Brutale Attacke in Heidelberger Poststraße

Zwei Mal greifen Schläger Passanten an (Update)

36-Jähriger kam mit schwersten Kopfverletzungen ins Krankenhaus – OB Eckart Würzner: "Ein derart gewalttätiges Auftreten darf sich nicht wiederholen."

19.08.2018 UPDATE: 19.08.2018 13:48 Uhr 3 Minuten, 12 Sekunden
Faust
Symbolfoto: Karl-Josef Hildenbrand/Illustration

Heidelberg. (pol/van/rl) Beinahe zeitgleich gingen in der Nacht zum Sonntag zwei Gruppen in Heidelberg auf Passanten los. Die Tatorte liegen nur wenige Hundert Meter Luftlinie auseinander. Die Polizei hat derzeit aber keine Hinweise darauf, dass es sich um die selben Tätergruppe handeln soll, heißt es dort auf Anfrage.

Gegen 1.45 Uhr wurde in Höhe der Poststraße 4-5 vor einem Schnellrestaurant ein 36-jähriger Mann von einer Personengruppe angegriffen. Der Geschädigte kam mit schwersten Kopf- und Gesichtsverletzungen in ein Krankenhaus und wurde dort stationär aufgenommen. In Absprache mit der Staatsanwaltschaft Heidelberg ermitteln die Beamten des Dezernats Kapitaldelikte der Kriminalpolizeidirektion Heidelberg nun seit Montag wegen eines versuchten Tötungsdelikts.

Der Polizei zufolge kam es vor der Tat im Eingangsbereich der "McDonalds"-Filiale in der Rohrbacher Straße zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen dem 36-Jährigen und mehreren Männern. Weil sie sich bedroht fühlten, gingen der 36-Jährige und sein Begleiter in die Poststraße. In Höhe der Hausnummer 4-5 wurden sie von einer größeren Personengruppe eingeholt. Mehrere Personen griffen nun den 36-Jährigen an, brachten ihn zu Boden und traten zielgerichtet gegen den Kopf des 36-Jährigen.

Zwei der Verdächtigen wurden wie folgt beschrieben:

Der erste: Mitte 20 Jahre, etwa 1,80 Meter, schlank, längere Nase, eventuell arabischstämmig, lockige etwa 5 Zentimeter lange Haare, seitlich kurz rasiert, gelbes T-Shirt, dunkle Umhängetasche, silberne Halskette.

Der zweite: Mitte 20 Jahre, etwa 1,70 Meter, dick, kurzer Vollbart, eventuell arabischstämmig, Poloshirt mit breiten Querstreifen (rosa-grau-weiß).

Außerdem sollen nach der Tat zwei kleinere Gruppen über den Parkplatz P1-Poststraße geflüchtet sein. Eine Person sei dabei beinahe mit einem parkenden dunklen Wagen kollidiert, die einem VW Golf ähnlich sah.

Das Dezernat Kapitaldelikte der Kriminalpolizeidirektion Heidelberg sucht nun nach Zeugen des Vorfalls und Personen, die Hinweise auf mögliche Tatverdächtige geben können. Ferner wird der Fahrer des parkenden dunklen Wagens, ähnlich VW Golf, gesucht, der als Zeuge in Betracht kommen könnte.

Die Personen werden gebeten, sich mit der Kriminalpolizei unter der 0621/174-4444 in Verbindung zu setzen und ihre Wahrnehmungen mitzuteilen.

Etwa zehn Minuten zuvor, gegen 1.35 Uhr, wurden zwei junge Leute von einer etwa acht Personen zählenden Gruppe auf dem Neckarvorland angegriffen. Der 18-Jährige, seine 17 Jahre alte Begleitung sowie eine weitere 18-Jährige waren laut Polizei auf dem Gehweg in Richtung Ernst-Walz-Brücke unterwegs gewesen, als sie beim dortigen Toilettenhäuschen eine achtköpfige Gruppe abpasste. 

Zunächst soll ein etwa 19 Jahre alter Mann, den 18-Jährigen "angemacht" und beleidigt haben. Der Mann soll etwa 1,70 Meter groß sein sowie gebräunte Haut und ein unreines Gesicht haben. Er trug eine beigefarbene  Basecap, die mit dem Schild nach hinten zeigte, sowie eine lange, dunkle Hose und T-Shirt.

Das Trio soll seinen Weg auf der Neckarwiese fortgesetzt haben, worauf zunächst zwei, dann immer mehr Personen ihnen hinterherliefen und sie schließlich einholten. Danach haben sie die Verfolger bedrängt und herumgeschubst, so die Polizei.

Ein Täter schlug den 18-Jährigen mit der Faust auf den Kopf. Er soll etwa 15 bis 17 Jahre, schlank und 1,80 Meter groß sein. Er soll eine helle/blasse Hautfarbe und ein weißes T-Shirt mit blauen Ärmeln getragen haben. 

Anschließend trat ein weiterer Mann den 18-Jährigen. Seine 17-jährige Begleiterin wurde von zwei Personen ins Gesicht gespuckt. Bei einem handelte es sich wohl um den etwa 19-Jährigen mit der beschriebenen Basecap. Danach schlug einer der Männer die 17-Jährige auf den Hinterkopf.

Ein weiterer bislang unbekannter Täter soll außerdem den 18-Jährigen und dessen 17-Jährige Begleiterin mit einem Messer bedroht haben. Dieser soll 24 Jahre, 1,90 Meter groß und dick sein. Er hat nach Angaben der Polizei ein orientalisches Aussehen, einen Vollbart und trug ein schwarzes Basecap und "auffällig rote" Kleidung.

Das Trio ging dann in Richtung eines dortigen Kiosks und verständigte die Polizei. Der 18-Jährige und die 17-Jährige wurden leicht verletzt.

Die Polizei ermittelt nun wegen gemeinschaftlich begangener gefährlicher Körperverletzung und Bedrohung.

Ein Zusammenhang mit dem versuchten Tötungsdelikt in der Poststraße, wenige Minuten später, soll derzeit nicht bestehen. Nach derzeitigem Ermittlungsstand handelt es sich hier um zwei getrennte Vorfälle mit unterschiedlichen Tatbeteiligten, so die Beamten.

Hinweise zu diesem Fall nimmt das Polizeirevier Heidelberg-Nord unter der Rufnummer 06221/45690 entgegen.

Zu den beiden Fällen meldete sich am Montag auch Heidelbergs Oberbürgermeister Eckart Würzner zu Wort: "Ich bin bestürzt über diese Taten und wünsche den Opfern eine schnelle und vollständige Genesung", sagte er.

"Ein derart gewalttätiges Auftreten einer oder mehrerer Gruppen mitten in unserer Stadt darf sich nicht wiederholen. Ich habe heute bereits mit dem Polizeipräsidenten telefoniert. Wir sind in engster Abstimmung und uns vollkommen einig, dass das allgemeine Sicherheitsgefühl unter solchen Vorfällen besonders leidet. Die Täter in diesen Fällen müssen schnell ermittelt und zur Rechenschaft gezogen werden", so der OB.

"Polizei und Stadt hatten im Rahmen der Sicherheitspartnerschaft zuletzt einige Erfolge zu verzeichnen – gerade bei den besonders sensiblen öffentlichen Räumen Neckarwiese und rund um den Bismarckplatz. Ich werde alles dafür tun, dass sich die Bürgerinnen und Bürger und unsere Gäste auch in tiefster Nacht an diesen hochfrequentierten Orten sicher und angstfrei aufhalten können." 

Update: Montag, 20. August, 17 Uhr

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