Hardheim

Siebtklässler produzieren für Jugendradio "bigFM"

Wenn Schüler freiwillig Überstunden machen: Die Siebtklässler des Walter-Hohmann-Schulverbunds produzierten mit den Profis eigene Beiträge.

11.07.2024 UPDATE: 11.07.2024 04:00 Uhr 2 Minuten, 12 Sekunden
Ruhe, Besonnenheit und deutliches Sprechen sind bei Radio besonders wichtig, damit Texte von den Zuhörern akustisch verstanden und richtig interpretiert werden können. Foto: Adrian Brosch

Von Adrian Brosch

Hardheim. Das Radio als Medium ist immer noch im Trend: Mehrere Millionen Hörer allein in Baden-Württemberg lauschen täglich den zumeist fröhlichen UKW-Wellen. Was auf diesen so beschwingt und unterhaltsam anmutet, bedeutet jedoch hohen technischen Aufwand, den die Klasse 7b des Walter-Hohmann-Schulverbunds während eines nicht alltäglichen Projekts hautnah erleben durfte: Am Dienstag und Mittwoch produzierten Tilmann Rau und Albrecht Ackermann mit den 23 Jugendlichen und ihren Lehrerinnen Aline Fitz und Nadine Dedio eine eigene Sendung für das Jugendradio "bigFM".

Gemeinsam mit Tilmann Rau und Albrecht Ackermann vom Jugendradio „bigFM“ produzierten die Siebtklässler des Walter-Hohmann-Schulverbunds kurze Beiträge für Gleichaltrige. Foto: Adrian Brosch

Den Anfang machte ein Rundmail der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung Baden-Württemberg, in der auf Bildungsangebote hingewiesen wurde. "Den Hinweis auf das Radio hielten wir sofort für interessant – das wäre doch was für die 7b", erinnert sich Aline Fitz. Am Dienstag war es so weit: Zunächst erarbeiteten Tilmann Rau und Albrecht Ackermann mit den Mädchen und Jungen die Grundlagen des Hörfunkjournalismus, gingen auf den Unterschied zwischen Umfrage und Interview ein und informierten über den hohen Arbeitsaufwand.

"Radio machen ist eine Kunst für sich", betonte Tilmann Rau und sprach von einer oft völlig unterschätzten Arbeit. Das beginnt bei der Technik und endet beim Schreiben der Wortbeiträge, was auch gestandenen Moderatoren oft einiges abverlange. "Alles muss im Grunde vorformuliert werden, und es ist komplizierter zu formulieren, als es gesprochen wird", gab er zu bedenken. Eine große Rolle spiele auch die Stimme: "Man muss die Texte so einsprechen, dass sie vom Hörer akustisch verstanden und korrekt interpretiert werden können. Ruhe, Besonnenheit und deutliches Sprechen sind sehr wichtig", bemerkte er.

Die 7b hatte nun den Auftrag, sich selbst – mit wertvoller Schützenhilfe der erfahrenen Stuttgarter Experten, die jeweils einige Jahre selbst am Radio-Mikro standen und verschiedene Programme in Baden-Württemberg präsentierten – die Kenntnisse anzueignen.

"Die Klasse wurde in Gruppen mit jeweils vier bis fünf Personen unterteilt. Jede durfte ein aktuelles Thema auswählen, über das ein kleiner, rund drei Minuten dauernder Beitrag zu gestalten war", informierte Aline Fitz im RNZ-Gespräch. Die Bandbreite ist groß: Die Siebtklässler besprachen die Fußball-Europameisterschaft mit Bezug auf die kommende Weltmeisterschaft, den Abgang von Toni Kroos, Handball sowie Urlaub und Reisen – und im Interview mit Rektor Steven Bundschuh ergaben sich informative Ansätze zum deutschen Schulsystem.

"Bei Umfragen wurden Hardheimer Bürger nach ihrer Meinung gefragt. Die Tonaufnahmen wurden eigenständig zusammengeschnitten, was den Jugendlichen auch beim Verbessern ihrer digitalen Fähigkeiten half. Generell war das Miteinander sehr unkompliziert und angenehm. Was auch daran lag, dass alle mit Feuereifer bei der Sache waren. Die Klasse ist sogar nachmittags freiwillig gekommen, um weiter an den Beiträgen zu arbeiten", resümierte Aline Fitz erfreut. Das lag sicher auch an einem besonderen Umstand: Der private Sender "bigFM" versteht sich als Jugendkanal, was die Herangehensweise erleichterte – die Hardheimer Schüler gestalteten ein Programm für Gleichaltrige, so dass man authentisch vorgehen konnte.

Tilman Rau bestätigte die positive Stimmung: "Die Klasse war auch bei der Themenauswahl fleißig. Wichtig waren insbesondere die Interviews auf offener Straße: Es mag Überwindung kosten, fremde Menschen anzusprechen, doch trägt genau das zum Aufbau von Selbstbewusstsein bei. Wenn etwa ein Passant auf die eigens formulierte Frage antwortet, entsteht ein gutes Gefühl, das immer mehr Aufwind gibt", erklärte er und sprach von einem "sehr angenehmen Arbeitsklima" am Walter-Hohmann-Schulverbund in Hardheim.

Gleichzeitig verfolgte der Workshop das Ziel, den Jugendlichen die Arbeit im Studio zu verdeutlichen: Gemeinsam übte man sich im Audioschnitt, hantierte mit den Mikrofonen und den Aufnahmegeräten – völliges Neuland und ein faszinierendes Stück Technik, durch das Radiosender fortan vermutlich mit ganz anderen Ohren gehört werden.

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