Wiesenbach

Demos für Demokratie legen Pause ein

40 Menschen nahmen am Montag an einer Kundgebung am Rathaus teil.

16.05.2024 UPDATE: 15.05.2024 20:30 Uhr 1 Minute, 32 Sekunden
Noch einmal Gesicht für Demokratie und gegen Extremismus zeigten die Bürger. Foto: nah

Wiesenbach. (nah) Gesicht zeigen für die Demokratie. Das war das Motto zum Aufruf, den der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Jürgen Berger startete, als die menschenverachtenden Pläne und Ideen von Rechtsextremisten bei ihrem Treffen in Potsdam im November publik wurden und Reaktionen der Zivilgesellschaft herausforderten. Von Wiesenbach aus schwappte das Phänomen in die ganze Region. Nun endeten die Montagsdemonstrationen vorerst dort, wo sie begonnen hatten.

Eine Gruppe von etwa 40 Personen traf sich vorerst nun zum letzten Mal am Wiesenbacher Rathausplatz. "Zu Beginn kamen noch 150 Personen zusammen", beschrieb Initiator Jürgen Berger die allmählich abnehmende Unterstützung in der Bevölkerung. Matthias Kliche, auch als Vorsitzender des Grünen-Ortsverbands engagiert, hatte die Bewegung, die in Wiesenbach über Parteigrenzen hinweg, Vereine und Kirchengemeinden genauso einschloss, organisiert.

Nun wollte man noch einmal Flagge zeigen und bewusst machen, wie schnell Rechts- und Linksextremismus zur Bedrohung der Demokratie erwachsen können. Dabei hatte man auch die jüngsten Vorkommnisse um Angriffe auf Wahlhelfer im Blick. In der Gemeinde schätzt man sich glücklich, dies nicht erleben zu müssen, gleichwohl auch hier vereinzelt Plakate beschädigt wurden.

"Warum habt ihr das so weit kommen lassen, dass Nazis die Herrschaft übernommen haben?" Mit dieser damals an die Elterngeneration gerichteten Fragen erinnerte Jürgen Berger in seiner Ansprache an das Emporkommen der NSDAP, der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, vor rund 100 Jahren. Damals hatte sich unter der Bezeichnung "Saalschutz" eine Schlägertruppe gebildet zum Schutz der parteieigenen Veranstaltungen, die gezielt politische Gegner provozierten und aus der Veranstaltung prügelten. Daraus ging 1921 die SA (Sturmabteilung) hervor, eine paramilitärische Kampfeinheit der NSDAP.

Jüngste Angriffe auf Wahlhelfer und Politiker des gesamten Parteienspektrums müssten Demokraten aufrütteln. Die zunehmende sprachliche Verrohung nähre Gewaltbereitschaft. Das besorgt Kliche. "Gewalt, ob sprachliche oder tatsächliche, das ist die rote Linie, die nicht überschritten werden darf", betonte er.

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Berger unterschied in seiner Rede nicht in seiner Verurteilung zwischen linker und rechter Gewalt. Er stellte fest: "Gewalt hat eine gewichtige Rolle bei der Zerstörung der Weimarer Republik gespielt." Deshalb sei es wichtig, in Zeiten politischer Unsicherheit ein Zeichen zu setzen und nicht zuzulassen, dass Grundrechte und Demokratie bedroht werden. "Lasst uns aufstehen gegen jede Form von Extremismus, Gewalt und Intoleranz und für Freiheit, Gerechtigkeit und Respekt aller Menschen", rief er.

Sein Dank richtete sich an alle Helfer, insbesondere an Matthias Kliche, der die Gruppen für die Demokratiebewegung zusammenbrachte. Der Applaus verdeutlichte die Wertschätzung für diesen Einsatz. Bevor man auseinanderging, stimmte man noch Lieder eines Liedblattes an, das Berger verteilt hatte.

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