Adelsheim

Eine Entscheidung, die Leben rettet

Am heutigen Samstag ist internationaler Tag der Organspende. Rosemarie Jany aus Adelsheim erzählt ihre Geschichte.

03.06.2022 UPDATE: 04.06.2022 11:00 Uhr 2 Minuten, 33 Sekunden
Rosemarie Jany ist Dialysepatientin und lebte lange mit einer gespendeten Niere. Anlässlich des heutigen Tags der Organspende ruft gemeinsam mit der Kommunalen Gesundheitskonferenz dazu auf, eine Entscheidung zu treffen. Foto: Landratsamt

Neckar-Odenwald-Kreis. (lra) In vielen Ländern ist man automatisch Organspender, wenn dem nicht vor dem Tod widersprochen wird. Diese Widerspruchslösung gibt es in Deutschland nicht. Hier ist der eigene Wille beispielsweise in einem Organspendeausweis zu dokumentieren. "Eine Entscheidung muss getroffen werden, sonst passiert im Zweifel nichts", betont Landrat Achim Brötel, der auch Vorsitzender der Kommunalen Gesundheitskonferenz des Kreises ist.

Ein gutes Beispiel für die Bedeutung einer solchen Entscheidung ist Rosemarie Jany aus Adelsheim. Sie hat bereits zweimal eine Niere erhalten und erzählt anlässlich des heutigen Tages der Organspende ihre Geschichte.

Hintergrund

Betroffene und Angehörige finden Unterstützung in Selbsthilfegruppen: Claudia Jany, Rosemaries Schwester, engagiert sich im Kontaktkreis Organspende und Transplantation Heilbronn e.V. und leitet die Regionalgruppe Heilbronn des Verbands Niere Baden-Württemberg e.V. (E-Mail:

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Betroffene und Angehörige finden Unterstützung in Selbsthilfegruppen: Claudia Jany, Rosemaries Schwester, engagiert sich im Kontaktkreis Organspende und Transplantation Heilbronn e.V. und leitet die Regionalgruppe Heilbronn des Verbands Niere Baden-Württemberg e.V. (E-Mail: c.jany@niere-bw.de; www.niere-bw.de). Weitere Informationen zur Organ- und Gewebespende sind abrufbar unter www.organspende-info.de. Organspendeausweise sind beispielsweise bei den Krankenkassen, in Krankenhäusern und im Internet sowie am Empfang des Hauptgebäudes des Landratsamtes, Neckarelzer Straße 7, in Mosbach erhältlich.

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Die 61-Jährige leidet seit ihrer Kindheit an einer chronischen Nierenerkrankung. Mit 35 Jahren musste sie sich erstmals einer Dialyse unterziehen und fortan dreimal wöchentlich für mehrere Stunden an das Dialysegerät angeschlossen werden. Dazu kamen Diätvorschriften und die Einschränkung der Trinkmenge.

Schließlich kam sie auf die Warteliste für eine Nierentransplantation – und hatte Riesenglück: Nach relativ kurzer Zeit bekam sie ein Angebot. Normalerweise wartet man mehrere Jahre auf eine Spenderniere.

"Ich war gerade im Urlaub in der spanischen Stadt Málaga; dort gab es eine großartige Feriendialyse", erinnert sich Jany. "Am Morgen vor der geplanten Rückreise kam der überraschende Anruf aus dem Transplantationszentrum Heidelberg: Für mich sei eine Spenderniere gefunden worden". Am selben Tag ging es zurück nach Frankfurt und mit dem Taxi schnellstmöglich nach Heidelberg.

Sofort starteten die erforderlichen Untersuchungen, die glücklicherweise alle passend ausfielen. Die Spenderniere war kompatibel, und Rosemarie Jany war trotz der anstrengenden Reise transplantationsbereit. "Um 23 Uhr war ich im Operationssaal", sagt die Empfängerin des Spenderorgans.

Sonntagmorgens um 5 Uhr wachte sie aus der Narkose auf: "Ich hatte Schmerzen, es tat alles weh, aber das war egal. Ich war am Leben." Die neue Niere war nach wenigen Dialysedurchläufen alleine funktionsfähig.

Der Empfänger erhält immer nur eine der beiden gespendeten Nieren. Der Körper kann damit problemlos funktionieren. Nach zweieinhalb Wochen durfte sie das Krankenhaus verlassen.

Einige Wochen nach der Transplantation war Rosemarie Jany wieder körperlich fit und konnte fast ohne Einschränkungen leben. Achtsam muss man mit einer gespendeten Niere natürlich trotzdem sein; sie muss viel trinken und sich vor Infektionen schützen.

Die fortwährende Einnahme von Medikamenten gegen eine Abstoßung sowie regelmäßige Arztbesuche sind erforderlich. Rückblickend sagt sie: "Das nimmt man alles gerne in Kauf. Ich bin der Familie einfach unendlich dankbar, die damals die Zustimmung für die Organspende gegeben hat."

"Wichtig ist, dass sich jeder mit der Frage auseinandersetzt, ob man selbst Organspender sein möchte oder nicht, und dies auch dokumentiert und an die Familie kommuniziert", betont Landrat Brötel.

Der Ärztliche Direktor und Transplantationsbeauftragte der Neckar-Odenwald-Klinken, Harald Genzwürker erzählt aus Erfahrung: "Schlimm ist es, wenn Angehörige im Moment der Trauer mit einer solchen Entscheidung konfrontiert werden und nicht wissen, was der Wille des Verstorbenen war. Aus Unsicherheit heraus wird einer Transplantation dann manchmal nicht zugestimmt." Nach 16 Jahren hat das Spenderorgan von Rosemarie Jany langsam seine Funktion eingestellt.

Die zweite Niere erhielt sie im Alter von 53 Jahren. Leider war das neue Organ nur drei Jahre funktionsfähig, ehe die Dialyse wieder die Aufgabe der Niere ersetzen musste. "Ich bin froh über die Möglichkeit der Dialyse. Anders wäre ich seit 1995 schon nicht mehr am Leben", verdeutlicht Jany den Ernst ihrer Lage.

Mehr als 40 Jahre war sie bei der Johannes-Diakonie Mosbach beschäftigt, wo sie zahlreiche Chancen zur beruflichen Weiterentwicklung erhielt. Ob Studium oder Regionalleitung: Die Arbeit war immer an ihre gesundheitliche Situation angepasst, wofür sie sehr dankbar ist. Vor wenigen Tagen erst hat sie dort ihren Abschied gefeiert.

Seit 1. Mai ist Rosemarie Jany nun im Ruhestand und kann ihren Hobbys wie Stricken, Lesen und mäßiger Gartenarbeit nachgehen. Zudem hält sie sich mit Sport fit und achtet auf die ärztlichen Vorschriften.

Insgesamt ist ein gesunder Lebensstil für einen Dialysepatienten und als transplantierte Person unabdingbar. Jany betont: "Die Wahrscheinlichkeit, dass man selbst ein Organ benötigt, ist höher, als dass man Organspender wird."

Organspendeausweise sind bei allen Krankenkassen, in Krankenhäusern und im Internet sowie am Empfang des Hauptgebäudes des Landratsamts in Mosbach erhältlich.

Info: www.organspende-info.de

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