Mauer

Rund 700 Mauermer wollten Kandidaten sehen (plus Videos)

Einen großen Besucheransturm gab es bei der Vorstellung der Bewerber. Die Kandidaten hatten 15 Minuten Zeit für ihre Vorstellung, die Bürger hatten viele Fragen.

09.07.2024 UPDATE: 09.07.2024 17:25 Uhr 6 Minuten, 31 Sekunden
Foto: Sabrina Lehr

Von Sabrina Lehr

Mauer. Einen solchen Andrang hat die Sport- und Kulturhalle wohl schon lange nicht mehr erlebt. Schon gut 20 Minuten vor Veranstaltungsbeginn werden Bürger an den Türen abgewiesen. Die Stuhlreihen im Inneren sind da schon lange besetzt. An den Wänden drängen sich stehende Bürger und auch aus dem Foyer verfolgen Bürger – zumindest akustisch – was sich im Saal abspielt.

Rund 700 Mauermer sind nach Schätzung von Ex-Bürgermeister John Ehret am Montagabend in die gute Stube der Gemeinde gekommen, um ihren künftigen Bürgermeister – oder ihre Bürgermeisterin – zu sehen. Am kommenden Sonntag, 14. Juli, wird Eherts Nachfolger gewählt.

Schon 20 Minuten vor Beginn war die Sport- und Kulturhalle voll. Foto: Sabrina Lehr

Die Begrüßung übernahm Gemeinderat Joachim Frühauf als Vorsitzender des Gemeindewahlausschusses. Bevor es um den nächsten Mauermer Rathauschef ging, beglückwünschte Frühauf aber erst einmal einen anderen Rathauschef.

Maik Brandt aus Meckesheim war am Sonntag wie berichtet im Nachbarort wiedergewählt worden. Er hatte es sich aber wie seine Kollegen Holger Karl aus Bammental, Eric Grabenbauer aus Wiesenbach und Werner Braun aus Spechbach nicht nehmen lassen, die Kandidatenvorstellung zu besuchen.

Aus der ersten Reihe verfolgten sie, wie Frühauf die Kandidaten vorstellte: Heiko Braun (SPD), Mathias Schmalzhaf, Amanda Decker (CDU), Matthias Hunger und Sabrina Spindler (Grüne) treten am Sonntag an. "Heute haben Sie die Gelegenheit, die Personen hinter den Wahlplakaten zu erleben. Ihre Ziele, ihre Visionen, ihre Prioritäten", sagte Frühauf, der überdies das breite Kandidatenfeld und das enorme Interesse an der Bewerbervorstellung als positives Zeichen wertete: "Demokratie lebt in Mauer."

Ganz im Sinne der Demokratie galten dann auch die gleichen Regeln für alle Kandidaten: Jeder Bewerber hatte 15 Minuten Zeit, sich vorzustellen. Die Reihenfolge entsprach derjenigen, die am Sonntag auch auf dem Wahlzettel zu lesen sein wird. Die Uhr im Blick behielt Kämmerin Monika Czemmel.

Wie es sich für eine Schiedsrichterin gehört, zeigte sie nach 13 Minuten die gelbe Karte. Wenn die Redezeit nach 15 Minuten abgelaufen war, gab es die rote Karte. Während ein Kandidat sich vorstellte, musste der Rest im Kabinentrakt warten. Zeigen musste sie die rote Karte nur einmal: Amanda Decker hatte mit 15:04 Minuten etwas zu lange geredet.

Am zweitlängsten sprach Mathias Schmalzhaf mit 14:33 Minuten, gefolgt von Heiko Braun mit 14:19 Minuten. Sabrina Spindler sprach 11:36 Minuten und Matthias Hunger war nach zügigen 3:24 Minuten fertig. Anders fiel die Rangliste übrigens bei der Dauer des Applauses der proppenvollen Halle aus.

Hier wurde Braun mit rekordverdächtigen handgestoppten 30 Sekunden am längsten beklatscht. Es folgte Schmalzhaf mit 23, Decker mit 22, Spindler mit 15 und Hunger mit 14 Sekunden Applaus.

Im Anschluss an die Vorstellungsrunde durften die Bürger – wohlgemerkt nur die Mauermer – ans Mikrofon und den Bewerbern ihrer Wahl Fragen stellen, was sie ausgiebig nutzten.

Das letzte Wort hatte dann nach rund zweieinhalb Stunden nochmal Wahlausschusschef Frühauf. "Gehen Sie zur Wahl und bestimmen Sie mit, wer Bürgermeister wird", appellierte er und hoffte auf eine breite Wahlbeteiligung als Stütze für den neuen Rathauschef. "Wir sehen uns am Sonntag an der Wahlurne."


Die fünf Kandidatenvorstellungen im Video


Heiko Braun

Er will mehr Bürgernähe

Der 41-jährige Physiker, der als Produktmanager arbeitet, hielt ein Plädoyer für Bürgernähe. Als Rathauschef wolle er den Bürgern zuhören und wieder Bürgerversammlungen einführen. Braun betonte das "Wir-Gefühl" in Mauer, wo er aufwuchs und fest verwurzelt ist – auch in der Vereinslandschaft. Er stehe für Innovation und Fortschritt, packe an und wolle so auch den Herausforderungen um Digitalisierung, Klimaneutralität und demografischem Wandel begegnen. Er will älteren Bürgern Hilfe im digitalen Raum geben, die Nachbarschaftshilfe stärken, für verlässliche Kinderbetreuung sorgen und einen Jugendtreff installieren sowie den Trimm-Dich-Pfad am Karlsbrunnen reaktivieren. Bei einer Wahl will der Vater von vier Kindern und SPD-Gemeinderat erneuerbare Energien ausbauen und Energie einsparen, außerdem eine Klimamesse einführen und dem örtlichen Gewerbe mehr Möglichkeiten zur Eigenpräsentation geben. 


Mathias Schmalzhaf

Er steht für nahtlosen Übergang

Der 49-jährige Haupt- und Bauamtsleiter im Rathaus präsentiert sich als "leidenschaftlicher Kümmerer, der Lösungen sucht und da ist, wenn er gebraucht wird". Er sei pflichtbewusst und zuverlässig und habe auch für den Wahlkampf keinen Urlaub genommen. Er werde ein Bürgermeister sein, der zwar auch Nein sagen müsse, aber erkläre, wieso etwas nicht möglich ist. Er mache keine Versprechungen, die er nicht halten könne. Er sei im Rathaus eingearbeitet, womit ein nahtloser Übergang sichergestellt sei. Unter ihm als Bürgermeister solle jeder in Mauer einen Platz haben. Er wolle sich für Sanierung und Instandhaltung der Infrastruktur einsetzen, ebenso für verlässliche Kinderbetreuung. In Sachen Klima- und Naturschutz setzt er auf die kommunale Wärmeplanung. Der verheiratete Vater zweier Kinder will das Ehrenamt unterstützen, Bürger einbeziehen und auf gute Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat setzen.


Amanda Decker

Sie will einen Plan entwickeln

Die 35-jährige IT-Ingenieurin, die vor neun Jahren mit Ehemann und ihren drei Kindern nach Mauer gezogen ist, hob hervor, dass sie sich den "Blick von außen" bewahrt habe. Sie will einen "Gemeindeentwicklungsplan" erstellen, in dem Ziele und Maßnahmen festgeschrieben werden. 
Decker will bürokratische Hürden für Vereine senken. Sie will die Betreuung stärken, die Kernzeit ausbauen und für attraktive Spielplätze sorgen. Ein Jugendtreff soll eingerichtet werden, für ältere Bürger Einkaufsmöglichkeiten und Infrastruktur im Ort erhalten werden. Decker will Mauer als "Geschäftsstandort" 
attraktiver machen. Örtliche Schutzgebiete sollen bewahrt werden, eine Bebauung des "Specken" lehnt sie ab. Der digitale Bürgerservice soll ausgebaut, die kommunale Wärmeplanung und der Ausbau von PV-Anlagen vorangetrieben werden. 
Decker will die Beziehung zu den Partnergemeinden wiederbeleben.


Matthias Hunger

Er will ansprechbar sein

Der 58-jährige Verwaltungsfachmann aus Leimen, der verheiratet ist und zwei erwachsene Kinder hat, stellt seine Kandidatur unter das Motto: nur der Gemeinde und den Bürgern verpflichtet. Er habe weder Bezüge zu Parteien, noch zu Vereinen oder Personen in Mauer. Er habe so den Blick von außen und sei unvoreingenommen. Im Falle seiner Wahl will er etwa das Projekt klimaneutrales Mauer fortführen und auch Herausforderungen bewältigen, wie zum Beispiel die Fortbildung der Feuerwehr etwa bei der Löschung von PV-Anlagen. Er will sich der besseren Beschilderung von Fuß- und Radwegen annehmen und einen Treffpunkt für Jung und Alt schaffen. Für Bürger will er ansprechbar sein, sich für sie einsetzen und Wünsche bestmöglich umsetzen – stets in Abstimmung mit den Gemeinderat. "Demokratie lebt vom Mitmachen und vom Abstimmen", betonte er und appellierte an die Bürger, zu wählen.


Sabrina Spindler

Sie will barrierefreie Demokratie

Die 41-jährige Theologin und verheiratete Mutter von vier Kindern stammt gebürtig aus Sachsen-Anhalt, ist aber in Mauer heimisch geworden. Sie will mit der Gemeinde Mauer in die Zukunft gehen und dabei ein Augenmerk auf eine "digitalisierte, verwaltete und demokratische Gemeinde" legen. Ihrer Ansicht nach ist eine schlechte digitale Infrastruktur genauso schlimm wie ein marodes Verkehrsnetz. Sie möchte eine Gemeinde-App entwickeln, die Öffentlichkeitsarbeit "auf Hochglanz aufpolieren" und einen Podcast für Mauer ins Leben rufen, bei dem Bürger ihre Projekte sichtbar machen können. Spindler ist wichtig, die Verwaltung zu digitalisieren und "Demokratie barrierefreier zu machen". Kinderbetreuung soll barrierefrei, sicher und gerecht sein. Spindler will ein "Leuchtfeuer des Handelns" sein und Gerechtigkeit für Kinder und Jugendliche einfordern.



Vom Persönlichen bis zum Klimawandel

Monika Czemmel kontrollierte auch mit gelber Karte die Einhaltung der Regeln. Foto: Lehr

Knapp eineinhalb Stunden lang nutzten die Mauermer die Möglichkeit, die Bürgermeisterkandidaten mit Fragen zu löchern. Die meisten Fragen gingen an Heiko Braun und Mathias Schmalzhaf. Ein Überblick:

> Die drängendsten Themen wollten Bürger von Heiko Braun und Mathias Schmalzhaf wissen. Braun nannte die Einbindung von Bürgern und die Kernzeitbetreuung, Schmalzhaf die "Märtens-Wiese" und das Homo-heidelbergensis-Museum.

> Die angedachte Eventlocation im einstigen Gewächshaus der Gärtnerei Bethge sprach eine Bürgerin an und wollte von Braun und Schmalzhaf wissen, wie sie dazu stehen. Schmalzhaf sagte, dass der Investor – Müller Lebensraum Garten – die Pläne momentan nicht weiterverfolgt. Braun will im Falle einer Wiederbelebung der Pläne "Betroffene zu Beteiligten machen", Anwohner früh einbinden und ein Konzept mit dem Eigentümer erarbeiten, das "für alle erträglich" ist.

> Das Persönliche wurde nachgefragt: Wie Decker und Braun Kindern und Bürgermeisteramt gerecht werden wollten etwa. Braun sah Vorteile, weil seine Kinder in örtlichen Vereinen, Schule und Kindergarten angemeldet sind. Decker verwies auf die Unterstützung ihrer Familie. Deckers Berufserfahrung wurde thematisiert, wobei sie vor allem auf langes ehrenamtliches Engagement während ihres Studiums als Mutter dreier Kinder verwies. Angesprochen auf seinen mangelnden Verwaltungshintergrund, verwies Braun auf seine Tätigkeit als Gemeinderat und die Führungskompetenz und Teamfähigkeit, die er mitbringe – und darauf, dass diverse Bürgermeister keinen Verwaltungshintergrund haben.

> Der Klimawandel war ein Thema, mit dem ein Bürger Braun konfrontierte. Er wollte wissen, was der Physiker zur Bewältigung beitragen könne. Dieser verwies auf Nachholbedarf bei der Ausstattung kommunaler Gebäude mit Photovoltaik und Energieeinsparung. Als Physiker kenne er sich aus und verstehe die Vorgänge.

> Die Bedürfnisse der Jugend thematisierte eine Frage an alle. Braun und Decker sprachen sich für einen Jugendtreff mit Betreuung durch eine Fachkraft aus. Schmalzhaf wollte Jugendliche fragen, ob sie einen Jugendtreff möchten. Matthias Hunger und Sabrina Spindler gefiel die Idee. Beide betonten, dass sie in Dialog treten und mögliche Konflikte lösen wollten. Einen Jugendgemeinderat fanden alle gut. Braun schlug vor, Achtklässler einzubinden. Schmalzhaf wollte eruieren, ob der Bedarf überhaupt da sei.

> Die Anreize fürs Gewerbe und speziell die Wiederansiedlung eines Metzgers und der Sparkasse waren Thema einer weiteren Frage. Schmalzhaf, Hunger, Braun und Decker verwiesen auf mangelnde Nachfrage. Braun appellierte, ortsansässige Angebote zu unterstützen. Hunger fragte, ob man versucht habe, einen Sparkassenbus zum Besuch zu bewegen, was die Halle bejahte. Spindler schlug vor, digitale Angebote zu nutzen. Als Vegetarierin plädierte sie dafür, Tierwohlprodukte zu kaufen.

> Die Kinderbetreuung trieb eine Bürgerin um. "Können wir darauf vertrauen, dass Ganztagesangebote ausgebaut und verlässlicher werden?", fragte sie Decker. Diese will den Arbeitsstandort Mauer attraktiver gestalten, um Fachkräfte zu gewinnen und mit den Kirchen ins Gespräch gehen.

> Die Garagenverordnung sprach eine Bürgerin an und wollte von allen wissen, ob diese umgesetzt werde. Spindler, Decker und Hunger wollen das tun und mit Bürgern sprechen. Braun sprach sich bei entsprechender Mehrheit in Bevölkerung und Gemeinderat für einen Gemeindevollzugsdienst als letzte Maßnahme aus, vorher wolle er es mit Appellen und Ermahnungen versuchen. Schmalzhaf erklärte, dass hier die Zuständigkeit beim Landkreis liege und man bedenken müsse, dass Parken auf der Straße den Vorteil habe, dass der Verkehr verlangsamt werde.

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