Tödliche Polizeikontrolle in Mannheim

Zum Tod des 47-Jährigen sind noch Fragen offen (Update)

Der tödliche Polizeieinsatz war inzwischen Thema im Innenausschuss.

17.09.2022 UPDATE: 21.09.2022 20:02 Uhr 4 Minuten, 39 Sekunden
In den Tagen nach dem tödlichen Einsatz gab es Demonstrationen in Mannheim. Foto: Gerold

Von Nico Pointner und Carsten Blaue

Stuttgart/Mannheim. Der Polizeieinsatz vom 2. Mai am Mannheimer Marktplatz, nach dem ein 47 Jahre alter Mann gestorben ist, hat am Mittwoch den Innenausschuss des Landtags in Stuttgart beschäftigt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen zwei suspendierte Beamte wegen Körperverletzung im Amt mit Todesfolge. Innenminister Thomas Strobl (CDU) versprach im Ausschuss eine gründliche Aufarbeitung. Das ist das Mindeste, was die Fraktionen erwarten – auch um das verlorene Vertrauen in die Polizeiarbeit wieder herzustellen. Die Sitzung ließ dennoch Fragen offen, die auch Mannheims Polizeipräsident Siegfried Kollmar sowie der Leitende Oberstaatsanwalt, Romeo Schüssler, nicht beantworten konnten.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war der 47-Jährige in einer psychischen Ausnahmesituation. Er sollte in das Zentralinstitut für seelische Gesundheit Mannheim eingeliefert werden. Doch er floh. Ein Arzt konnte ihm folgen und mit dem Mann zur Wache im Quadrat H 4 laufen. Der Mediziner bat dort die Beamten darum, den Mann in Gewahrsam zu nehmen, er sei "eigengefährdet". Doch der 47-Jährige lief wieder weg.

Polizisten wollen sich äußern

Die beiden Polizisten verfolgten ihn und versuchten dann, ihn festzusetzen. Er wurde mit Pfefferspray besprüht, zu Boden gerungen, gegen den Kopf geschlagen und mit Handschellen gefesselt. Plötzlich regte er sich nicht mehr. Später starb er im Krankenhaus. Laut eines Gutachtens war der Mann an den Folgen einer "lage- und fixationsbedingten Atembehinderung" in Kombination mit einer Blutung der oberen Atemwege gestorben. Oder wie es der innenpolitische Sprecher der Grünen, Oliver Hildenbrand, formulierte: Der Mann sei nicht bei, sondern durch einen Polizeieinsatz ums Leben gekommen.

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Der Mannheimer SPD-Abgeordnete Boris Weirauch kritisierte gegenüber der RNZ, dass Strobl wesentliche Angaben im Ausschuss verweigert habe, und verlangte lückenlose Aufklärung. So sei zum Beispiel offen, ob sich der Mann und der Arzt vor oder in der H 4-Wache – und damit laut Weirauch "in gesicherter Obhut der Polizei" – aufhielten. Und wenn der 47-Jährige im Gebäude war: Wie konnte er dann wieder türmen? Angehörige und Öffentlichkeit hätten ein Recht darauf zu wissen, "ob der schreckliche Ausgang hätte vermieden werden können."

Weirauch monierte zudem, dass offen geblieben sei, warum die Beamten ihre Bodycams nicht einschalteten. Es müsse geklärt werden, ob die Kameras überhaupt einsatzfähig gewesen sind. Schließlich sei jede zweite Bodycam im Land technisch gar nicht betriebsbereit, so der Justizexperte. Offen ist laut Schüssler, wann die Ermittlungen abgeschlossen seien. Für Ende des Monats ...

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