Eppelheim/Heidelberg

Einbrecher zu Haftstrafe verurteilt

Zwei Taten soll er offenbar in Eppelheim begangen haben. Die Staatsanwalt kritisierte die Polizei.

23.09.2022 UPDATE: 23.09.2022 06:00 Uhr 1 Minute, 38 Sekunden
Archiv-Foto: Alex

Eppelheim/Heidelberg. (luw) Weil er hauptsächlich Gartenwerkzeug im Gesamtwert von rund 1000 Euro gestohlen hatte und kurz darauf festgenommen wurde, ist ein 26-Jähriger vor dem Heidelberger Amtsgericht zu einem Jahr und neun Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden. Damit wurde der im März nach Deutschland gekommene Marokkaner des schweren Wohnungseinbruchs und Diebstahls überführt. In einer Nacht auf den 4. Juni brach der damals noch im Heidelberger Patrick Henry Village (PHV) lebende Asylbewerber auf zwei bewohnten Grundstücken in der Hilda- und Schubertstraße in Eppelheim ein, machte dabei aber nur wenig Beute – darunter 23 Gartenscheren, die meisten davon originalverpackt.

"Ich dachte, es ist gut hier und hier kann man arbeiten", sagte der Angeklagte – ein Dolmetscher übersetzte. Er habe den Beruf des Gipsers in seiner Heimat in Tanger gelernt. Doch sein Vater habe "Probleme mit anderen Personen wegen eines Grundstücks" bekommen und Angst gehabt, dass diese sich an ihm als dessen Sohn rächen würden. Daher sei er mit vier weiteren Landsmännern in einem kleinen Boot nach Spanien gefahren und von dort über Frankreich schließlich nach Heidelberg gelangt. Doch im Ankunftszentrum im PHV sei er schnell in Kontakt mit Drogen und Alkohol gekommen. Auch in der Tatnacht wurden nach seiner Festnahme Alkohol und THC in seinem Blut nachgewiesen.

Zur Tat sagte der Angeklagte nichts. Seine Verteidigerin gab lediglich eine kurze Erklärung ab, wonach er zwei von drei ihm vorgeworfenen Taten gestand. Für einen weiteren Diebstahl von einem Balkon in derselben Nacht, ebenfalls in der Hildastraße, fehlten die eindeutigen Beweise. In diesem Zusammenhang kam es vor Gericht zu Ärger zwischen dem Staatsanwalt und einem als Zeugen geladenen Polizisten: Es ging um eine Gartenschere, die später beim Angeklagten gefunden wurde und zunächst den anderen genannten Werkzeugen aus der Schubertstraße zugeordnet worden war. Verwirrung gab es, weil hinterher offenbar die Bewohnerin aus der Hildastraße behauptete, diese Gartenschere sei von ihrem Balkon gestohlen worden. In der Folge habe der Bewohner aus der Schubertstraße die inzwischen von der Polizei zurückerhaltene Schere an die Bewohnerin aus der Hildastraße übergeben. Letztlich warf der Staatsanwalt dem Beamten vor, "ohne Absprache" über Beweismittel verfügt zu haben; der Polizist gab wiederum an, dass seine Abteilung "durch einen Umzug mit der Aktenheftung etwas hinterherhinkt".

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Bei seinem Einbruch in einem weiteren Haus in der Hildastraße wurde der Angeklagte übrigens von einem Bewohner überrascht. Dieser habe den 26-Jährigen aus der Tür herausgedrängt, der dabei nur "Sorry" gesagt und sich mehrfach entschuldigt habe. Dieses Verhalten wertete das Gericht beim Urteil zu seinen Gunsten. Wenige Minuten später fasste die Polizei den Täter, als er samt Diebesgut in der Hauptstraße mit einem gestohlenen Fahrrad unterwegs war.

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