Der Dank an das Land ist das Eine – Erwartungen an die neue Bundesregierung das Andere: "Wir haben klare Wünsche", sagt Ingo Autenrieth. Erstens: Die "Leitungs-, Lotsen- und Systemfunktion" der Unikliniken solle endlich anerkannt werden. Man koordiniere nicht nur Großlagen wie Corona, "wir sind es auch, die sich um die Zukunftsaufgaben kümmern", so Autenrieth. Er fordert dafür eine rechtliche Anerkennung – und vor allem eine eigene Vergütung: "Wir brauchen diese neue Säule der Finanzierung der Universitätsmedizin." Der zweite Wunsch lautet, dass der Bund auch bei Investitionen mehr unterstützt.

"Diese sind der Grund, warum unser Jahresergebnis negativ ist", so Autenrieth. Ein weiteres Problem – und Wunsch drei: eine höhere Vergütung für schwere Fälle. "Maximalfälle, wie sie an Unikliniken anfallen, passen nicht in das System der Durchschnittsvergütung, sie sind Kostenausreißer." Wunsch vier schließlich kommt von Pflegedirektor Edgar Reisch – und auch da geht es ums Geld: "Wir brauchen eine bessere Notfallvergütung."

Weiterhin weist der Jahresabschluss des Uniklinikums für 2020 eine besondere Rückstellung in Höhe von vier Millionen Euro aus. Das Geld ist für Kosten gedacht, die durch die Aufarbeitung des Bluttestskandals entstehen können. Schadenersatzforderungen seitens des Investors Jürgen Harder bestünden nicht. Zudem bekommt der Bluttest eine letzte Chance.

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Neben stabilen Finanzen ist in Krisensituationen entscheidend, ob die Patienten weiter zuverlässig versorgt werden können. Auch da zieht das Klinikum für 2020 eine positive Bilanz: "Trotz Corona konnten wir unser Spitzenmedizin-Niveau aufrechterhalten – und alle Patienten, ob Corona-Kranke oder andere, jederzeit gut versorgen", so Autenrieth. Dies liege an der hervorragenden Personalstruktur: "Unsere Mitarbeiter haben Unglaubliches geleistet. Ihre hohe Leidenschaft und Identifikation sind das A und O unseres Erfolges."

Die Zahl der Beschäftigten alleine am Uniklinikum stieg 2020 um fast 1000 Mitarbeiter auf 11.315. "Wir haben bewusst Personal aufgestockt, auch mit Blick auf die Zukunft", so Erk. Doch nach wie vor werden Intensivpflegekräfte gesucht. "Der Intensivbereich macht mir schon Sorgen", so Pflegedirektor Reisch. Die Arbeit sei dort besonders kräftezehrend, sagte er – auch angesichts nun wieder steigender Coronapatienten-Zahlen. Neben der Pflegekräfte-Ausbildung an der Uniklinik-eigenen Akademie setzt Reisch weiter auf das Programm "Triple Win", mit dem Pflegekräfte aus dem Ausland angeworben werden. Die meisten kommen aktuell aus Bosnien-Herzegowina, Serbien und Tunesien.

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