Unsichere Zeiten

Wie gehe ich mit negativem Flurfunk um?

Wenn es nicht um Klatsch und Tratsch geht, bringt der Flurfunk in Firmen oft Hiobsbotschaften.

22.11.2022 UPDATE: 22.11.2022 11:21 Uhr 2 Minuten, 53 Sekunden
Düstere Aussichten? Über den Flurfunk verbreiten sich vermeintlich negative Nachrichten zum Unternehmen gerne besonders schnell. Foto: dpa

Paderborn (dpa) - Wirtschaftsweise erwarten eine Rezession, die Inflation belastet Unternehmen. Tech-Konzerne entlassen weltweit Zehntausende und streichen auch in Deutschland Jobs. Kriselt die Wirtschaft, nehmen bei Beschäftigten Ängste zu. Über den Flurfunk werden dann viele negative Informationen weitergegeben: Bekommt mein Arbeitgeber überhaupt noch Aufträge? Werden Stellen abgebaut, habe ich demnächst überhaupt noch einen Job?

Im Interview gibt Coachin Birgit Kersten-Regenstein Tipps, was im Umgang mit Unternehmensgerüchten hilft.

Frage: Frau Kersten-Regenstein, wie und warum entsteht Flurfunk eigentlich?

Birgit Kersten-Regenstein: Häufig geht es beim Flurfunk um Fragen, die das Miteinander betreffen, und um monetäre oder personelle Themen. So sind Gerüchte zu Personalwechseln, zu Disharmonien im Vorstand oder Zahlen und Daten aus dem Unternehmen typisch. Wie geht es dem Arbeitgeber? Gehen die Aufträge zurück? Wird Budget gestrichen?

Verschiedene Einflüsse können solche Gerüchte und den Flurfunk noch befeuern. Zum einen alles, was außerhalb des Unternehmens passiert - wie derzeit der Krieg, die Energiekrise oder die Folgen der Pandemie und der Isolation im Homeoffice. Das ist eine Situation, in der Beschäftigte ohnehin viel mit ihren eigenen Angstszenarien in Kontakt kommen.

Eine vermeintlich negative Nachricht über das Unternehmen fällt da auf nährstoffreichen Boden. Das kann schnell realistisch wirken und führt dazu, dass ein Gerücht sich weiterträgt.

Nicht zuletzt spielen Führungskräfte selbst oder das Management eine Rolle. Da, wo versäumt wird, den Status quo im Unternehmen weiterzugeben, entsteht ein Vakuum. Das füllen die Mitarbeitenden mit den sich im Hintergrund anbahnenden Infos aus, die sie meinen beobachten zu können.

In der Summe muss ein Gerücht immer relevant genug sein, damit es weitergetragen wird. Dann ist es aber wie ein Federkissen, das beim Aufschlagen aufplatzt. Das Thema verbreitet sich weitläufig im Unternehmen und lässt sich auch nicht so einfach wieder einfangen.

Frage: Woher weiß ich, ob an einem Gerücht wirklich etwas dran ist?

Kersten-Regenstein: Hier ist Selbstverantwortung gefragt. Ich muss prüfen: Von wem kommt das Gerücht, wie relevant ist das und wer kann womöglich ein passender Gegeninformant sein? Etwa eine vertraute Kollegin, die Führungskraft ...