Automobil-Experte im Interview

"Plug-in-Hybride werden Ladenhüter sein"

Der Direktor des "CAR" Ferdinand Dudenhöffer äußert sich zu den sinkenden Zulassungszahlen und der Lage auf dem Automarkt.

04.08.2022 UPDATE: 03.08.2022 17:24 Uhr 2 Minuten, 22 Sekunden
Elektromobilität
Auto mit Plug-in-Hybrid-Antrieb an einer Ladesäule. Foto: Christoph Soeder/dpa
Interview
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Ferdinand Dudenhöffer Direktor des „CAR – Center Automotive Research“

Von Gernot Heller, RNZ Berlin

Berlin. Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer ist Direktor des "CAR – Center Automotive Research" in Duisburg.

Die Pkw-Neuzulassungszahlen sind erneut kräftig gesunken. Was für wichtige Einzelentwicklungen sehen Sie?

Man sieht an den Zahlen, dass die Auftragsbestände kleiner werden, während die Produktion hochläuft. Neue Kunden aber findet man in der aktuellen wirtschaftlichen Lage einer sich anbahnenden Rezession nicht mehr so leicht. Wir erleben damit einen Kipp-Effekt. Wir geraten aus einer Knappheit an Autos mit hohen Preisen wieder in eine früher gewohnte Situation, in der es mehr Autos als Nachfrager gibt und damit dann im nächsten Jahr die Rabatte wieder steigen. Und noch eines: Die Plug-in-Hybride gehen sehr stark zurück. Nächstes Jahr, wenn es keine Prämie mehr für sie gibt, werden sie im Prinzip nur noch Ladenhüter sein.

Die Talfahrt der Autoindustrie am deutschen Markt geht also weiter?

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Es sieht zwar so aus. Aber da bahnen sich schon Veränderungen an. Wir gehen davon aus, dass die Zulassungszahlen in den nächsten Monaten besser werden.

Haben die Deutschen angesichts hoher Spritpreise und wachsender Klimaschutz-Lasten die Freude an ihrem liebsten Kind verloren?

Das glaube sich zwar nicht. Aber es gibt Entwicklungen, die wir weltweit beobachten können. Wir bewegen uns vielerorts in Richtung Rezession. Die Energiepreise machen den Menschen große Sorgen. Es gibt Verunsicherung, wohin man schaut. Das wirkt sich auch auf die Nachfrage nach Neuautos aus, denn bei einem Großteil davon geht es um Ersatzbedarf für alte Fahrzeuge. Wird die wirtschaftliche Lage schwieriger, fährt man sein Auto in der Regel länger und wartet, "bis wieder die Sonne scheint", bevor man sich zur Großinvestition in ein neues Auto entschließt. Dieser Zusammenhang dürfte in Deutschland in den nächsten ein, zwei Jahren das Bild angesichts des Ukraine-Krieges, hoher Rohstoffpreise und Unsicherheiten bestimmen. Weniger Wirtschaftswachstum heißt auch ...