkt, bis 19. Juli. Geöffnet Mo-Fr 16-19 und Sa 11-13 Uhr.

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