Stellenanzeigen richtig lesen

Die Wahrheit zwischen den Zeilen

"Dynamisches Unternehmen" - ein Code für Chaos? Und was heißt "junges Team" eigentlich genau? Wer Stellenanzeigen liest, stößt bisweilen auf zweideutige Formulierungen. Da lohnt sich genaues Hinsehen. Denn oft verraten die Floskeln sehr viel über einen Arbeitsplatz.

29.05.2018 UPDATE: 29.05.2018 08:53 Uhr 2 Minuten, 24 Sekunden
Woher die Eile? Ist eine Stelle «ab sofort» zu besetzen, sollten Bewerber zumindest stutzig werden. Wurde dem Vorgänger vielleicht fristlos gekündigt? Foto: dpa​

Von Pauline Sickmann

Berlin. Verschlüsselte Nachrichten kennt man eigentlich eher aus Agentenfilmen. Aber auch im Job spielen sie eine Rolle - zum Beispiel in Arbeitszeugnissen, mit ihren scheinbar immer gleichen Standardfloskeln, die aber je nach Nuance ganz unterschiedliche Bedeutungen haben. Solche Baukasten-Formulierungen gibt es auch in Stellenanzeigen. Steckt dahinter eine ähnliche Geheimsprache wie im Zeugnis?

"Nein", sagt der Karriereberater Christoph Burger. "Einen Code wie bei Zeugnissen gibt es in Stellenanzeigen nicht." Die Formulierungen in Zeugnissen seien durch Gerichtsentscheidungen geprägt und haben sich über Jahre hinweg entwickelt. Das sei bei Inseraten für freie Jobs nicht der Fall. "Allerdings kann man auch bei Stellenanzeigen zwischen den Zeilen lesen." Oft lässt sich so einiges herausfinden, das nicht explizit in der Anzeige steht.

"Es gibt Anzeigen, die transportieren direkt ein Gesamtbild, das ist natürlich perfekt", sagt der Karriereberater. Erwarten dürfen Jobsucher zudem, dass die Anzeige dem annoncierten Job entspricht: Für eine Aushilfskraft reicht eine kleine Anzeige, bei Vollzeitjobs mit Verantwortung braucht es mehr Informationen.

Das richtige Maß an Infos, ein guter Gesamteindruck vom Unternehmen - klingt erstmal nicht besonders schwierig, oder? "Da muss ich für meine Kollegen in die Bresche springen", sagt Katharina Herrmann vom Bundesverband der Personalmanager (BPM). "Eine perfekte Stellenanzeige zu verfassen, ist eine hohe Kunst."

Im Idealfall hat ein Unternehmen die Stellenausschreibung als Anlass für eine kleine Strategie-Analyse genommen. "Das Team sollte reflektieren: Welche Kompetenzen und Fähigkeiten brauchen wir genau?", sagt Herrmann. Und Bewerber sehen dann bestenfalls gleich, ob ein Job zu ihnen passt.

Warum enthalten so viele Stellenanzeigen dann trotzdem die ewig gleichen Floskeln? Die Gründe dafür sind so vielfältig wie die Unternehmen selbst, sagt Claudia Bibo vom Karriereportal Monster. Manche möchten vielleicht einen Weg finden, vor allem Frauen anzusprechen, ohne gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) zu verstoßen. "Andere haben die klassischen Formulierungen als Personaler vor Jahren gelernt und setzen sie heute noch ein." Und einige orientierten sich beim Texten der Stellenanzeigen an schon vorhandenen Beispielen.

Dabei sind die feinen Nuancen eigentlich wichtig: So unterscheidet sich ein ...