"Am Ende haben wir mehr Wald"
Bei der ersten Vor-Ort-Besichtigung äußerten sich Fachleute zu den geplanten Windrädern im Meckesheimer Forst.

Von Felix Hüll
Meckesheim. "Zeit, dass sich was dreht" – im übertragenen Sinne gleich zweimal passt Grönemeyers Hymne zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 auf die Ereignisse im Vorfeld des Meckesheimer Windkraft-Bürgerentscheids am 23. Juli: Es geht einmal um den Plan für sechs sich drehende Windräder, und es geht zum Zweiten um die Art, wie die Bürgerschaft informiert wird. Andernorts im Rhein-Neckar-Kreis wurde dies bislang so nicht gehandhabt – sieht man von einem ähnlichen Informationsvorgehen vor einem Bürgerentscheid in Eberbach 2022 einmal ab.
Erstmals hat eine Vor-Ort-Besichtigung an zwei der möglichen Windkraftstandorte im Wald zwischen Meckesheim, Mauer, Lobbach und Wiesenbach stattgefunden. Dazu hatten sich rund 120 Interessierte am Parkplatz Salzberghütte eingefunden. Sie hörten Ausführungen von Bürgermeister Maik Brandt, Forstbezirksleiter Philipp Schwegler, Förster Benno Künzig und vor allem von Julia Wolf, Projektleiterin beim Energieunternehmen RWE, und konnten Fragen stellen. Den Rundgang moderierte Jakob Lenz vom "Forum Energiedialog", einem vom Land finanzierten Unterstützungsdienstleister für derartige Aufklärungsarbeit.
Der Gemeinderat hatte vorbehaltlich eines "Ja" beim Bürgerentscheid RWE den Zuschlag für Windradbau im Gemeindeforst erteilt. Nach einem "Interessenbekundungsverfahren" unter Beteiligung des Beratungsbüros "Kommunalvertretung Rheinland-Pfalz" war RWE als der Interessent hervorgegangen, der die Anforderungen der Gemeinde am besten erfülle, darunter etwa den Wunsch nach einer Bürgerbeteiligung an den Windrädern in Form von Spareinlagen. Im Grün der etwa 35 Meter hohen Bäume stehend, erfuhren die Teilnehmenden an Inforundgang, dass die geplanten Windräder sieben mal so hoch werden.
Standorte bislang nur Entwürfe
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Die bisher auf Karten gezeigten möglichen Standorte sind laut Julia Wolf lediglich Entwurfsskizzen, ebenso die Grafik, die bei dem Rundgang verteilt wurde. RWE sei an möglichst hoch gelegenen Positionen interessiert, aber die genauen Standorte werden erst nach Ergebnissen der vorgeschriebenen Gutachten im weiteren Verlauf der Planung genau zu lokalisieren sein. Zur Anfahrt der Materialien und der Bauteile wird Wald abgeholzt. Pro Windrad benötige man zum Bau etwa einen Hektar freie Fläche, von der 0,6 Hektar "dauerhaft umgewandelt" bleiben, so Wolf. Rodungen, die während der Bauzeit erfolgen müssen, sollen ebenso wieder aufgeforstet werden wie die vorgeschriebenen Ausgleichsmaßnahmen. Bürgermeister Brandt: "Am Ende haben wir nicht weniger Wald, sondern mehr, und auch noch in besserem Zustand". Die Forstfachleute Schwegler und Künzig verwiesen auf die Fichten- und Buchenbestände, die ohnehin Klimawandel und Borkenkäfer zum Opfer fielen und durch Douglasien und Eichen ersetzt werden sollen. Für den Windpark werden in der Bauphase neben sechs Hektar für sechs Windräder noch rund 7,5 Hektar für Zuwege abgeholzt. Insgesamt hat der Gemeindewald laut Schwegler 260 Hektar. Damit würden fünf Prozent der Gemeindewaldfläche gerodet. Der jährliche Forsteinschlag von 1800 bis 2000 Festmeter Holz (allerdings auf größeren Flächen und nur jeweils Einzelbäume) entspreche etwa sechs Hektar Waldfläche. Beim Bau, rechnete Wolf vor, werde man pro Windradfundament innerhalb von zwei Tagen rund 120 Lasterladungen Beton benötigen; in der Folge sei je Windrad mit drei Transporten für drei 80-Meter-Rotorblätter, sechs Mal für je ein Maschinenhaus und sechs Mal je zwei Transporten für große Turmsegmente zu rechnen. Weil ein Fachingenieurbüro die Anfahrtlogistik erst noch entwickle, "kann ich nicht sagen, wo genau wir anfahren werden".
Info: Weitere Details zum Vorhaben gibt es bei der Bürgerversammlung, die für Mittwoch, 5. Juli, ab 18 Uhr in der Auwiesenhalle anberaumt ist.