Heuer erzählt von einer Lieferung, die zeigt, dass sie keine Mühe scheut, um das Buch an den Leser zu bringen. Sie hatte einen dringenden Auftrag: "Die Physiker" von Dürrenmatt. Spätabends fuhr sie mit dem Rad los, unterschätzte zunächst, wie weit sie fahren musste, und als sie schließlich ankam, warteten Mutter und Sohn. An letzteren wandte sie sich: "Ich komme deinetwegen nachts rausgefahren, du liest das jetzt heute noch." "Okay", habe der Junge grinsend geantwortet.

Andersherum braucht der Buchladen die Kunden. "Die Leute versuchen, uns zu unterstützen", sagt Heuer – und berichtet von vielen positiven Reaktionen auf die Expresslieferung mit dem Fahrrad; sie habe schon Pralinen zum Dank erhalten. Weiterhin bestehe die Möglichkeit, per Post zu liefern, erklärt die Buchhändlerin, das versuche man aber zu vermeiden. Zum einen sei es langsamer, zum anderen "ökologischer Wahnsinn", und schließlich koste es Porto. Das wolle sie in einem "Amazon-geneigten Stadtteil" nicht auf die Kunden abwälzen, meint Heuer.

Trotz des fehlenden Ladenverkaufs, trotz des Riesenkonkurrenten Amazon, glaubt Heuer an die Krisenfestigkeit des Buchhandels: "Wir sind im Vergleich zu anderen Einzelhändlern gut aufgestellt." Viele Läden hätten schon lange einen Online-Shop, erklärt sie. Zudem lieferten die Großhändler die Ware jede Nacht. Der deutsche Buchhandel sei da einmalig.

Bettina Heuer ist mit ihrem Lieferkonzept nicht allein, viele ihrer Kolleginnen tun es ihr gleich. "Die Kunden zeigen sich solidarisch", sagt Beate Madani von "Buch und Kunst" in Kirchheim. Nina Emmert-Neumann, Geschäftsführerin der Handschuhsheimer "Bücherstube", sieht das ähnlich: "Es ist eine Herausforderung, aber es wird gut angenommen." Und Nicola Lindgens vom "Buch-Markt" in Ziegelhausen meint: "Wir haben treue Kunden. Die unterstützen uns, brauchen aber auch Lesestoff." Heidelberg sei gut abgedeckt mit Buchläden, meint Heuer, das solle so bleiben. Sie bestärkt den Zusammenhalt des Buchhandels: "Wir sind Konkurrenten, aber auch befreundet. Und wir können auch alle überleben, wenn die Leute nicht alles im Internet bestellen."

Kathrin Heim ist Mitinhaberin von "Schmitt & Hahn" und leitet die Filiale in der Hauptstraße. Auch sie sagt: "Wir müssen alle überleben." Auch Heim bringt die Bücher kostenlos nach Hause, zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit dem Auto, je nach Strecke. "Die Kunden freuen sich sehr", meint sie, und berichtet von den schönen Seiten der Notlösung: "Man kommt gut mit den Leuten ins Gespräch, am Telefon und an der Haustüre – natürlich mit Abstand!" Dennoch, die normalerweise hohe Besucherfrequenz in der Filiale lasse sich durch den Verkauf am Telefon nicht ersetzen, schon aus Zeitgründen nicht.

Auch für Heuer ist bisher Zeit das Problem – und nicht das Interesse der Kunden. Sie lehnt Bargeld inzwischen ab, alles wird mit PayPal oder Rechnung bezahlt. Das Ausstellen der Rechnungen brauche viel Zeit, meint sie. Was im Moment wegfalle sei die ausführliche Beratung, aber auch das Stöbern, die Gelegenheitskäufe. "Wir sitzen auf der Ware", bestätigt die Buchhändlerin. Dennoch kann sie lächeln, wenn jemand Gutscheine einlösen will, im Glauben, das sei die letzte Gelegenheit dazu: "Die Leute denken, wir gehen unter – wir gehen nicht unter."

Info: Die RNZ listet unter www.rnz.de/Einzelhandel Buchhändler und andere Einzelhändler auf, die in Heidelberg und im Umland liefern. Auch das Heidelberger Institut für Textkritik informiert über Liefermöglichkeiten der hiesigen Buchhändler: www.textkritik.de/hd_buchhandel 

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