Heilbronn

Möbel-Rieger und XXXLutz machen sich direkt Konkurrenz

Möbel-Rieger eröffnet Haus in spektakulärer Architektur und 36.500 Quadratmeter Verkaufsfläche - Start mit einer "Liebeserklärung"

27.06.2019 UPDATE: 28.06.2019 06:00 Uhr 2 Minuten, 13 Sekunden

Möbelhaus-Chef Benno Rieger (3. von links) freute sich, den neuen Standort in Heilbronn feierlich eröffnen zu können. Foto: Brigitte Fritz-Kador

Von Brigitte Fritz-Kador

Heilbronn. Benno Rieger, Chef von Möbel-Rieger, ist sich sicher: Emotion ist mit das beste Verkaufsargument. Und so lautet einer der Werbeslogans dann auch "Grosse Liebe". Der Familienbetrieb (1500 Mitarbeiter in inzwischen sieben großen Häuser im Südwesten und den neuen Bundesländern) hat in Heilbronn 65 Millionen Euro in ein Haus investiert, entworfen von "blocher partners", Stuttgart, das auch architektonisch eine Landmarke setzt.

Fünf Millionen Euro mehr als geplant kostete es, das war kalkuliertes Risiko. Der scherzhafte Einwurf bei der Pressekonferenz, bis zum Bau des Hauses in Heilbronn sei das Familienunternehmen schuldenfrei gewesen, lässt darauf schließen. Hier, am Saarlandkreisel am westlichen Stadtrand, befindet sich die sogenannte Möbelmeile und mit XXXLutz (früher: Bierstorfer) vis-a-vis auch gleich der größte und potenteste Konkurrent. Wenn es zutrifft, dass Konkurrenz das Geschäft belebt, dann ist es ein guter Standort.

Rieger erzählt, dass er schon 2012 die Fühler nach Heilbronn ausgestreckt habe, zunächst bei OB Helmut Himmelsbach. Damals war kein Grundstück am Markt. Doch dann habe OB Harry Mergel bei seinem Amtseintritt ein Gutachten zum Einzelhandel in Auftrag gegeben, aus dem hervorging, dass der Standort Heilbronn im Segment "Möbel" noch Nachholbedarf habe. Ein weiterer Zufall: Klaus Kölle, Inhaber des Gartencenters am Neckar, war zu der Überzeugung gekommen, dass das Gelände zu schade für Gewächshäuser sei. So fügte sich eines zum anderen.

Für das Haus in Heilbronn sei man neue Wege gegangen, sagt Rieger, begonnen bei der Beauftragung der Architekten "blocher partners", deren Entwurf tatsächlich aus dem üblichen Rahmen von Möbelhaus-Architektur fällt. Der Bau habe nicht nur fünf Millionen Euro mehr gekostet, sondern auch Nerven. Als Beispiel nannt er die Verkleidung mit 26.000 Aluminiumschindeln. Keine gleiche der anderen; es sei ein "Wunderwerk" von Computer- und Handwerkskunst, und nur ein einziger Betrieb in Deutschland habe sich das zugetraut: der Fassadengestalter Reinhardt in Bad Rappenau.

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"Grosse Liebe" ist einer der Slogans, mit denen flächendeckend für das neue Haus geworben wird, dessen 250 Mitarbeiter seit Monaten schon geschult wurden. Auch so wird Emotion erzeugt. Eine "Herzensangelegenheit" sei ihm gelebte Ökologie, sagt Rieger, von der Energieversorgung ("100 Prozent Wasserkraft") bis zum weitgehende Verzicht auf Plastik: Man habe "sauber starten" wollen, sagt er und kündigt an, auf dem begrünten Dach Bienenvölker anzusiedeln. Zur "Emotion" gehört auch das Bespaßen der Kinder, hier mit einem eigenen "Kinder-Zirkus", und vor allem die Gastronomie, auch als ein Grund zum Wiederkommen. Drei Restaurants gibt es, eines davon heißt "Heilbronnerei", entsprechendes steht auf der Karte. Im Vorrat sind 2,7 Tonnen Rostbraten, es werden aber auch Vegetarier und Veganer bedacht. Selbstgebackenes Brot aus "eigenem Teig" gehört auch dazu.

Letztendlich aber geht es um den Verkauf von Möbeln. "Die Möbelbranche ist eigen", sagt Rieger. Sein Haus verzichte bewusst auf die Anhäufung von Superlativen in der Werbung. Bundesweit würden die Absätze stagnieren. Also ist wohl auch in Heilbronn mit einem Verdrängungswettbewerb zu rechnen. Rieger will das so nicht sehen, verzichtet auf einen Möbel-Discount, setzt auf die "Unterversorgung", die "hohe Zentralität von Heilbronn", und sieht den Einzugsbereich im Süden bis Ludwigsburg, im Osten bis Schwäbisch Hall, im Norden bis Mosbach und nach Osten im Kraichgau, vor allem auch mit Blick auf Sinsheim und Bretten.

Kurz vor 8.30 Uhr, zum offiziellen Start mit dem obligaten Durchschneiden des Roten Bandes, haben sich schon rund 100 Neugierige eingefunden. Eine Stunde später sind die Parkplätze im Freien und in der Tiefgarage belegt. Auf den großzügigen Verkaufsflächen herrscht dennoch kein Gedränge. Maximal 3800 Personen dürfen gleichzeitig da sein. Das könnte hinkommen.

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