Prävention

Griechenland will Besucher vor Katastrophen schützen

Feuer und Überflutungen haben im vergangenen Jahr den Tourismus in Griechenland beeinträchtigt und Menschen gefährdet. Der Staat und die touristischen Regionen setzen auf mehr Prävention.

14.05.2024 UPDATE: 14.05.2024 11:11 Uhr 2 Minuten, 18 Sekunden
Die Sonnenliegen und eine Bar am Pool eines Hotels durch Feuer zerstört. Im Südosten der Ferieninsel Rhodos kämpften die Menschen im Juli 2023 gegen die Flammen. Foto: Christoph Reichwein/dpa

Von Alexia Angelopoulou und Takis Tsafos

Die Bilder gingen um die Welt: Stürmische Winde trieben zehn Meter hohe Feuerwände vor sich her, direkt auf Hotels zu. Binnen Stunden wurden im Juli 2023 etwa 20 000 Touristen und Einwohner im Südosten der Insel Rhodos evakuiert, es folgte ein tagelanger Kampf gegen die Flammen. Zurück blieben große Schäden, verbrannte Häuser und verkohlte Olivenhaine. Dennoch verbringen Zehntausende weiter ihre Ferien auf der "Sonneninsel". Was erwartet sie dieses Jahr auf Rhodos und in anderen griechischen Urlaubsorten?

"Die Reparaturen sind fast vollständig abgeschlossen", sagt Inselbürgermeister Alex Koliadis. "Natürlich war das mit hohen finanziellen Kosten verbunden, nicht nur für die Hotels, auch für alle anderen touristischen Betriebe, für Restaurants und Geschäfte." Was die Natur betreffe, die abgebrannten Wald- und Buschregionen, so werde an der Wiederbegrünung und Aufforstung gearbeitet. "Allerdings stehen Landwirte, Viehzüchter und Imker immer noch vor ernsthaften Problemen."

Die Brände in diesem Ausmaß waren für die Insulaner ein Schock. Viele kämpften unter Einsatz ihres Lebens darum, ihre Häuser und Dörfer zu schützen. Es gab viel Solidarität, Koliadis hebt hervor, die Brände hätten gezeigt, dass die Menschen auf Rhodos in Zeiten der Not zusammenhielten. 

Das gilt auch für viele andere Regionen Griechenlands, die im vergangenen Jahr von Naturkatastrophen heimgesucht wurden: Im Nordosten verbrannte im August ein großer Teil des einzigartigen Nationalparks Dadia. In Mittelgriechenland waren im September nach tagelangem Starkregen die Städte Larisa und Volos und die umliegenden landwirtschaftlichen Flächen überflutet. 

Immer wieder kamen Menschen ums Leben, obwohl der Katastrophenschutz jedes Mal konsequent und schnell die Evakuierung nahegelegener Wohnorte veranlasste. Immer wieder gab es große Wellen der Solidarität - nicht nur von Griechen, sondern gerade auch von ausländischen Griechenland-Fans.

Für jene, die im vergangenen Juli ihren Urlaub auf Rhodos wegen der Brände abbrechen mussten, organisierte die Regierung einen neuerlichen Besuch in der diesjährigen Vor- oder Nachsaison: Wer kam, durfte für eine Woche umsonst wohnen. Viel wichtiger aber ist der künftige Umgang mit Naturkatastrophen. 

"Den Flammen hinterherzulaufen, ist kostspielig und ineffizient", sagt Koliadis und warnt vor den kommenden Monaten: "Auf Rhodos erlebten wir einen Winter mit wenig Regen und wir erwarten einen sehr heißen Sommer - wie viele andere Länder im europäischen Süden auch." Prävention sei deshalb das A und O. So wurden unter anderem die Strafen für fahrlässige und mutwillige Brandstiftung stark erhöht - Experten sagen, dass ein Großteil der Brände auf menschliches Handeln zurückzuführen ist.

Die Klimakrise ist in Griechenland angekommen, stimmen Experten, und auch Regierungschef Kyriakos Mitsotakis und Rhodos-Bürgermeister Koliadis, überein. Die Regierung hat kürzlich angekündigt, 2,1 Milliarden Euro in den Katastrophenschutz zu stecken. Das Aktionsprogramm "Aegis" sei notwendig, weil die Klimakrise längst da sei, sagte Mitsotakis. Die Brände 2023 zeigten, dass nichts mehr so sein werde, wie es war. Katastrophenschutzminister Vassilis Kikilias teilte mit, er erwarte einen weiteren Waldbrandsommer, weil der letzte Winter in Griechenland so warm und trocken war. 

Es sollen unter anderem zehn zusätzliche Löschhubschrauber, fünf Löschflugzeuge und hunderte neue Fahrzeuge für die Feuerwehr angeschafft werden. Zudem solle in die Infrastruktur des Katastrophenschutzes, in die technische Ausstattung sowie in neue Technologien investiert werden, etwa in Drohnen, die bei Bränden in unzugänglichen Gebieten zum Einsatz kommen könnten. 

Bürgermeister Koliadis glaubt, dass die Touristen sich der Klimaveränderung sehr wohl bewusst sind. "Sie fallen im Urlaub nicht aus allen Wolken, wenn sie das Wetter erleben. Ich würde sagen, sie haben sich bereits angepasst." Schließlich gelte das für alle: "Wir müssen unsere Einstellung zur Natur ändern und entsprechend handeln."