Zweitäler-Land

Der Schwarzwald zeigt seine schockierende Seite

Schwarzwald, das sind Kirschtorte und Kuckucksuhren - klar. Aber auch Bergbau, Totentanz und Hexenkräfte.

24.11.2022 UPDATE: 24.11.2022 11:45 Uhr 3 Minuten, 9 Sekunden
Nebel im Tal, Sonne auf den Höhen: der Südschwarzwald bei Waldkirch. Foto: Rolf Haid/dpa/dpa

Freiburg (dpa) - Wie ein Schweizer Käse, so beschreiben Einheimische das Suggental. Zerlöchert von mehr als 90 Stollen, Schächten und Gruben. Eine Bäuerin soll beim Aussähen hinterm Traktor einst in einem sich auftuenden Loch verschwunden sein.

Einer, der alle Geschichten kennt, ist Andreas Mack vom Verein Silberbergwerk Suggental. Er hat den Themenwanderweg Silbersteig im Suggental entwickelt. Zwei kombinierbare Rundwege, die Spuren des Bergbaus auf Infotafeln dokumentieren. Wandern gehört im Schwarzwald-Urlaub schließlich dazu.

Hintergrund

Infos: Zweitäler-Land Schwarzwald

Reiseziel: Vor den Toren Freiburgs liegt die Wanderregion Zweitäler-Land mit Elz- und Simonswäldertal. Sie umfasst die Orte Biederbach, Elzach, Gutach im Breisgau, Gütenbach,

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Infos: Zweitäler-Land Schwarzwald

Reiseziel: Vor den Toren Freiburgs liegt die Wanderregion Zweitäler-Land mit Elz- und Simonswäldertal. Sie umfasst die Orte Biederbach, Elzach, Gutach im Breisgau, Gütenbach, Simonswald, Waldkirch und Winden im Elztal.

Anreise: Bahn, Flugzeug, Auto - die Region ist dank der Lage im Dreiländereck zu Frankreich und der Schweiz gut zu erreichen. Von Freiburg aus fährt die Breisgau-S-Bahn alle 30 Minuten bis Waldkirch und stündlich bis Elzach. Nahegelegene Flughäfen sind Basel Mulhouse Freiburg und Baden-Baden, beide rund eine Autostunde entfernt.

Wandern: Das Wegenetz erstreckt sich im südlichen Schwarzwald auf mehr als 800 Kilometer. Allein der Rundwanderweg Zweitälersteig ist mit seinen fünf Etappen und mehr als 4000 Höhenmetern 106 Kilometer lang. (Infos: www.zweitaelerland.de)

Silberbergwerk Suggental: Führungen auf Anfrage (info@silberbergwerk-suggental.com). Weitere Informationen unter www.silberbergwerk-suggental.com

Beinhauskapelle Gutach-Bleibach: täglich 10 bis 17 Uhr während der Öffnungszeiten der St. Georg Kirche frei begehbar.

Informationen: Elztal & Simonswäldertal Tourismus GmbH, Bahnhofstraße 1, Gutach im Breisgau (Tel.: 07685/19433; E-Mail: info@zweitaelerland.de)

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"Der Schwarzwald ist tatsächlich ein ganz altes Bergbaugebiet", erzählt Mack, "urkundlich belegt seit 1024 - aber sicher älter." Das Suggental nordöstlich von Freiburg ist dabei nur ein Ort von vielen.

Dessen Besucherbergwerk zeugt vom Aufstieg und Untergang des Grubengeländes. In engen, dunklen, schwefeligen Gängen erzählt Mack von der schweren Tätigkeit unter Tage - und von einer Sage über den Hochmut der Reichen im Suggental: "Ende des 13. Jahrhunderts soll nach einem Wolkenbruch das ganze Tal überschwemmt, sollen alle Häuser mitgerissen worden sein." Ein versunkenes Tal als Strafe Gottes. Nichts mit Glückauf. Beleg soll eine Totenmesse sein, die damals für 300 Tote im nahen Waldkirch gehalten wurde.

Bilder des Todes und ein Horror-Bonus

Der Tod bleibt Thema: Nur zehn Kilometer weiter, wo Elz- und Simonswäldertal - die Gebiete des Zweitäler-Landes - zusammentreffen, finden kulturhistorisch Interessierte eine Rarität: Der Bleibacher Totentanz im gleichnamigen Örtchen ist "einer der wenigen, noch erhaltenen Totentänze in Europa", sagt Künstler Hans Schätzle.

Die Rarität ist gut versteckt: Durch eine schlichte Tür gelangt man aus dem hinteren Kirchenraum der St. Georg Kirche in Gutach-Bleibach in die Beinhauskapelle. Weiß getünchte Wände lassen die großen, bunten Figuren darauf noch eindringlicher erscheinen. 34 Bilder sind es, in Öl. Geordnet nach der Stände-Hierarchie der damaligen Zeit. Gemalt 1723 auf dem holzverschalten Rundgewölbe.

"Mit den Bildern wurde den Leuten drastisch vor Augen geführt: Ob arm, ob reich, im Tod sind alle gleich", sagt Schätzle. Kind, Frau, Mann, Advokat, Knecht, Kaiserin, Äbtissin oder Bauersfrau - auf den Bildern holt der Sensenmann sie alle zum Sterben ab. Im Mittelpunkt, als Horror-Bonus: eine Skelett-Big-Band. Wer aus dem Beinhaus ging, dachte bestimmt: "Ich will mich ...