Beides könnte die Messungen verfälschen. Mit der Wahl der drei Standpunkte ist Schaupp nun zufrieden. "Die Messstation in Wieblingen erfüllt sogar die harten Kriterien des Deutschen Wetterdienstes", erzählt er. Dazu gehört, dass die Temperatur beispielsweise zwei Meter über einer Wiese gemessen wird.

Auf dem Königstuhl weht der Wind um 14.10 Uhr auf 565 Metern mit einer Geschwindigkeit von vier Metern pro Sekunde, er kommt von Südwesten her, die Lufttemperatur beträgt 0,6 Grad minus. Im Zehn-Minuten-Takt werden Daten wie diese nun über Mobilfunk verschickt, sodass Kai Schaupp und seine Kollegen sie jederzeit aktualisiert auf dem Monitor einsehen können.

Zunächst geht es darum, überhaupt Daten zum Heidelberger Klima zu sammeln. Mittelfristig sollen sie jedoch auch einen praktischen Nutzen haben. "Wir hoffen, Starkregen besser prognostizieren zu können, denn er ist als örtlich sehr begrenztes Phänomen nur schwer über Radar zu erfassen. Und wir versprechen uns, Inversionswetterlagen künftig besser zu verstehen." Bei Inversionswetterlagen sind die Temperaturverhältnisse in der Luft umgekehrt ("Inversion"), sodass wärmere über kühleren Luftschichten liegen. Das erschwert, dass Schadstoffe in die Atmosphäre entweichen.

Die drei nun in Betrieb genommenen städtischen Messstationen erfassen die Schadstoffe in der Luft nicht. Das übernimmt die Messstation, die die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg an der Ecke Berliner Straße  / Blumenthalstraße in Neuenheim aufgestellt hat. Die Luftqualität sei gut, ermittelt sie am frühen Dienstagnachmittag – auf Grundlage der Werte von Ozon, Feinstaub und Stickstoffdioxid.

Die Daten der drei neuen Messstationen lassen sich aber für Voraussagen dazu nutzen, wie sich Schadstoffe in der Luft verbreiten. Mit ihrer Hilfe könne man also möglicherweise irgendwann Handlungsempfehlungen geben, hofft Schaupp aus der Stadtverwaltung: zum Beispiel zum Hochwasserschutz oder zur Verkehrssteuerung. "Heute ist Inversionswetter, bitte nutzen Sie möglichst das Rad oder den öffentlichen Nahverkehr", könnte so eine Handlungsempfehlung lauten. Noch ist das Zukunftsmusik. "Aber dass sich konkrete Maßnahmen ableiten lassen, war ein wichtiger Gesichtspunkt bei der Förderung", erläutert Schaupp. Das Bundesverkehrsministerium unterstützt die Wetterstationen im Rahmen des Sofortprogramms "Saubere Luft".

Die Messungen sollen bald auch öffentlich einsehbar sein. Derzeit beobachtet sie die Stadt gemeinsam mit ihren Projektpartnern von der Abteilung Geografie der Pädagogischen Hochschule Heidelberg sowie vom Institut für Umweltphysik der Universität. Diese betreiben zusätzlich eigene Messstationen in Heidelberg und der Region. Aber warum braucht es so viele Messstationen?

"Wetterphänomene sind sehr kleinräumig", sagt Alexander Siegmund, Geograf und Professor an der Pädagogischen Hochschule und an der Universität Heidelberg. So könne sich das Klima innerhalb der Stadtviertel, aber auch zwischen den Höhenlagen deutlich unterscheiden. "Es ist interessant, diese Unterschiede zu sehen", meint er.

Als Forscher will er auch wissen, wie es um das Wetter am Übergang zwischen Odenwald und Rheinebene bestellt ist. "Insbesondere der Neckartäler Wind aus dem Hinterland wird über dem Neckar kanalisiert und beschleunigt. Der ist auch als Frischluft interessant, gerade bei dichter Bebauung." Schon jetzt zeigt sich, dass der Wind an den drei städtischen Messstationen oft aus unterschiedlichen Richtungen weht. Siegmund hofft, es bald noch genauer zu wissen.

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