Kultur des Misstrauens

Knowledge Hiding am Arbeitsplatz

Stellt sich der Kollege einfach dumm oder weiß er die Antwort tatsächlich nicht? Wo Wissen in beruflichen Kontexten bewusst für sich behalten wird, spricht man vom Knowledge Hiding.

03.09.2022 UPDATE: 03.09.2022 06:00 Uhr 3 Minuten, 29 Sekunden
Knowledge Hiding kann viele Ursachen haben: Manche haben schlicht Angst, ihren Expertenstatus zu verlieren, wenn sie ihr Wissen teilen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn​

Von Inga Dreyer

Ohne die Hilfe von Kolleginnen und Kollegen geht es im Beruf oft nicht weiter. Blockt ein Teammitglied ab oder behauptet, die Antwort nicht zu kennen, spricht man von Knowledge Hiding - der bewussten Zurückhaltung von Wissen, das eine andere Person anfragt.

"Viele Menschen kennen den Begriff nicht, aber wenn ich es erkläre, sagen alle: Ja, das habe ich schon mal erlebt oder selbst betrieben", sagt Florian Offergelt, Assistenz-Professor für Leadership and Organizational Knowledge Management an der österreichischen Privatuni Schloss Seeburg.

Knowledge Hiding hat verschiedene Gesichter

Unterschieden wird zwischen verschiedenen Formen von Knowledge Hiding. Wenn jemand so tut, als hätte er keine Antworten, bezeichne man das als sich dumm stellen, "Playing Dumb", sagt Offergelt. Eine zweite Form ist das "Evasive Hiding", also ausweichendes Verhalten. Es trete auf, wenn Menschen angefragtes Wissen nur teilweise weitergeben, mit ihrer Antwort auf die Anfrage ausweichen oder behaupten, das Wissen zu einem späteren Zeitpunkt nachzuliefern.

Die dritte Form ist "Rationalised Hiding", also rationalisiertes Verstecken von Informationen, die nicht weitergegeben werden dürfen. Hinter Knowledge Hiding stecke also nicht immer böse Absicht. Wenn es um Gehaltsinformationen oder Patientendaten gehe, könne es durchaus geboten sein, Informationen für sich zu behalten.

Besitzanspruch auf das eigene Wissen

Ein anderer Grund sei, dass manche Menschen Angst hätten, ihren Expertenstatus zu verlieren, sagt Offergelt. "Sie wollen sich nicht ersetzbar machen, indem sie Wissen teilen. Manche Personen entwickeln ein regelrechtes Besitzanspruchsdenken an 'ihr' Wissen, das wird dann Territorialität genannt."

Es könne tatsächlich persönliche Vorteile mit sich bringen, Informationen nicht zu teilen, sagt Laura Venz, Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Leuphana Universität Lüneburg. "Wenn ich in einem Team arbeite, in dem eine Ellenbogenmentalität herrscht und ich weiß, dass nur eine Person befördert werden kann, behalte ich Dinge vielleicht eher für mich."

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