Hintergrund 2 Wasserstoff

10.03.2022 UPDATE: 10.03.2022 06:00 Uhr 1 Minute, 28 Sekunden

Speyer zieht Wasserstoff aus Klärschlamm

Nicht nur im Rahmen der Projekte "H2Rivers" und "H2 Rhein-Neckar" tut sich in der Region etwas in Sachen Wasserstoff. Es gibt weitere Initiativen.

> Die Stadtwerke Speyer (SWS) wollen mit Partnerunternehmen die Herstellung von Wasserstoff aus Klärschlamm und Biomasse erproben. Der Test ist auf drei Jahre angelegt und soll frühestens Ende des Jahres beginnen. Zuvor werden Fördermittel beantragt. Die technische Anlage für die Produktion ist ein Prototyp. Die SWS sehen in dem Projekt auch einen finanziellen Vorteil, weil der Klärschlamm (etwa 5000 Tonnen pro Jahr) sonst entsorgt werden müsste, was mit etwa einer halben Million Euro zu Buche schlägt.

> Der Stromanbieter Pfalzwerke starten spätestens 2023 ein Pilotprojekt in Bad Dürkheim zur dezentralen Wasserstoff-Erzeugung. Das Werk soll nahezu autark und digital gesteuert arbeiten. Den Vertrieb des Wasserstoffs würden die Pfalzwerke übernehmen. Als Abnehmer hätten bereits regionale Stadtwerke Interesse angemeldet, wie es vonseiten des Unternehmens hieß. Kooperationspartner bei diesem Projekt ist jedoch das Stadtwerk Bad Dürkheim. Zudem dabei ist die örtliche KST-Motorenversuch GmbH Co. KG. Diese testet Wasserstoffantriebssysteme weltweit. In Bad Dürkheim kann das vor Ort erzeugte H2 über eine Pipeline angeliefert werden. Die Pfalzwerke beantragen für das Projekt Fördermittel des Bundes und planen bereits weitere Wasserstoffwerke an anderen Standorten.

> Die Stadt Worms ist ebenfalls neugierig geworden und sucht den Schulterschluss mit der Metropolregion Rhein-Neckar und ihren Wasserstoffprojekten. So prüft die Verwaltung gemeinsam mit dem ortsansässigen Energieunternehmen EWR und der Metropolregion den förderfähigen Einsatz klimaschonender Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologien im Fern- und Nahverkehr sowie in der Energie- und Wärmeversorgung. Die Lutherstadt erhofft sich, dass zahlreiche Unternehmen vor Ort von einer Wasserstoffinfrastruktur profitieren könnten.

> Die BASF in Ludwigshafen, Freudenberg in Weinheim und Daimler Trucks in Wörth sind vergangenes Jahr mit ihren Bewerbungen in die engere Auswahl für eine Förderung als "Important Projects of Common European Interest" (IPCEI) gekommen. Endgültige Entscheidungen sind hier aber noch nicht gefallen. Die BASF hat als "wichtiges Projekt im gemeinsamen europäischen Interesse" die CO2-freie Herstellung von Wasserstoff und dessen Weiterverwendung eingebracht – etwa zur Produktion von Ammoniak oder synthetischer Kraftstoffe für den Schiffs-, Last- oder Flugverkehr der Zukunft. In Wörth arbeitet Daimler Trucks an der Serienreife des Wasserstoff-Brennstoffzellen-Lkw "GenH2". Freudenberg Performance Materials produziert als Zulieferer bereits seit 2018 ein Vlies, das sich "Gasdiffusionslage" nennt. Es ist eine wichtige Komponente in Brennstoffzellen.