Dass es keinen Cappuccino mit Sahne gab, das habe die Frankenthaler damals irritiert. Die meisten kannten das Getränk nicht mit Milch, erinnert sich Bonafede. Auch gegenüber dem Espresso sei man skeptisch gewesen. Bonafede servierte ihn äußert selten. Auch wenn damals wenige Menschen seine Leidenschaft teilten, wollte Bonafede das Geheimnis eines guten Kaffees lüften.

Der ursprünglich gelernte Krankenpfleger begann zu recherchieren, wie das Getränk entsteht. "Ich habe festgestellt, dass gutes Rösten eine hohe Kunst ist, was man früher erstmal wissen musste. Bald darauf hatte ich eine Mission: die Welt von schlechtem Kaffee befreien", erzählt der Pfälzer in seinem Dialekt.

2005 entschied er sich ein Unternehmen zu gründen. Schritt für Schritt, Bohne für Bohne, gelangte er 2011 zum Ziel und eröffnete seine "gläserne Manufaktur" mit Café in der Hockenheimer Gleisstraße 2. Heute bietet er nicht nur guten Kaffee, sondern auch ein Erlebnis: In der Loft-artigen Rösterei ist alles offen. Produktion, Lager und Café befinden sich in einem Raum. So können Kunden bei Bonafede sehen, wie die Röstmaschine den Bohnen das Aroma entlockt. 

Rösterei Bonafede in Hockenheim - die Fotogalerie

Wenn er vor seinem Geschäft sitzt und den Kaffeeduft einsaugt, denkt er gerne einige Jahre zurück. Von 2006 bis zur Eröffnung röstete er mit einem Freund in einer Garage in Ketsch. Nach der ersten Euphorie kam die große Ernüchterung: Kaum jemand verstand, warum der Garagen-Kaffee seinen stolzen Preis hatte. In den ersten fünf Jahren mussten die Röstmeister viel Aufklärungsarbeit leisten: Handgerösteter Kaffee ist nicht gleich Supermarkt-Kaffee. "Als es dann aufwärts ging, bereitete noch eine Röstmaschine Probleme. Die hat überhaupt nicht so geröstet, wie sie sollte. Da habe ich sie auseinander gebaut und neue Schaufeln angeschweißt. Das war eine der schwierigsten Phasen. Doch dabei habe ich am meisten übers Rösten gelernt."

Bonafede kämpfte sich allein weiter, aus der Garage raus, bis zum Kaffeeröster des Jahres 2016. Auf dem Weg dorthin führte er viele Menschen in seine Genusswelt. Heute hat er zahlreiche Stammkunden, die sein Qualitätskonzept schätzen: "Guter Kaffee beginnt im Anbauland", erklärt er. "Was nicht in der Bohne steckt, das können wir nicht hineinzaubern."

Deshalb unterstützt er ein "Farm-to-Cup"-Modell. Dabei gelangt der Kaffee vom Bauern direkt ohne Umwege zum Röster. Vor allem auch ohne, dass die Börsenpreise in den Verkaufspreis hineinspielen. Bonafede zahlt an vier Kaffeebauern in Südamerika die Summe, die sie für ihre Ware ansetzen. Zwei von ihnen besuchte er und eine Mitarbeiterin schon persönlich auf der Plantage, die zwei anderen waren bereits zu Gast in der Manufaktur. "Das ist besser als Fair-Trade", findet er.

Dennoch bekommt auch der Bonafede-Kaffee durch die Langzeitröstung eine eigene Handschrift. Mit dem mitteldunklen Röstprofil möchte Bonafede etwas "Rundes" schaffen. Seine verschiedenen Kreationen präsentiert er aufgereiht in 16 Kaffeemühlen entlang der Theke. Die Kunden können jede Sorte vor dem Kauf probieren.

Bonafede ist zufrieden mit seinem Geschäft. Als er mit dem Rösten anfing, gab es in Deutschland gerade mal 200 Röstereien. "Mittlerweile sind es fast Tausend", schätzt er. "Es ist echt schön, dass im Moment so eine Vielfalt da ist und die Qualität steigt."

Damit ist die Welt noch nicht von schlechtem Kaffee befreit, das weiß Bonafede. Doch er hat schon einen Meilenstein erreicht und eine große Vision braucht Zeit - wie ein handgerösteter Kaffee.

Bitte beachten Sie unsere Netiquette!
blog comments powered by Disqus