Auch Holger Haring (CDU) glaubt nicht daran, dass die fetten Jahre weitergehen: Lediglich die Kauflust der Verbraucher und der Bauboom hätten die konjunkturelle Vollbremsung verhindert. Der aktuelle Etat sei am Rande der Genehmigungsfähigkeit. Dennoch sei Weinheim nach wie vor in einer luxuriösen Situation: Hat die Stadt ihre Pflichtaufgaben doch noch so gut im Griff, dass nicht gleich auf alles Wünschenswerte verzichtet werden muss.

Stella Kirgiane-Efremidou (SPD) bewertete das Haushaltsergebnis als "niederschmetternd". Angesichts der großen Investitionen – unter anderem in das Schulzentrum Weststadt – erinnerte sie daran, dass kommende Generationen die daraus resultierenden Abschreibungen zurückerwirtschaften müssen. Sie forderte mehr Verantwortungsbewusstsein im Gremium ein. Dieses müsse der Verwaltung gezielte Sparvorgaben machen.

Carsten Labudda (Die Linke) verzichtete auf lange Kommentare zum Weinheimer Minus. Er äußerste indes Verständnis dafür, dass die Klimaschutzaktivitäten der Stadt "aus Gründen der finanziellen Vernunft" zunächst nur mithilfe einer halben Stelle koordiniert werden sollen. Es war eine Bemerkung, über die sich GAL-Stadtrat Uli Sckerl im Verlauf des Abends noch hörbar ärgern sollte.

"Wir sehen heute mit großer Deutlichkeit die Konsequenzen aus den von der FDP über Jahre hinweg angesprochenen Mängeln und Schwachpunkten der Weinheimer Haushaltsführung", so Wolfgang Wetzel (FDP). Die Stadt werde ihren Aufgaben nur durch einen rasanten Abbau der Rücklagen gerecht, Weinheim habe zuletzt von einer unerwartet starken Konjunktur profitiert. Der größte Gewerbesteuerzahler (gemeint ist der Industriekonzern Freudenberg, Anm. d. Red.) verdiene sein Geld unter anderem als Zulieferer der schwächelnden Automobilindustrie. Der Boom gehe zu Ende.

Letztlich führe kein Weg daran vorbei, dass die Stadt im (Ergebnis-)Haushalt zu positiven Ergebnissen kommt, so der Liberale. Zumal viele Investitionen nur verschoben, aber eben nicht aufgehoben sind. Letztlich müsse die Verwaltung ihre Ausgaben deutlich reduzieren, verwies der Liberale auf den gescheiterten FDP-Antrag, die Verwaltung zu einem Sparziel in Höhe von zwei Millionen Euro zu bewegen. Weitere Sparbeträge kämen zustande, wenn die Stadt Weinheim nur noch dort soziale Verantwortung übernimmt, wo definitiv keine anderen zuständig sind.

Natürlich spielte auch die Frage eine Rolle, wie Weinheim zu mehr Einnahmen kommen kann. Sowohl Wetzel als auch GAL-Fraktionschefin Kramer sahen in der 2019 beschlossen Entwicklung der Hinteren Mult kein leuchtendes Beispiel für eine gelingende Gewerbeansiedlung. Beide verwiesen auf Prozessrisiken, da sich die Stadtspitze und die Gegner dieses Gewerbegebiets noch vor Gericht begegnen werden.

Günter Bäro verwies in puncto Gewerbeflächen auf die demnächst anlaufende Zukunftswerkstatt, die OB Manuel Just initiieren wird. Holger Haring wiederum brachte Gewerbekonzepte ins Gespräch, die unter anderem in Rheinfelden getestet werden: Dabei wird auf ein hochwertiges, ökologisch ausgeglichenes Wirtschaften in Zentrumsnähe gesetzt. Solche oder ähnliche Ziele müsse Weinheim mit hohem Tempo verfolgen, um nicht zwischen Heidelberg und Mannheim zerrieben zu werden. Außerdem müssten die Bürger unbedingt wissen, wie es stadtplanerisch weitergeht.

Carsten Labudda warb erneut für Gewerbeflächen im Tiefgewann: Weinheim brauche mehr Gewerbesteuerzahler, aber auch Arbeitgeber, lautete sein Verweis auf die Entwicklungen bei Freudenberg.

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