Neckargemünd/Neckarsteinach

Neuer Fährmann und wieder täglicher Betrieb der Fähre

Zurück in ruhigem Fahrwasser: Alexander Deringer kam als "Gelber Engel".

03.04.2024 UPDATE: 03.04.2024 04:00 Uhr 2 Minuten, 30 Sekunden
Alexander Deringer (links) und Markus Seibert bilden das neue Team auf der Fähre. Foto: Alex

Von Christoph Moll

Neckargemünd/Neckarsteinach. Es gibt gute Nachrichten von der Fähre zwischen dem Neckargemünder Ortsteil Neckarhäuserhof und dem Neckarsteinacher Stadtteil Neckarhausen: Die "schwimmende Brücke" zwischen Baden-Württemberg und Hessen ist ab sofort wieder täglich in Betrieb.

Nach fast einem Jahr alleine auf der Fähre hat Markus Seibert einen neuen Kollegen: Alexander Deringer ist der neue Fährmann und beendet den eingeschränkten Sonderfahrplan, mit dem sich Seibert seit der Kündigung seines Kollegen vor einem Jahr über Wasser gehalten hatte.

Der neue Mann auf der Fähre ist 47 Jahre alt und lebt seit 2014 in Neckarsteinach. Dort hat Alexander Deringer mit seiner Familie, zu der zwei Kinder gehören, ein Grundstück gefunden und ein Haus gebaut. Ursprünglich kommt er aus Leimen, ist gelernter Maschinenbautechniker und arbeitete zuletzt als "Gelber Engel" bei der ADAC-Pannenhilfe. Diese Tätigkeit führte ihn vor etwa einem Jahr auch in den Neckarhäuserhof. "Dort ist ein Kunde mit dem Auto stehengeblieben", erzählt er.

"Dieser hat mir erzählt, dass ein Fährmann gesucht wird – da hat es bei mir Klick gemacht." Denn der 47-Jährige wollte sich ohnehin beruflich neu orientieren. "Das war ein großer Zufall und wie ein Sechser im Lotto", sagt der neue Fährmann, der gerne angelt und die Natur sowie den Umgang mit Menschen liebt.

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Am nächsten Tag meldete sich Deringer bei der Stadt Neckargemünd und stellte sich Seibert vor. Die Fähre kannte er nur als Fahrgast bei Langzeit-Fährmann Achim Landwehr.

Für einige Fahrgäste dürfte Alexander Deringer nun gar kein neues Gesicht sein, denn seit fast einem Jahr begleitete er Markus Seibert auf der Fähre. Zum Ablegen des Fährpatents müssen 180 Fahrtage nachgewiesen werden. "Ich war fast jeden Tag da", erzählt er. Doch keine Praxis ohne Theorie: "Es gab sehr viel Stoff zu lernen", sagt Deringer.

Über 1000 Fragen kamen für die Theorieprüfung – ähnlich wie bei der Führerscheinprüfung – in Frage, 120 waren es letztlich. Davon mussten 96 korrekt beantwortet werden. Die Praxisprüfung an der Fähre dauerte anderthalb Stunden. Es ging auch um Fragen zu Antrieb und Sicherheit. Auch den sogenannten Funkschein musste Deringer erwerben, um mit nahenden Schiffen kommunizieren zu können.

"Die Fähre zu fahren ist nicht so einfach wie es aussieht", gibt Deringer zu bedenken. "Jede Fahrt ist anders, man muss die Fähre fühlen." Wind- und Strömungsverhältnisse ändern sich stets. Dennoch hat Deringer schon Routine. Tatsächlich ist er schon alleine gefahren, aber immer unter den Augen von Markus Seibert. "Es ist ein sehr gutes Gefühl, nun endlich alleine fahren zu können", sagt er. "Ich freue mich sehr, dass die gute alte Fähre weiter besteht."

Deringer hofft nun auf viele Fahrgäste, die die Fähre am Leben halten. Gelegen kommt ihm, dass er als Techniker sich mit Motoren auskennt und die Fähre selbst in Schuss halten kann. Deringer bringt seinen zweieinhalbjährigen Hund "Nero" mit, der ihm Gesellschaft leisten wird. Der "verspielte und nette" Dobermann war schon ein paar Mal an Bord.

"Ich kann es noch gar nicht glauben", sagt Markus Seibert. Seit einem Jahr war er – mit Ausnahme einer mehrwöchigen Winterpause – durchgehend im Dienst. Nun hat er wieder öfter frei, denn die Fährleute teilen sich den Dienst im wöchentlichen Wechsel. Seibert hofft, dass es nun wieder bergauf geht mit der Fähre. Zuletzt hatte er wegen der eingeschränkten Betriebszeiten nur noch sechs Monatskarten an Pendler verkauft, vor einem Jahr waren es noch um die 30.

Die Stadt Neckargemünd und der hessische Kreis Bergstraße als Betreiber der Fähre würden sogar eine dritte Kraft auf der Fähre finanzieren, um die Arbeitsbedingungen attraktiver zu machen. Die Fährleute erhalten einen Fixbetrag und das Fahrgeld. Es gab auch noch einen weiteren Interessenten, doch dieser ist laut Seibert abgesprungen. Aber: "Eine weitere Bewerberin war schon zweimal da", sagt der Fährmann.

Info: Laut Sommerfahrplan verkehrt die Fähre nun montags bis freitags ab 6.10 Uhr, samstags ab 8 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen ab 9 Uhr. Dienstschluss ist immer um 19 Uhr, Mittagspause von 11.45 bis 12.45 Uhr.

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