"Ich bin stolz auf uns"
Abdul ist vor zehn Jahren mit seinen Eltern und dem kleinen Bruder nach Deutschland geflohen. Die Familie hat alles riskiert. Sie wollte in Sicherheit leben.

Bochum (dpa) - "Wir sind Bochumer." Das ist für den 14-jährigen Abdul glasklar. In der westdeutschen Stadt Bochum geht er zur Schule, spielt Fußball im Verein und ist gern mit seinen Freunden unterwegs.
Vor zehn Jahren war Abdul mit seinen Eltern und seinem kleinen Bruder Jan nach Deutschland gekommen. Die Familie hatte ihre Heimat verlassen. Im Land Syrien tobte ein schlimmer Krieg. Das Leben dort war gefährlich. Abduls Vater Mohanad sagt: "Meine Frau und ich wollten eine gute Zukunft für unsere Kinder." Dafür haben sie viel Geld bezahlt und alles riskiert. Sie flohen nach Deutschland, wie Hunderttausende andere Menschen auch.
Gefährliche Überfahrt
Im November des Jahres 2015 begann ihre Flucht. Mohanad erzählt: "Wir sind aus dem Land Libanon in die Türkei geflogen und dann mit einem Boot nach Griechenland gebracht worden, auf eine Insel." Seine Frau Juhayna sagt: "Ich hatte Angst. Es war dunkel und kalt. Wir hatten Rettungswesten an. Aber außer meinem Mann konnte keiner von uns schwimmen."
Abdul war damals vier Jahre alt. Er erinnert sich an die Überfahrt. "Das war unheimlich. Aber meine Eltern haben gut auf meinen Bruder und mich aufgepasst."
Ein Schiff brachte die Familie nach Athen. Das ist die Hauptstadt von Griechenland. Mit dem Bus, einem Auto, zu Fuß und mit dem Zug ging es danach durch viele Länder: Nordmazedonien, Serbien, Slowenien, Kroatien und Österreich. Den Tag, an dem die Familie in Deutschland ankam, wird Mohanad nie vergessen: "Das war am 23. November 2015."
Auf dem Weg zum deutschen Pass
Drei Jahre später kam die Tochter Jana auf die Welt. Neun Jahre später erhielten der Vater und die drei Kinder den deutschen Pass. Mutter Juhayna muss noch eine Deutsch-Prüfung machen, dann kann auch sie Deutsche werden. Abdul sagt: "Ich bin stolz auf uns. Wir kamen an und hatten nichts. Heute haben wir alles, was wir brauchen."
In seiner Heimat hatte Abduls Vater in einer Metzgerei gearbeitet. Heute ist er als Produktionshelfer in einer großen Firma beschäftigt. Er träumt von einem eigenen Haus. Auf die Frage, was ihm an Deutschland am besten gefällt, sagt er: "Die Freiheit!"
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