Hörgesundheit in Eberbach

Mehr Lebensqualität durch besseres Hören

Die Veranstaltungsreihe will über Tabuthema aufklären. Der erste kostenfreie Vortrag findet bereits am Dienstag statt.

08.06.2024 UPDATE: 08.06.2024 04:00 Uhr 2 Minuten, 42 Sekunden
Melanie Potoski, Leiterin der Volkshochschule Eberbach-Neckargemünd, Dr. Elisabeth Sauer, Vorsitzende des Kreisseniorenrates des Rhein-Neckar-Kreises, und Nikolaus Kilian, Referent für Generationen und Inklusion der Stadt Eberbach, stellen die Veranstaltungsreihe „Hörgesundheit in Eberbach“ vor. Foto: Peter Bayer

Von Peter Bayer

Eberbach. Wer schlecht sieht, der trägt eine Brille, am besten eine möglichst schicke. Und wer schlecht hört? Hörgeräte sind ein Stück weit noch ein Tabuthema, sagt Melanie Potoski, Leiterin der Volkshochschule Eberbach-Neckargemünd (vhs). Betroffene befassen sich oft zu spät damit, büßen dadurch nicht selten ein Stück Lebensqualität ein.

Dabei gibt es viele Möglichkeiten, Betroffene aufzuklären und ihnen zu helfen. Gemeinsam mit dem Kreisseniorenrat und der Stadt Eberbach bietet die vhs eine dreiteilige Informationsreihe an.

Anders als Augen, Haut oder Knochen altern unsere Ohren eigentlich nicht. Trotzdem hören viele mit der Zeit immer schlechter. Das hochsensible und stets aufnahmebereite Gehör wird durch zu viel Lärm und Dauerbelastung überstrapaziert. Die feinen Härchen in der Innenohrschnecke werden geschädigt, können die Töne nicht mehr weiterleiten.

Das führt häufig auch bei jungen Menschen schon zu Hörverlusten, zuerst der hohen Frequenzen. Bereits ab Mitte 40 können sich erste Zeichen der Altersschwerhörigkeit zeigen: Einem Gespräch in lauter Umgebung ist schwer zu folgen und hohe Frequenzen sind gar nicht mehr zu hören.

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Dr. Elisabeth Sauer, Vorsitzende des Kreisseniorenrats, erzählt, wie sie es gemerkt hat: "Ich habe auf meine kleine Enkelin aufgepasst, die ein Stockwerk höher geschlafen hat. Als die Eltern zurückkamen und wir uns unterhielten, sagte meine Tochter ’Emily weint’. Ich hatte sie nicht weinen gehört. Das war für mich ein Alarmsignal." Schließlich hat sie auch morgens die Vögel nicht mehr gehört. Angenehmer war da schon, dass die Züge und der Verkehr nicht mehr so laut waren. Als sie ihr Hörgerät hatte, musste sie allerdings feststellen, dass Züge und Verkehr noch genauso laut sind wie zuvor. Der Kreisseniorenrat will das Tabuthema "schlechtes Hören" mit den Informationsveranstaltungen in die Kommunen des Kreises bringen. Die Idee aufgegriffen hat Sauer beim "Tag des Hörens" in der Uniklinik Heidelberg.

Die Uni stellt auch die Referenten der drei Veranstaltungen. Diese sind Experten auf ihren Gebieten und werden die Thematiken anschaulich erklären, hilfreiche und praxisnahe Tipps geben und auch Fragen beantworten. Dass die Vorträge sehr praxisnah mit wertvollen Tipps und vielen Beispielen sind, kann Melanie Potoski bestätigen, die in Schönau dabei war. "Es ist gut, dass man eigene Fragen stellen kann", ergänzt Nikolaus Kilian, Referent für Generationen und Inklusion bei der Stadt Eberbach.

Die erste Veranstaltung findet bereits am Dienstag, 11. Juni, um 14 Uhr statt, wie auch die beiden anderen kostenfrei im Konferenzraum der Stadthalle. Dr. med. Sara Euteneuer erläutert, wie sich das Hören im Alter verändert und welche Folgen eintreten. Zudem werden die heute schon möglichen vorbeugenden und therapeutischen Möglichkeiten vorgestellt. Euteneuer ist Oberärztin der HNO-Klinik des Universitätsklinikums Heidelberg und ärztliche Leiterin des Cochlea-Implantat Reha-Zentrums. Ein Hör-Test ist im Anschluss an den Vortrag vor Ort im Hör-Test-Bus möglich.

Im zweiten Vortrag erklärt Hörakustikerin und Pädagogin Christina Kasparek, wie sich Hören mit Hörgerät vom Hören ohne Hilfsmittel unterscheidet. Im Mittelpunkt stehen Strategien, mit Hörsystemen glücklich zu werden. Eine besondere Rolle spielen dabei die Themen Gehörentwicklung und Hörtraining. Denn "hören mit Gerät muss man wieder lernen", sagt Dr. Sauer. Die Veranstaltung findet am Freitag, 15. November, um 14 Uhr statt.

Mit dem "Hörverlust im Alter" beschäftigt sich am Dienstag, 26. November, um 14 Uhr Gyde Petersen, therapeutische Leiterin des Cochlea-Impantat Reha-Zentrums Heidelberg. Durch den Ausgleich eines Hörverlusts mit einem Hörsystem (Hörgerät) soll nicht nur das reine Hören und Verstehen verbessert werden, er zielt insbesondere auf die Erleichterung der alltäglichen Kommunikation und der Unterstützung der Selbstständigkeit ab. Hierdurch erfahren viele Menschen eine umfassende Verbesserung der Lebensqualität.

"Wer schlecht hört, nimmt sich oft aus Diskussionen oder Unterhaltungen raus", weiß die Vorsitzende des Kreisseniorenrates. Durch besseres Hören ist wieder mehr soziale Teilhabe möglich, sagt Kilian. Und verhindert so auch eine mögliche Vereinsamung.

Die Veranstaltungen sind kostenfrei. Aus organisatorischen Gründen bittet die Volkshochschule um eine Anmeldung. Die Vorträge bauen zwar inhaltlich aufeinander auf, sind aber in sich abgeschlossen und können somit auch einzeln besucht werden.

Info: Die Veranstaltungsreihe "Hören und Hörgesundheit" ist eine Kooperation des Kreisseniorenrats des Rhein-Neckar-Kreises, der Stadt Eberbach und der Volkshochschule Eberbach-Neckargemünd. Informationen und Anmeldung unter www.vhs-eb-ng.de oder Telefon 06271/946210.

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