Stadtwerke Heidelberg siegen vor Gericht gegen unlauteren Wettbewerber

RWE-Tochter ePrimo täuschte im Sommer Stadtwerkekunden eine Tarifänderung vor. Nun kam das Aus für die unmoralische Methode.

17.11.2016 UPDATE: 18.11.2016 06:00 Uhr 1 Minute, 23 Sekunden

Die Zentrale der Heidelberger Stadtwerke. Foto: Reinhard Lask

Von Micha Hörnle

Heidelberg. Mit einer dreisten Masche versuchte ein Konkurrent, den Stadtwerken Kunden abzujagen. Im Juni rief ein Mitarbeiter eines Call-Centers im Auftrag der RWE-Tochter ePrimo ungebeten bei mehreren Stadtwerkekunden an. Das allein war schon verboten, denn es handelte sich um einen Werbeanruf. In einem Fall sagte er einer Kundin, es gehe nur um eine Tarifänderung bei den Stadtwerken, sie sollte auf einen Internet-Link klicken. Ohne dass sie es wusste, wechselte sie damit den Anbieter: Nach dem Klick erschien eine Internetseite mit "Vielen Dank für Ihren Auftrag", den die Stadtwerkekundin so nie erteilt hatte. Sie legte auf und widerrief den Wechsel zu ePrimo, einem Energiediscounter.

Und wie war ePrimo an die Daten der Stadtwerkekunden gekommen? "Das war kein Datenklau", sagt Stadtwerke-Sprecherin Ellen Frings, "man hat einfach in Heidelberg das Telefonbuch durchtelefoniert, schließlich haben wir hier eine Versorgungsquote von 80 Prozent."

Die Stadtwerke wehrten sich gegen diese unlauteren Methoden erfolgreich vor Gericht, "im Interesse unserer Kunden", so Frings. In einem Urteil vom 26. Oktober gab das Landgericht Karlsruhe dem kommunalen Energieversorger recht. So ist es ePrimo ab sofort verboten, Kunden abzuwerben, indem ihnen mitgeteilt wird, dass es sich lediglich um einen Tarifwechsel bei den Stadtwerken handelt, während es tatsächlich um einen richtigen Vertragswechsel geht.

Und es ist verboten, Kunden per E-Mail einen Link zu schicken und somit mit ihnen einen neuen Vertrag abzuschließen - ohne dies ihnen im Vorfeld genau zu sagen. Verstöße gegen das rechtskräftige Urteil werden mit einem Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro oder mit bis zu sechs Monaten Ordnungshaft geahndet.

Die Stadtwerke als wichtigster Energieanbieter geraten immer wieder ins Visier von Konkurrenten auf diesem hart umkämpften Markt - und immer wieder fiel in der Vergangenheit ePrimo auf. Frings berichtet von der Masche, wonach Stadtwerkekunden am Telefon ihre Zählerstände durchgeben sollen, die dann direkt in ein Antragsformular eines anderen Anbieters eingetragen werden. Manchmal gehen Drückerkolonnen durch die Stadtteile, vor allem auf dem Emmertsgrund, und knöpfen sich Stadtwerkekunden vor.

Daher stellen die Stadtwerke klar: Sie schicken keine Mitarbeiter vorbei, die an der Haustüre Geschäfte abschließen. Auch werden keine neuen Kunden am Telefon gewonnen. Wer sich unsicher ist, ob es sich bei einem Anrufer oder Besucher auch wirklich um einen Angestellten der Stadtwerke handelt, kann die kostenlose Servicenummer 0800 / 5135132 anrufen.

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