Schriesheim/Hirschberg

Wie Ilana Bender als Jüdin unter lauter Christen lebt

Im "Mittendrin" gab die Leutershäuserin "einen authentischer Einblick in ein jüdisches Leben". Die Lehrerin ist vielfältig engagiert.

24.06.2022 UPDATE: 26.06.2022 06:00 Uhr 2 Minuten, 36 Sekunden
Ilana Bender sprach im Begegnungszentrum „Mittendrin“ über ihr Leben als Jüdin in Deutschland. Foto: Kreutzer

Schriesheim/Hirschberg. (mio) Beim monatlichen Frauen-Treff im Begegnungszentrum "Mittendrin" sind eigentlich keine Männer willkommen. Doch manchmal lässt Koordinatorin Jacqueline Krämer Ausnahmen zu. So waren beim Juni-Frauentreff unter den rund 30 Gästen einige Männer zu finden. Auch sie interessierten sich für den Vortrag von Ilana Bender über "einen authentischen Einblick in ein jüdisches Leben". Liebenswürdig und offen hielt die Referentin nicht einen abstrakten Vortrag, sondern sprach über ihre eigene Biografie. Zutiefst berührend.

Der Vortrag startete mit der Geschichte einer großen Liebe! Ilanas Mutter Riitta ist in Finnland aufgewachsen und ging für ein Jahr nach Deutschland, um in einem Geldinstitut zu arbeiten. Ilanas Vater Edward wurde in Rumänien geboren. Später wanderten seine Eltern nach Israel aus. Er erlernte den Beruf des Uhrmachers. Die beiden begegneten sich in einem Nachtclub in Frankfurt – ihre Mutter begleitete eine Freundin, ihr Vater war auf einer Rundreise unterwegs. Riitta und Edward verliebten sich sofort. Für die Heirat musste ihre Mutter zum Judentum übertreten. Sie sagte: "Ich konnte meinen christlichen Glauben hinter mir lassen, weil er mir nicht so viel bedeutet hat. In dem Moment, in dem ich deinen Vater traf, wollte ich nur noch mit ihm sein", gibt Bender ihre Mutter wieder.

Aber so einfach war das mit der Heirat nicht! Edwards Mutter lehnte Riitta ab. Sie legte Liebesbriefe von Ex-Freundinnen ihres Sohnes in die Unterwäsche von Riitta. Das nützte alles nichts. Riitta und Edward heirateten ruckzuck und entschieden sich für ein Leben in Deutschland. Dort kam 1979 Ilana zur Welt. "Ilana" bedeutet so viel wie "kleiner, weiser Baum". Das Mädchen wuchs ganz selbstverständlich im jüdischen Glauben auf. Ilana Bender erinnert sich: "Als ich ein kleines Kind war, wusste ich nicht, dass es unterschiedliche Religionen gab." Die Familie lebte in Offenbach. Erst im evangelischen Kindergarten wurde Ilana bewusst, dass es andere Religionen gibt, denn die anderen Kinder feierten andere Feiertage. Später besuchte Ilana eine jüdische Grundschule in Frankfurt: "Ich fühlte mich wie eine Biene, die ihren Schwarm gefunden hatte." Mit neun Jahren fuhr sie das erste Mal in ein jüdisches Feriencamp. Der Leiter des Camps wurde für sie zum Vorbild, sodass sie später den Beruf der Lehrerin wählte.

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