Sinsheim

Bei der Rallye von Peking nach Paris war am Himalaja Schluss

Vor 25 Jahren starteten Hermann Layher und Jörg Holzwarth auf ihre Rallye. Dabei waren die Fahrer das größte Verschleißteil.

22.09.2022 UPDATE: 22.09.2022 06:00 Uhr 2 Minuten, 34 Sekunden
Museumspräsident Hermann Layher und Oldtimer-Experte Jörg Holzwarth machten sich mit dem damals 90 Jahre alten American La France auf die 16 000 Kilometer lange Reise. Im Hochgebirge fiel Layher ohnmächtig vom Sitz. Foto: Technik-Museum

Sinsheim. (zg) Dass es ein Abenteuer wird, war beiden klar. Doch dass Hermann Layher, Präsident des Technik-Museums, ohnmächtig vom Sitz fallen würde, hätten er und Oldtimer-Experte Jörg Holzwarth nicht für möglich gehalten. Am 6. September 1997 starteten die beiden auf der Rallye Peking–Paris. Und zwar mit einem American La France. Der "Funkenblitz" stammt aus dem Jahr 1907.

Holzwarth stimmte dem Vorhaben sofort zu. Nur den Organisator der Revival-Rallye überkamen Sorgen. Er rechnete nicht damit, dass einer auf die wahnsinnige Idee kommt, 16.000 Kilometer in einem 90 Jahre alten Gefährt zu bestreiten. Einzige Voraussetzung: Es mussten Kotflügel dran. "So ein altes Auto vermittelt dir mehr von allem. Du hast die Landschaft im Arm, wenn du so obendrauf sitzt. Du atmest und riechst es. Die Gerüche und Bilder in China werde ich nie vergessen", sagt Layher.

Bis auf ein gebrochenes Auslassventil ist der 95 PS-starke Klassiker gut durch das Reich der Mitte gekommen – anders als die Fahrer. Zunächst kamen beide gut zurecht. Doch dann ging es Richtung Himalaja. Die Luft wurde kälter, Graupelschauer und Schneefall setzten ein. Die beiden verharrten stundenlang auf den Sitzen, zusammengekauert in einer Position. Da die Motorhaube tief sitzt, waren die Männer von der Gürtelschnalle aufwärts dem Fahrtwind ausgesetzt. "Wir hatten schon gute Kleidung. Aber der Reißverschluss daran war der Schwachpunkt. Der permanente Winddruck, Regen und das Schneetreiben haben das Wasser durch den Reißverschluss gedrückt. Somit hat es sich unter der Jacke verbreitet, und wir kühlten langsam aus. Uns fehlte eine Windschutzscheibe", erzählt Holzwarth. "Die Fahrer waren das größte Verschleißteil bei dieser Rallye", sagt Layher dazu.

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Heute kann er darüber lachen. Vor 25 Jahren sah das noch anders aus. Irgendwo im Hochgebirge fiel er ohnmächtig vom Sitz. Zwei Schafhirten zogen ihn in ein Zelt, dort kam er wieder zu sich. Daran fehlt ihm jede Erinnerung. Sein Mitstreiter, selbst durchnässt und schwach auf ...

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