An Deck, im Maschinenraum oder im Steuerhaus: Ruben Schumacher hat als Binnenschiffer vielfältige Aufgaben zu erledigen. Foto: privat
Von Berthold Jürriens
Neidenstein. Wenn Ruben Schumacher Fotos von Sonnenuntergängen, die sich im Wasser spiegeln, in den sozialen Netzwerken postet, oder bizarre Aufnahmen vom aufsteigenden Morgennebel an Uferrändern teilt, dann lassen die ersten Reaktionen nicht lange auf sich warten: "Wo bist du denn schon wieder?" oder "Im Urlaub?" werde er gefragt. Es sei dann schon ein tolles Gefühl, zu sagen, dass man bei der Arbeit sei, erzählt Schumacher lächelnd. "Oft ergänze ich dann noch, dass ich beim Amt arbeite." Er liebe diese Naturschauspiele am Wasser, die oft nur von kurzer Dauer seien, aber deswegen umso motivierender für ihn. "Andere sehen den ganzen Tag ihren Monitor vor sich."
Schumacher macht das, wovon manche träumen: Er verbringt seinen Berufsalltag auf dem Wasser. Genauer gesagt unter anderem auf dem sogenannten Schwimmgreifer beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Neckar in Bad Friedrichshall. Der 29-Jährige ist Binnenschiffer und hat vor kurzem seine Ausbildung als Prüfungsbester bei der Industrie- und Handelskammer Rhein-Neckar abgeschlossen. "Sogar der Bürgermeister war bei der Feier als Gratulant dabei", freut sich Schumacher, der bereits ausgebildeter Kfz-Mechatroniker ist. "Aber irgendwie wurde ich beim früheren Beruf immer unzufriedener." Kurze Zeit arbeitete er als Hilfskraft beim Gartenbau, bevor er wieder zu "Motoren und Technik", gepaart mit einer "vielfältigen Tätigkeit", zurückkehrte, mit der er sich auch gleichzeitig seinen lang gehegten Wunsch, das Fachabitur zu machen, erfüllte.
"Das Besondere am Binnenschiffer ist für mich die Abwechslung." Binnenschiffer seien Maschinisten, Elektriker, Maler und Reinigungskraft in einer Person. Und er bringt seine Tätigkeit auf den Punkt: "Das, was die Straßenmeisterei an Land ist, sind meine Kollegen und ich auf Flüssen und an Ufern." Dazu gehöre die Inspektion und Unterhaltung von Wasserstraßen mit den dazugehörigen Anlagen wie Schleusen oder Gebäuden. "Wir helfen auch, den Schwerlastverkehr auf der Straße zu reduzieren, denn mit unserer Arbeit können Güter über den Neckar verschifft werden."
Viele seiner Aufgaben trügen dazu bei, so zum Beispiel das Freihalten der Wasserstraße. "Nach Unfällen werden kleinere Schiffe oder auch schon Autos aus dem Wasser gezogen." Auch eine Wasserleiche sei schon dabei gewesen, berichtet Schumacher, dem durch sein Engagement bei der Neidensteiner Feuerwehr der Tod "leider" nichts Fremdes sei. Schon bei der Ausbildung habe man bemerkt, dass Kopf und Körper gefordert seien: An Deck, im Maschinen- und Laderaum oder im Steuerhaus genauso wie in einer Schleuse. "Von A wie Anker bis Z wie Zylinder lernt man alles", sagt Schumacher, der begeistert von seinem 13-wöchigen Blockunterricht im Schiffer-Berufskolleg in Duisburg auf dem Schulschiff "Rhein" berichtet. "Dorthin schicken die meisten Binnenschifffahrts-Betriebe ihre Auszubildenden."
Schumacher zählt weitere Arbeitsbereiche auf, wie Stabilitätsberechnungen für Ladungen und Transport von Material zu Baustellen. "Windverhältnisse, Wellengang und Seillängen müssen dann passen, beziehungsweise berücksichtigt werden." Auch die Kontrolle und Trockenlegung von Wehren und Schleusen, um diese zu reparieren oder von Treibgut zu befreien, gehören zu seinen Aufgaben. Jetzt im Winter könnten Stauanlagen vereisen. Immer wieder sei auch die Flusstiefe ein Thema, die im schlimmsten Fall Schiffe beschädigen könnte. Schotter und Geröll bewegen sich am Grund der Fließgewässer und sorgen für unterschiedliche Tiefen, die überprüft werden müssen.
"Binnenschiffer sind gefragt", weiß Schumacher, der während seiner Ausbildungszeit in Duisburg nicht nur den dortigen größten Binnenhafen der Welt mehrmals besuchte, sondern auch in den Norden und in die Niederlande berufliche Abstecher machte. "Das ist dort eine ganz andere Größenordnung, was Häfen und Schiffe angeht", sagt der "Bootsmann" und präsentiert auf seinem Smartphone Bilder von riesigen Containerschiffen, dazu große Motoren, Turbinen, Ketten und Kräne, die Schumacher begeisternd mit Fachbegriffen beschreibt.
Und was wäre mit Kreuzfahrtschiffen wie Aida und Co.? "Darüber habe ich auch schon nachgedacht, vielleicht später. Über das Studium der Nautik habe ich mich aber bereits informiert." Doch aktuell sei er glücklich in seinem Job beim "Amt im öffentlichen Dienst", bei dem er auf dem Schiff arbeite, aber immer Land in Sicht hätte. Dazu die Momentaufnahmen der Naturschauspiele am Wasser, die er auch weiterhin zu schätzen weiß.