Das Ehepaar Ester und Reiner Kolb wohnt in einem Blockhaus direkt auf dem Campingplatz. Foto: Agnieszka Dorn
Von Agnieszka Dorn
Walldorf. Mit Wehmut blickt das Ehepaar Ester und Reiner Kolb zurück: Die beiden langjährigen Betreiber geben den Campingplatz Walldorf Astoria aus Alters- und Krankheitsgründen in neue Hände. Als Zeitpunkt wählte man den Ablauf des Erbbaurechts: Das Grundstück gehört nämlich der Stadt Walldorf. "Die Entscheidung aufzuhören stand vor dem Ausbruch der Pandemie fest", so Ester Kolb.
Den Campingplatz gibt es seit 1964, das Grundstück mit einer Fläche von 16.200 Quadratmetern – etwas mehr als zwei Fußballfelder – liegt am Waldrand am Stadtrand Richtung Sandhausen, nahe Schulzentrum und Sportanlagen. Seit 1991 ist das Grundstück in Familienhand: Nachdem ihre Eltern es einst geführt hatten, übernahm 1997 das Ehepaar Kolb die Leitung.
Die Stadt Walldorf vergibt das Grundstück zum 1. Januar 2023 neu, sollte es aber einen aufgeschlossenen Pächter geben, dann würde Familie Kolb nach eigenen Angaben das Grundstück schon Ende nächsten Jahres übergeben. "Der Campingtourismus boomt nach wie vor", berichtet Ester Kolb. Der Platz in Walldorf ist besonders für die Durchreise begehrt, überwiegend nutzen die Camper das Angebot, die auf einer längeren Reise einen Zwischenhalt beispielsweise nur für eine Nacht einlegen. "Es sind überwiegend Holländer, die hier auf ihrer Reise in den Süden – nach Italien, Spanien oder Frankreich – eine Nacht bleiben und dann weiterfahren", so Ester Kolb. Seit Jahrzehnten ist der Campingplatz gut ausgelastet, "nur dieses Jahr gab es aufgrund der Coronakrise weniger Zulauf", ergänzt sie.
Es gibt rund 50 Durchreiseplätze, die nicht in Parzellen unterteilt sind, und rund 40 Dauerplätze, die für ein Jahr vermietet werden. Die Dauerplätze sind mit Wasser- und Stromanschlüssen ausgestattet und haben genügend Platz für Wohnwagen, Vorzelt, Terrasse und PKW-Stellplatz. Außerdem hat das Gelände beheizte Sanitäranlagen und Duschen, Spülmöglichkeiten, zudem gibt es eine Kochplatte auf Anfrage.
Zum Campingplatz gehört zudem ein kleines Restaurant mit Tageskarte, das von den Betreibern geführt wird. Wer das Campinggelände übernimmt, sollte also kochen können. "Außerdem müssen die Betreiber, oder zumindest einer von ihnen, während der Saison hier wohnen", berichtet Ester Kolb. Sollte es einen Notfall auf dem Gelände geben, müssen die Betreiber entsprechende Maßnahmen wie den Notruf in die Wege leiten. Das Ehepaar Kolb wohnt in einem Blockhaus auf dem Gelände und gibt das Häuschen dann an die neuen Betreiber weiter.
Der Campingplatz ist von Mitte April bis Anfang Oktober täglich geöffnet und hat neben dem Eingangsbereich auch einen kleinen Laden mit verschiedenen Lebensmitteln wie Milch, Getränken und Eis. Der Campingplatz ist mitsamt den Sanitäranlagen barrierefrei. Ein Mal im Jahr, jedenfalls in einem normalen Jahr, wenn Walldorf sich auf eine Reise in die 50er Jahre begibt und das beliebte Festival "Rock’n’Roll-Weekender" über Pfingsten stattfindet, campen hier auch die Rockabellas und Rockabillys.
"Es war hier eine schöne Zeit mit tollen Campern und schönen Eindrücken, die uns fehlen wird", sagt Ester Kolb. Aber künftig will es das Ehepaar ruhiger angehen lassen.
Der Campingplatz Walldorf Astoria am Waldrand nahe Schulzentrum und Sportanlagen sucht neue Betreiber: Ab 2023 wird das Grundstück neu vergeben, das bisherige Betreiberehepaar will es künftig ruhiger angehen lassen. Foto: Agnieszka Dorn