Noch ist nichts endgültig entschieden: Aber die Vereine unserer Region (unser Bild entstand in Malsch 2019) halten Corona und Karneval für unvereinbar. Foto: Pfeifer
Rund um Wiesloch-Walldorf. (stoy/seb) Erst am Donnerstag hat die Vereinigung Badisch-Pfälzischer Karnevalsvereine die Empfehlung für ihre Mitglieder ausgesprochen, alle Veranstaltungen für die Kampagne 2020/2021 abzusagen, jetzt sind bereits einige Städte dieser Empfehlung gefolgt. So lässt beispielsweise die Perkeo-Gesellschaft Heidelberg die Prunksitzung im nächsten Jahr ausfallen. "Die finanziellen Verpflichtungen, die wir für diese Veranstaltung schon jetzt eingehen müssen, sind ein zu großes Risiko für die Perkeo-Gesellschaft. Aber auch die Gesundheit unserer Mitglieder und Gäste liegt uns sehr am Herzen. Gesundheit geht eben vor Fastnacht!", heißt es in einem Facebook-Post des Perkeo-Präsidiums. Auch in Mannheim sieht’s ähnlich aus. Bis zum 11. November wurde die Karnevalskampagne auf Eis gelegt und auch die Saal-Fasnacht und damit der traditionelle Weiße Ball fallen aus.
Nun stellt auch Konrad Becker, Vorsitzender der Karnevalsgesellschaft Blau-Rot in Malsch, die Veranstaltungen im nächsten Jahr in Frage: "Nach dem momentanen Stand ist noch nichts abgesagt, nächste Woche sprechen wir im Vorstand darüber und dann noch einmal mit allen einzelnen Gruppen. Wir wollen zwar noch etwas warten mit einer Entscheidung, aber ich gehe davon aus, dass wir die Prunksitzung absagen müssen." Das ist gerade in einer Faschingshochburg wie Malsch keine leichte Entscheidung.
"Aktuell planen wir eine Kampagne mit Eröffnung und Prunksitzung", erklärt dagegen Stefan Wolter, Präsident der KG Blau-Weiß Wiesloch. Er sei sich der Empfehlung der Badisch-Pfälzischen Karnevalsvereinigung bewusst und habe sich mit seinen Vereinskollegen eng abgestimmt. "Planen kostet nichts": Das finanzielle Risiko sei gering, die KG müsse keine Kosten befürchten, wenn sie kurzfristig absage. Das gelte für die Mensa des Ottheinrich-Gymnasiums wie auch für die Akteure befreundeter Vereine, die man traditionell einlade. Und mit dem Palatin oder eventuellen Musikern habe man noch keine Verträge geschlossen. "Je nachdem, wie sich die Pandemie entwickelt, behalten wir uns eine Absage vor", so Wolter.
Die Infektionszahlen könnten wieder in die Höhe schnellen und unter Auflagen, die ähnlich wie die jetzigen oder gar strenger sind, "wäre für uns Karneval nicht denkbar". Daher warte man ab, habe sich als "Deadline" den 30. September gesetzt, so Wolter: Wenn sich dann abzeichne, dass die Pandemie nach wie vor empfindliche Einschränkungen erfordere, lasse man Karneval ausfallen. "Bis dahin bleiben wir optimistisch."
Eher nüchtern sieht Andreas Müller, Presseminister der KG Astoria Störche Walldorf, die Situation: " Bei uns im Vorstand betrachten wir das realistisch, auch wenn es eine emotionale Sache ist." Man wolle im Verein zunächst einmal abwarten und nicht in Panik verfallen, so Müller weiter. Optimistisch klingt er aber nicht: "Ich kann mir nicht vorstellen, wie in einer Festhalle 600 Leute unter diesen Auflagen zusammenkommen sollen.Wir hängen total in der Luft, überall herrscht absolute Uneinigkeit." Jedoch sei noch keine endgültige Entscheidung für die Veranstaltungen im Februar und März gefallen und für den Fall der Fälle könne der Verein auch noch kurzfristig die Inthronisation der Lieblichkeit stemmen.