Mosbach

Warum die 100-jährige Kastanie an der Hauptstraße weichen musste

Der alte Baum war innen faul. Innerhalb von einer Stunde wurden die mächtigen Äste am Freitag entfernt.

10.02.2024 UPDATE: 10.02.2024 06:00 Uhr 1 Minute, 30 Sekunden
An den der dunklen Fläche in der Mitte des Baumstamms sei es zu erkennen, erklärte Holger Bauer: Die Kastanie war krank. Foto: Joris Ufer

Von Joris Ufer

Mosbach. Bei Holger Bauer und seinen vier Mitarbeitern saß jeder Handgriff. Drei regelten den Verkehr, einer arbeitete mit der Kettensäge und der letzte bediente den Kran, der rund 30 Meter über der Verkehrsachse aufragte. Routine war das Ganze trotzdem nicht. "Jeder Baum ist anders", erklärte Bauer. "Deshalb ist es auch immer wieder eine Herausforderung."

Am Freitagnachmittag bestand diese Herausforderung darin, die Kastanie an der Hauptstraße auf Höhe des Polizeireviers sicher zu entfernen. Der Baum war krank und nicht mehr zu retten und stellte dadurch eine Gefahr für Anwohner und den Verkehr dar. Das größte Risiko bei so einer Aktion besteht laut Bauer darin, dass etwas reißt oder bricht – etwa die Kette des Krans oder einer der Äste. So waren die Arbeiter trotz Erfahrung hochkonzentriert.

"Baum fällt", rief dabei niemand, denn bei den Profis fällt nichts. Zur Sicherheit wurden die vier großen Hauptäste, die rund 25 Meter hoch aus dem Stamm wuchsen, einzeln am Kran befestigt, dann mit der Kettensäge abgetrennt und vorsichtig auf dem angrenzenden Parkplatz abgelegt. Maßarbeit war gefragt, um die umstehenden Autos nicht zu beschädigen. Mit wachsamem Blick dirigierte Bauer den Kranfahrer und seine tonnenschwere Last. Besonders wichtig dabei: der Kipppunkt. Hängt ein Ast an der Kette des Krans, darf der obere Teil nicht schwerer als der untere sein. Sonst besteht die Gefahr, dass sich das Holzstück überschlägt.

Kaum eine Stunde dauerte es, bis auch der letzte Hauptast samt dem rund 80 Zentimeter dicken Stamm mit den anderen auf einem Haufen lag. Ein großer dunkler Fleck hob sich im Inneren des Holzes ab. Fauliger Geruch stieg davon auf. "Da sieht man, dass die Kastanie zu krank war", sagte Bauer. "Denn natürlich entfernen weder die Stadt noch wir nur aus Spaß so einen Baum." Der Zustand sei vorab von einem Spezialisten genau geprüft worden. Die Ursache der Fäule sei im Nachhinein schwer zu bestimmen. Für Bauer kommen viele Gründe infrage: Sturm, Frostschäden, zu viele Pflegeschnitte, das Alter. Das schätzten die Holzarbeiter grob auf etwa 100 Jahre.

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Dann hätte das Holz eigentlich nur noch zerkleinert und verladen werden müssen. Doch unvermittelt begann einer der Männer, eine dicke Scheibe vom Stamm abzusägen. Darum habe ihn der Kranfahrer gebeten, sagte er. Der steckte prompt den Kopf aus der Führerkabine. "Das ist für meine Frau", rief er. "Wenn das Holz es hergibt, baue ich ihr daraus einen Tisch."

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