Inklusion: Auch nicht behinderte Kinder profitieren

Bei einer Podiumsdiskussion mit Kultusminister Andreas Stoch wurde die Frage erörtert, wie Inklusion an Schulen gelingen kann

10.05.2015 UPDATE: 11.05.2015 06:00 Uhr 2 Minuten, 7 Sekunden

Moderatorin Ulrike Schnellbach, Mario Kiefer, Leiter des Geschäftsbereichs Schulen der Johannes-Diakonie, und Kultusminister Andreas Stoch (v. l.). Foto: Brunhild Wössner

Von Brunhild Wössner

Neckar-Odenwald-Kreis. Kultusminister Andreas Stoch war zu Gast in der Lohrtalschule Mosbach, um zum Thema "Gemeinsam sind wir Schule. Wie Inklusion gelingen kann" Rede und Antwort zu stehen. Vinzenz Huzel vom veranstaltenden Fritz-Erler-Forum Baden-Württemberg betonte, dass man bewusst mit der Bevölkerung im ländlichen Raum "in den Dialog treten" wolle und besonders an Orten, in denen "Inklusion heute schon gelebt wird", wobei Mosbach so ein Ort sei. Oberbürgermeister Michael Jann zeigte auf, wo Inklusion in Mosbach schon erfolgreich praktiziert wird: Die Johannesberg Schule der Johannes-Diakonie unterhält Außenklassen in der Lohrtal-, der Müller-Guttenbrunn-, und der Waldstadt-Schule, das Auguste-Pattberg-Gymnasium arbeitet mit der Schwarzbach-Schule zusammen, und die Hardberg-Förderschule kann auf über zehn Jahre Kooperationsarbeit mit dem Berufsbildungswerk zurückblicken.

Dass die in der UN-Behindertenrechtskonvention festgeschriebene Umsetzung der Inklusion erhebliche Mehrbelastungen mit sich bringt, daran ließen Minister wie Diskussionsteilnehmer keinen Zweifel. Wie Eltern eines behinderten Kindes mit der Möglichkeit der Entscheidung umgehen werden, ob ihr Kind auf eine normale oder eine sonderpädagogische Schule gehen wird, "das wissen wir nicht", führte Andreas Stoch in seinem Impulsreferat aus. "Wir müssen jedenfalls für Menschen mit Behinderung ein Bildungssystem schaffen, das ihnen entspricht". Was im Bereich der Schulen vorangetrieben werde, habe große Strahlkraft in andere Lebensbereiche.

Dabei sei Baden-Württemberg im Bereich der Sonderpädagogik sehr gut aufgestellt, bemerkte Stoch, und "diese Qualifikationen wollen wir auch bewahren". Inklusion sei ohne tiefe sonderpädagogische Kenntnisse nämlich nicht möglich. Dem Elternwunsch nach einem entsprechenden Bildungsangebot könne allerdings nicht immer entsprochen werden. Die größte Hürde sieht Stoch in der personellen Ausstattung. Sein Bekenntnis zum Erhalt der Sonderschulen sieht vor, diese in sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren umzuwandeln. Erklärtes Ziel ist die Vernetzung von Schulen und diesen sonderpädagogischen Beratungszentren.

Inklusion sei die Aufgabe aller Schulen und Schularten. Warum solle zum Beispiel ein körperbehindertes Kind nicht das Gymnasium besuchen und das Abitur ablegen? Hierfür müsse die Infrastruktur passen, sagte Stoch und verwies auf finanzielle Hilfen vom Land für die Umbaumaßnahmen, die auf die Kommunen als Schulträger zukommen.

Die Podiumsdiskussion, moderiert von Ulrike Schnellbach, gliederte sich in zwei Themenblöcke: Im ersten ging es um Erfahrungen, die bereits mit der Inklusion gemacht worden sind, im zweiten um Bedenken von Eltern nicht behinderter Kinder. Nicole Strämke, Schulleiterin der Werkrealschule Eberbach, kann bereits aus einem reichen Erfahrungsschatz bei der Integration von hauptsächlich Lernbehinderten im Schulalltag schöpfen. Sie war voll des Lobes für diese Art des Arbeitens, warnte allerdings davor, dass Klassen mit vielen Schülern die Pädagogen an die Grenzen ihrer Belastbarkeit brächten. Kleinere Klassen seien von Vorteil.

Mario Kiefer, Leiter des Geschäftsbereichs Schulen der Johannes-Diakonie und der Johannesberg Schule Mosbach, sieht seine Schule als neues Beratungszentrum. Ihn interessierte, woher das Geld für Schulen wie seine, die in freier Trägerschaft betrieben werden, kommen soll. Kiefer teilt nicht die Befürchtungen, dass die Sonderschulen mit dem Wahlrecht der Eltern ausbluten würden. Er sieht allerdings die Gefahr, dass diese hauptsächlich Kinder mit schweren Behinderungen aufnehmen. Und "das wäre nicht gut", denn auch an diesen Schulen "ist eine Durchmischung von Vorteil".

Sabine Leber-Hoischen, stellvertretende Vorsitzende des Landeselternbeirats, räumte ein, dass sie dem Inklusionsgedanken anfänglich skeptisch gegenüberstand. Das habe sich grundlegend geändert. Sie ist jetzt sehr zuversichtlich, angesichts der positiv verlaufenden Entwicklung seit 2009. Deutlich wurde im Verlauf des Abends, dass auch Kinder ohne Behinderung von Inklusion profitieren.

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