Eberbach

20 Kinder waren fleißig wie die Bienen

Beim Ferienspaß gab es in der Imkerei viel zu sehen und zu staunen.

03.08.2022 UPDATE: 03.08.2022 06:00 Uhr 2 Minuten, 6 Sekunden
Lernen vom Profi: Die Kinder zeigten keine Scheu, als Rainer Olbert die ersten Waben mit den Bienen zeigte. Später legten sie sogar selbst fleißig Hand an. Foto: Moritz Bayer

Von Moritz Bayer

Eberbach. Respekt ja, Angst nein: Rund 20 Kinder zeigten vergangenen Freitag große Neugier beim Ferienspaß bei Imker Rainer Olbert in Friedrichsdorf. Der hatte nicht nur Informationen und lebhafte Beispiele parat, sondern auch Honigbrötchen, von denen natürlich keins übrig blieb. Die "Nachwuchsimker" waren nicht weniger fleißig als die beobachteten Bienen selbst.

Bevor es ans Werk ging, gab Olbert die wichtigsten Informationen an die Gruppe: Bienen nicht anpusten, das signalisiert Gefahr und macht sie aggressiv. Etwas Rauch hingegen lässt sie automatisch die Nähe der Wabe suchen und sprichwörtlich die Köpfe einziehen. Große Augen machte die gesamte Runde bei den Zahlen und Leistungen der gelb-schwarzen Insekten. 180 bis 200 Flügelschläge pro Sekunde sorgen für das wohlbekannte Summen. Die Königin kann 200 Eier am Tag legen, also mehr als ihr eigenes Gewicht. 150 bis 200 Kilogramm Honig macht ein gesundes Volk bei entsprechendem Nahrungsangebot. "Thema Nahrung, was glaubt ihr, wie viel Blütenpollen die Bienen denn so sammeln?", wollte Olbert von den Kleinen wissen. Anschaulich gab er nach kurzem Schweigen die Antwort selbst, indem er vier Kinder nebeneinander stellte: "So viel grob, wie ihr zusammen wiegt!". Das erstaunte nachhaltig.

Dann ging es im Gänsemarsch los, eine Viertelstunde in den Wald hinein. Begleitet von Karl-Heinz Willner und Darius Lessnau, zwei Imkern, denen er noch beratend zur Seite steht, führte Olbert die Gruppe zu einigen seine Völker. Die Lage war sorgfältig ausgewählt, Sonne, genug wilde Pflanzen in der Nähe, und ein kleiner Teich. Denn im Hochsommer muss durchaus mal Kühlung her, wie Olbert erklärte. "So, wie wir immer 36 Grad Körpertemperatur brauchen, um gesund zu sein, darf es im Bienenstock nicht mehr als 34 Grad haben. Wenn nötig, kühlen die Bienen also mit dem Wasser ab, es ist praktisch, wenn sie dafür nicht weit fliegen müssen."

Olbert fegte die herausgenommenen Waben behutsam ab, dennoch flogen die abgestreiften Bienen kurz wild umher, was die Kinder zu mehr Abstand motivierte. Nach einer Stärkung mit Honigbrötchen ging es zurück zur Imkerei und an die Arbeit. Dort schleuderte eine Gruppe der Kinder, angeleitet von den Imkern, die Honigwaben. Die andere rollte Kerzen aus dem Wachs, mit dem die Waben verschlossen waren. Hygiene ist in Bienenvölkern extrem wichtig, ein eingeschleppter Keim würde das Überleben des gesamten Volkes gefährden.

Bei solchem Fleiß verwunderte es nicht, dass einige Kinder die Abkühlung im nahen Bach suchten. So konnten auch die Hände, teils durch nebenher verspeiste Honigwaffeln, gleich wieder sauber gemacht werden. Der geschleuderte Honig wurde von den Kindern feinsäuberlich abgefüllt und etikettiert.

Nachhaltiges Denken war in der Gruppe schon tief verwurzelt, das zeigte die Frage, was denn aber die Bienen nun essen würden. Olbert konnte beruhigen: In einem guten Jahr sammeln die Bienen fast doppelt so viel, wie sie selbst als Nahrung brauchen." Eingedenk der Tatsache, dass ein mittelgroßes Volk schon aus 30.000 bis 40.000 Bienen bestehen, kommt der Ausdruck "Fleißige Biene" eben nicht von ungefähr.

Die Tiere wissen auch stets über alles Bescheid, was im Stock und der Wabe so passiert. "Es ist heutzutage noch nicht ganz aufgeklärt, wie genau sie das manchmal so schnell hinbekommen", gab Olbert zu. Wie das vorhandene Wissen aber an die interessierte Gruppe kam, war klar Olbert, Willner und Lessnau zu verdanken, die den Kleinen liebevoll und geduldig alle Fragen beantworteten. Zum Abschluss gabs ein Grillfest – und für jeden natürlich Honig mit nach Hause.

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