Heidelberg Laureate Forum: Die Geistesgrößen sind wieder in der Stadt

Berühmte Mathematiker und Informatiker treffen auf junge Forscher - Vizekanzler Gabriel eröffnete das Heidelberg Laureate Forum

23.08.2015 UPDATE: 24.08.2015 06:00 Uhr 2 Minuten, 33 Sekunden

HITS-Chef Andreas Reuter und Beate Spiegel, Geschäftsführerin der Klaus-Tschira-Stiftung, führten gestern Nachmittag die 26 Laureaten unter tosendem Applaus der Nachwuchswissenschaftler in die Aula der Neuen Universität. Fotos: Bernhard Kreutzer/HLFF

Berühmte Mathematiker und Informatiker treffen auf junge Forscher - Vizekanzler Gabriel eröffnete das Heidelberg Laureate Forum

Von Sebastian Riemer

Beim Auftakt zum Gipfeltreffen der größten Mathematiker und Informatiker der Welt wurden gestern in der Aula der Neuen Universität zwei Menschen schmerzlich vermisst. Zum einen natürlich Klaus Tschira, Ideengeber und Gründer des Heidelberg Laureate Forums (HLF), der im März völlig unerwartet verstorben war. Alle neun Redner, auch Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel, würdigten ihn ausführlich. Neben Tschira fehlte auch der amerikanische Ausnahmemathematiker John Nash. Der Wirtschaftsnobelpreisträger, dessen Leben durch den Film "A Beautiful Mind" bekannt wurde, hatte erst im Mai den Abel-Preis erhalten und seine Teilnahme am HLF bereits zugesagt. Doch auf dem Heimweg vom Flughafen nach der Preisverleihung in Oslo hatte das Taxi auf der Autobahn in New Jersey einen schweren Unfall. Nash und seine Ehefrau starben.

Hintergrund

Das Heidelberg Laureate Forum (HLF) wird seit 2013 jedes Jahr im Sommer von der Stiftung Heidelberg Laureate Forum Foundation veranstaltet. Initiiert haben das Forum die Klaus-Tschira-Stiftung (KTS), die seit 20 Jahren die Naturwissenschaften, Mathematik und

[+] Lesen Sie mehr

Das Heidelberg Laureate Forum (HLF) wird seit 2013 jedes Jahr im Sommer von der Stiftung Heidelberg Laureate Forum Foundation veranstaltet. Initiiert haben das Forum die Klaus-Tschira-Stiftung (KTS), die seit 20 Jahren die Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik fördert, sowie das Heidelberger Institut für Theoretische Studien (HITS). Für eine Woche treffen jeweils 200 Nachwuchsforscher aus meist über 50 Länder auf Preisträger der vier wichtigsten Preise in den Disziplinen Mathematik und Informatik - also Fields-Medaille, Abelpreis, Nevanlinna-Preis und Turingpreis. Auch die preisvergebenden Institutionen unterstützten das HLF und sind an dessen Organisation beteiligt.

Das Forum dient in erster Linie dem Austausch zwischen den jungen Mathematikern und Informatikern mit ihren Idolen, den bedeutendsten Wissenschaftlern ihres Fachbereichs. Die Nachwuchsforscher durchlaufen dabei einen Bewerbungsprozess und werden schließlich von den preisverleihenden Organisationen gemeinsam mit der KTS, dem HITS, dem Mathematischen Forschungszentrum Oberwolfach und dem Schloss Dagstuhl-Leibniz-Zentrum für Informatik ausgewählt. Neben Vorlesungen und Workshops gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm. Bei bayerischem Abend, gemeinsamem Grillen oder einem Ausflug nach Speyer können sich die Teilnehmer ganz ungezwungen unterhalten.

Das diesjährige Forum, an dem 26 Laureaten teilnehmen, widmet sich am Dienstag dem Schwerpunktthema "Big Data". Vorträge, Workshops und eine Abschlussdiskussion drehen sich einen ganzen Tag lang um die Herausforderungen, die sich aus der Analyse großer Datenmengen und computergestützten Vorhersagen von Phänomenen aus Wissenschaft, Industrie und Gesellschaft ergeben. rie

[-] Weniger anzeigen

Doch besonders der Geist, in dem Klaus Tschira das HLF vor drei Jahren gegründet hatte, war präsent bei der Eröffnung. Der Mäzen war bei den ersten beiden Auflagen mehr als nur Gastgeber, er mischte sich unter die Preisträger und die jungen Wissenschaftler, stellte Fragen, wollte verstehen, wer woran forscht.

Diesen Geist des Forums bekam auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel zu spüren, der zum Auftakt eine der Reden hielt. "Ich habe eben mit ein paar jungen Forschern zu Mittag gegessen", erzählte er in souveränem Englisch, "und wollte eigentlich wissen, woran sie so arbeiten - aber die wollten nur über Weltpolitik sprechen." Sehr clevere, interessierte Leute seien das gewesen. Offenbar beeindruckt vom Format des HLF schlug der SPD-Chef gleich zwei weitere Foren vor, eines für Politikwissenschaftler und eines, bei dem Politiker mit Forschern zusammenkommen sollten.

Deutschland sei in puncto Innovation Weltführer, sagte der Wirtschaftsminister, und damit das auch so bleibe, müssten junge Forscher ideale Rahmenbedingungen bekommen - wie etwa in Heidelberg. Über das Lob freute sich Oberbürgermeister Eckart Würzner, der in seiner Rede selbst ein Loblied auf die Wissenschaftsstadt Heidelberg hielt. Gabriel hob die HLF-Disziplinen Mathematik und Informatik besonders hervor: "Denn wir brauchen Wissenschaft und Technik, um die Probleme der Welt zu lösen." Wer das Primat habe, ob Mensch oder Maschine, sei dabei aber keine Frage: "Kein Computer der Welt kann auch nur annähernd die intellektuelle Kapazität erreichen, die gerade in diesem Raum versammelt ist."

Das hörten die 26 Laureaten - also Preisträger der vier bedeutendsten Preise in den Disziplinen Mathematik und Informatik - und die 200 Nachwuchswissenschaftler aus aller Welt sicher gerne. Das HLF ist ein riesiger Gedankenaustausch zwischen den Teilnehmern. Neben Vorlesungen und Workshops wird auch viel gemeinsam gegessen, getrunken - und auch gelacht.

Minister Gabriel nutzte seine Rede dann auch noch für ein bisschen Werbung für die Bundesregierung. Mit dem großartigen nationalen Aktionsplan zur "Open-Data-Charta" habe man einen großen Schritt hin zu mehr Transparenz im Regierungshandeln gemacht. Und auch ein neues Unterstützungspaket für junge Akademiker werde es bald geben.

Oberbürgermeister Würzner begrüßte die Laureaten und Jungforscher mit dem Hinweis, dass "56 Nobelpreisträger in Heidelberg gelebt und gearbeitet haben", diese Wissenschaftsstadt also ein perfekter Boden für großartige akademische Früchte sei. Lediglich bei einem Satz übertrieb er vor dem internationalen Publikum ein wenig: "Heidelberg ist in Deutschland bekannt als die Stadt mit den besten Schulen." Und sogar eine Brücke zum Thema Flüchtlinge schlug der OB: "Wir haben unsere Herzen geöffnet und mehr als 3000 Flüchtlinge in Heidelberg aufgenommen." Diese Willkommenskultur passe gut zum HLF.

Das große HLF-Thema Austausch und Vernetzung wurde auch durch den Besuch von Stefan Hell deutlich. Der letztjährige Chemienobelpreisträger, der in Heidelberg studiert hat und am DKFZ forscht, hält am heutigen Montag für Laureaten und junge Forscher eine "Lindau-Vorlesung". Damit vernetzt sich das HLF mit der jährlich stattfindenden Tagung der Nobelpreisträger in Lindau am Bodensee. Im Gegenzug wird der US-Informatiker Vinton Cerf nächstes Jahr eine "Heidelberg-Vorlesung" in Lindau halten. Der Turing-Preisträger und einer der "Väter des Internets" ist ein HLF-Veteran, er ist zum dritten Mal dabei.

Info: Die Hot-Topic-Session am morgigen Dienstag ist nicht öffentlich. In der Samstagsausgabe wurde fehlerhaft berichtet, sie sei öffentlich.

(Der Kommentar wurde vom Verfasser bearbeitet.)
(zur Freigabe)
Möchten sie diesen Kommentar wirklich löschen?
Möchten Sie diesen Kommentar wirklich melden?
Sie haben diesen Kommentar bereits gemeldet. Er wird von uns geprüft und gegebenenfalls gelöscht.
Kommentare
Das Kommentarfeld darf nicht leer sein!
Beim Speichern des Kommentares ist ein Fehler aufgetreten, bitte versuchen sie es später erneut.
Beim Speichern ihres Nickname ist ein Fehler aufgetreten. Versuchen Sie bitte sich aus- und wieder einzuloggen.
Um zu kommentieren benötigen Sie einen Nicknamen
Bitte beachten Sie unsere Netiquette
Zum Kommentieren dieses Artikels müssen Sie als RNZ+-Abonnent angemeldet sein.