Nußloch

Gemeindewald sieht nach Holzernte "katastrophal aus"

Die Forstmaschinen hinterließen im aufgeweichten Lössboden ihre Spuren. Das sorgt für Bürger-Kritik.

15.05.2024 UPDATE: 15.05.2024 04:00 Uhr 1 Minute, 59 Sekunden
Die Holzernte hat im Nußlocher Wald teils erhebliche Spuren hinterlassen. Foto: heb

Nußloch. (heb) In der Bürgersprechstunde des Gemeinderates meldete sich eine Hundebesitzerin zu Wort. Sie habe bei Spaziergängen im Gemeindewald beobachtet, dass Forstmaschinen Anfang April beim Abtransport der im Winter gefällten Stämme tiefe Spuren im aufgeweichten Lössboden hinterlassen hatten.

Die entstandenen Furchen seien zum Teil einen halben Meter tief. Sie kritisierte auch die Breite und einen angeblich zu geringen Abstand der Rückegassen voneinander und wollte wissen, wie die verdichteten Flächen wieder für das Wachstum von Bäumen gewonnen werden können.

"Es gibt keine neuen Rückegassen, und es sollte auch nur jede zweite Rückegasse befahren werden", betonte Bürgermeister Joachim Förster. Er versicherte, dass sich daran auch gehalten wurde. Das 15 Hektar große Waldstück oberhalb des Wanderparkplatzes Bohleneck, in dem der Einschlag stattfand, hatte er am Vortag mit dem Arbeitskreis Forst in Augenschein genommen.

"Das Ziel von unserem Leitbild ist 40 Meter Abstand, aber wir sind hier nicht auf dem Reißbrett", stellte er klar. Dass dieser Abstand nicht überall eingehalten werde, liege an der Beschaffenheit des Geländes. In der Tallage sei das Netz der Rückegassen etwas enger, dafür sei es oben weiter.

Eine weitere Bürgerin weckte Zweifel an der Umsetzung der Vorgaben und bekräftigte: "Es sieht katastrophal aus." Der Bürgermeister hielt dem entgegen, die Gemeinde dürfe laut Forsteinrichtungswerk jedes Jahr 2000 Festmeter Holz schlagen, habe die Menge dieses Jahr aber auf 600 reduziert. Es sei auch eine Zwischenrevision geplant, um zu sehen, was an Waldnachwuchs da sei. "Wir wollen den Wald dichter machen", betonte er und bekräftigte das Ziel, eine Dichte von 400 Vorratsfestmeter pro Hektar zu erreichen.

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"Trotzdem ist Unmut da", stellte Uwe Kleinert (Grüne) während der Fragerunde der Gemeinderäte fest und forderte, die Maßnahmen besser zu erklären. Zahlen allein reichten nicht, es gehe auch um die Art der Bewirtschaftung. Früher sei der Boden im Winter durchgefroren, jetzt nicht mehr, stellt er fest. Auch sei schwer nachvollziehbar, ob der Abstand der Rückegassen eingehalten wird. Kleinert schlug daher eine Kartierung vor.

Er frage sich, ob eine Reduzierung des Einschlags auf jährlich 1200 Festmeter ausreicht, um das Ziel der Verdichtung zu erreichen. "Hätten wir mit der FSC-Zertifizierung die Einschätzung einer unabhängigen Instanz, müssten wir nicht jedes Jahr in der Einschlagphase diskutieren", betonte er.

"Die Bestätigung, dass das, was wir machen, nicht falsch ist, hätte uns in vielen Diskussionen geholfen", stimmte der Rathauschef zu. Er könne sich vorstellen, dass der Praktikant, der den Hitzeaktionsplan macht, auch die Kartierung der Rückegassen übernehmen könnte. Klar war für Bürgermeister Förster: "Wenn Holz gemacht wird, muss es raus."

Rückepferden wollte er die Last nicht zumuten, stattdessen sah er die Industrie in der Pflicht, neue Wege zu gehen. Den Zeitpunkt zu Beginn der Brut- und Setzzeit erklärte er damit, dass die Rückearbeiten wegen der anhaltenden Feuchte des Bodens hinausgezögert worden waren. Viele Anrufer hätten bereits nachgefragt: Wann können wir endlich in den Wald und Brennholz machen?

"Es ist auch unser Anliegen, das Thema sachlich darzustellen", betonte Michael Molitor (SPD). Er unterstellte, die Unruhe aus der Bevölkerung werde befeuert. Förster bekräftigte: "Wir stehen zu 100 Prozent hinter unseren Förstern."

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