Heidelberg

Harsche Kritik an Baumfällungen im Mühltal

Laut Stadt dienen die Arbeiten der Sicherheit und dem Naturschutz - Heimatforscher Ludwig Haßlinger platzt der Kragen

29.12.2020 UPDATE: 30.12.2020 06:00 Uhr 2 Minuten, 19 Sekunden

Von Sarah Hinney

Heidelberg. Das Mühltal ist wohl einer der idyllischsten Orte im Heidelberger Stadtwald. Lauschige Waldwege, saftige Wiesen und der Mühlbach, der sich seinen Weg gen Tal bahnt und mehrere Biotope speist, in denen Kröten und Molche eine Heimat finden. Auch der Feuersalamander fühlt sich hier wohl. Nicht nur zu Coronazeiten ist das Tal ein beliebtes Ausflugsziel.

Markierungen an zahlreichen Bäumen weisen jedoch darauf hin, dass die Idylle in Kürze von umfangreichen Forstarbeiten gestört werden könnte – dagegen regt sich jetzt vor allem in sozialen Netzwerken Widerstand. Aber auch dem Autor und Heimatforscher Ludwig Haßlinger platzt beim Thema Mühltal schier der Kragen.

Haßlinger ist 86 Jahre alt und kennt den Wald seit Kindertagen wie seine Westentasche. Der Handschuhsheimer ist täglich im Mühltal unterwegs, auch betreut er die Biotope dort seit vielen Jahren. 500 bis 600 Bäume, so schätzt er, sind im Moment zur Fällung markiert. Für Haßlinger ist das völlig unverständlich. "Die Waldwirtschaft hat sich verändert im Vergleich zu früher. Man legt jetzt parkähnliche Wälder an. Das ist für die Forstwirtschaft gut, aber das ganze Mühltal und die Quellen trocknen dadurch aus, diese Böden können kein Wasser mehr speichern", kritisiert der Heimatforscher.

Bei der Stadt sieht man das anders. Die geplanten Forstarbeiten dienten in erster Linie dem Schutz der Besucherinnen und Besucher des Waldes, teilt ein Sprecher auf RNZ-Anfrage mit. Dort stehende Esskastanien seien überwiegend "durchgewachsene Stockausschläge", die an sich schon wenig stabil seien und nun auch noch durch Krankheiten und Schädlinge, wie die Esskastanien-Gallwespe und den Esskastanien-Rindenkrebs, befallen seien. Die Sicherheit der Waldbesucher habe für die Stadt höchste Priorität.

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Waldkenner Haßlinger widerspricht: Allein der Schädlingsbefall sei kein Grund zur Fällung. "Das ist vorauseilender Gehorsam. Bis so ein Baum wegen Schädlingen stirbt, dauert es zehn Jahre – und vielleicht erholt er sich auch wieder."

Laut Stadt sollen – abgesehen von den befallenen Esskastanien – auch "einige Fichten" entnommen werden. Dies diene der naturschutzfachlichen Aufwertung des Mühltals und seiner Biotope – es gehe bei der Maßnahme also auch um den Naturschutz. Eine nachteilige Veränderung des Mikroklimas im Mühltal und ein Austrocknen der Böden sei dadurch nicht zu erwarten: Die Bodenwassersättigung des Mühltals hänge primär von der Menge der Niederschläge und der Abflussmenge des Baches ab.