Eberbach

Im Fundbüro braucht es Vertrauen und Menschenkenntnis

Vorschriften können im Zweifelsfall zum Wohle der Bürger ausgelegt werden. Fahrräder sind der Dauerbrenner.

24.11.2022 UPDATE: 24.11.2022 06:00 Uhr 1 Minute, 46 Sekunden
Auch jetzt warten zehn Fahrräder im Keller des Fundbüros auf ihre Besitzer. Nach Ablauf von sechs Monaten geht das Eigentum auf den Finder über. Foto: Moritz Bayer

Von Moritz Bayer

Eberbach. Langweilig wird es nicht im Fundbüro der Stadt Eberbach, auch wenn zuletzt die ganz kuriosen Fundsachen ausgeblieben sind. Rainer Menges und Kerstin Gerhard haben rund 200 abgegebene Dinge pro Jahr und geben sich größte Mühe, auch über ihre Pflicht hinaus, die Besitzer ausfindig zu machen und zu kontaktieren. Nicht abgeholte Fundstücke gehen nämlich nach einem halben Jahr in den Besitz des Finders über. Dabei können auch lustige Situationen entstehen.

Bei der Frage, ob in letzter Zeit etwas Besonderes aufgefallen sei, muss Kerstin Gerhard schmunzeln: "Tatsächlich haben wir seit 2021 eine merkliche Steigerung von verlorenen Hörgeräten festgestellt." Mit der Zeit wurde der Grund klar: Wegen der Corona-Schutzverordnungen und der Maskenpflichten in vielen Lebensbereichen haben sich die Menschen häufiger ins Gesicht gefasst. Dem ein oder anderen älteren Mitbürger scheint dabei schlicht nicht aufgefallen zu sein, dass auch das Hörgerät abgestreift wurde. Abhilfe schafft eine Registrierungsnummer, die meist an der Seite angebracht ist. So kann Gerhard die Händler anfragen und bekommt Kontaktdaten, oder die Firmen kontaktieren ihre Kunden selbst.

Regelmäßige Häufungen abgegebener Fundstücke gibt es in Eberbach nicht. Auch nach beispielsweise dem Kuckucksmarkt kommen nicht automatisch mehr Gegenstände zum Büro als sonst. Das ist eher bei Fahrrädern der Fall. Die Klassiker des Fundbüros stammen zu 90 Prozent von der Polizei und werden natürlich nicht einzeln geliefert. Auch jetzt ist der Keller gut gefüllt und man fragt sich zu Recht, ob ein orangenes Mountainbike in gutem Zustand nicht als fehlend auffallen müsste? "Theoretisch sicher, aber das scheitert vielleicht am Zuständigkeitsbereich. Ein verlorenes oder gestohlenes Fahrrad, das in Eberbach auftaucht, stammt ja nicht zwangsläufig von hier", erklärt Menges. Es empfiehlt sich, im Verlustfall sämtliche Fundbüros der Region anzufragen. Bei auffälligen Stücken informieren Menges und Gerhard aber die Kollegen, um den Leuten möglichst zu helfen.

Kurios: Einmal fand ein Mann ein Fahrrad in seinem Garten. Kurz bevor die Frist ablief, meldete sich der Besitzer – es war einer der Nachbarn. Der Eigentümer hätte sicher Augen gemacht, wenn er den Herrn von nebenan auf einmal mit seinem Rad herumfahren gesehen hätte.

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Vertrauen und Menschenkenntnis kommen ins Spiel, wenn ...

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