Gewerbe oder Freizeitbereich?

Wie soll die Wohlfühl-Situation in der Kleingemünder Straße aussehen?

Bürgerbeteiligung zur Situation in der Kleingemünder Straße: Zahlreiche Ideen wurden vorgestellt. Geschäftsleute machten ihrem Ärger Luft.

04.10.2021 UPDATE: 05.10.2021 06:00 Uhr 2 Minuten, 17 Sekunden
Sicherheitsauditor Jens Leven (v.l.), Bärbel Sauer und Nico Rathmann vom Amt für Verkehrsmanagement sowie Lisa Kipphan, zuständig für die Kinder- und Jugendbeteiligung, stellten auf dem „Kucheblech“ Überlegungen vor und sammelten Ideen. Foto: Alex

Von Thomas Seiler

Heidelberg. Mehr Aufenthaltsqualität sämtlicher Nutzer der Kleingemünder Straße sowie nur noch langsam fließender Verkehr, darum geht es hier in diesem stadtweiten Projekt, das die verkehrsberuhigten Bereiche in Heidelberg unter die Lupe nimmt. Zum Start suchte sich das Amt für Verkehrsmanagement zusammen mit dem Wuppertaler Büro "Bueffee" sechs Pilotprojekte auf dem Boxberg, in Rohrbach, Wieblingen, Pfaffengrund und in dem östlichen Stadtteil aus, um zum Jahresende dann mittels eines Baukastensystems schnelle und kostengünstige Lösungen und Varianten für die Umgestaltung nicht nur der ausgesuchten Areale zu erhalten.

In Ziegelhausen selbst dürfte aus der Sicht der neuen Amtsleiterin Bärbel Sauer wohl nicht die von der Stadt einmal angedachte und von den Grünen im Bezirksbeirat vehement geforderte Schrankenanlage kommen. "Gefühlte 30 Jahre" ringe man jetzt schon um Möglichkeiten, die Straße wirksam zu entschleunigen, meinte sie. Sie dachte dabei weniger an den absoluten Autostillstand, als anno 1992 der Bereich zur "kleinsten Fußgängerzone Europas" mutierte und Pflanzkübel den Fußgängerbereich aufwerteten. Auch nicht an eine Pollerlösung beim Gscheidle-Parkplatz, um den Durchgangsverkehr zu verhindern.

Sauer setzte stattdessen in der von West nach Ost verlaufenden Einbahnstraße mit der Intention eines verkehrsberuhigten Bereiches auf die Beteiligung der Anwohner, was bereits im Internet und jetzt vor Ort auf dem nahen "Kucheblech" geschah. Sie baute auch noch auf weitere Analyseinstrumente mittels eines Katalogs von etwa 60 Maßnahmen, bei denen die immer wieder geforderten "Berliner Kissen", um die Geschwindigkeit zu reduzieren, ganz unten stehen würden.

Einigkeit herrschte bei den etwa 30 Anwesenden sowie bei ihr und Nico Rathmann vom Amt für Verkehrsmanagement und auch beim Planer Jens Leven aus Wuppertal in der Problembeschreibung: Zielverkehr erlaubt, reine Durchfahrt allerdings verboten. Auch zuvor schon in der Onlinebefragung und bei den Kindern in der dritten und vierten Klasse der Steinbachschule zeigte sich, dass man den Durchgangsverkehr "drastisch reduzieren" müsse und die Einkaufenden ebenfalls die Parkplätze auf dem nahen "Kucheblech" nutzen sollten.

Auch interessant
Heidelberg: Was die Anwohner bei der Ziegelhäuser Brücke umtreibt
Heidelberg: Damit in der Kleingemünder Straße Schrittgeschwindigkeit gefahren wird
Heidelberg-Ziegelhausen: Kleingemünder Straße darf keine Abkürzung sein
Heidelberg: Schranke soll Durchgangsverkehr in Ziegelhausen ausbremsen
Nur bei Bedarf: Das ist die erste "schlafende Ampel" in Heidelberg

In der von Leven angesprochenen "krawalligen Trotzphase" leerten insbesondere die anwesenden Geschäftsleute ihren Kropf. "Wollen wir Gewerbe hier oder einen Freizeitbereich", fasste einer davon die Problematik zusammen, von dem vor allen Dingen die für die Kinder- und Jugendbeteiligung zuständige Lisa Kipphan berichtete, während eine Geschäftsfrau anprangerte, dass man sich kaum aus der Ladentür bewegen könne, ohne in Gefahr zu geraten, von "durchbretternden" Autos oder viel zu schnellen Radfahrern erfasst zu werden.

Wie soll aber die zukünftige Wohlfühlsituation aussehen? Leven machte dazu absichtlich fast keine Vorgaben und sammelte nur Ideen. Er nannte im Ergebnis ein einheitliches Entree in sämtlichen verkehrsberuhigten Zonen, Sitzgelegenheiten und Parklets, Pflanzkübel, Benutzung des Straßenraums durch den Handel, Dialog-Radar, Fahrbahnkissen, abgestimmte Ampeln zur Landstraße L 534, optimierte Verkehrsführung zu und aus den Parkplätzen, Bewirtschaftung und zeitliche Begrenzung bei den Kurzzeitparkplätzen, zudem mehr Kontrolle durch die Polizei.

Zwei Mankos erkannte dabei Grünen-Bezirksbeirat Klaus Fanz. Er vermisste den Zugriff auf neueste Studien für den Innenraum und darüber hinaus erwies sich für ihn das Auto als das wichtigste Objekt in der verkehrsberuhigten Zone in seiner Rolle als Kundenzubringer bis zur Ladentür. Nachgeordnet erschienen für ihn Fußgänger, Radfahrer und spielende Kinder. Das sah natürlich Stadtrat Raimund Beisel als Stadtteilvereinsvorsitzender im Prinzip ganz anders.

Das Verkehrsmanagement wolle nun alles in einen Guss bringen und um die Jahreswende dem Gemeinderat vorlegen, teilte Rathmann dazu mit. Natürlich gelte es, zu gegebener Zeit eine Evaluierung sämtlicher Lenkungsinstrumente durchzuführen. "Im Zweifelsfall werden sie dann durch andere ersetzt", ergänzte die Amtsleiterin. Bis dahin trete man nach Leven für einen "gepflegten Zick-Zack-Verkehr" ein und setze auf weitere Stellplätze auf dem "Kucheblech" und die baldige Nutzung des "Gscheidle"-Parkplatzes.

(Der Kommentar wurde vom Verfasser bearbeitet.)
(zur Freigabe)
Möchten sie diesen Kommentar wirklich löschen?
Möchten Sie diesen Kommentar wirklich melden?
Sie haben diesen Kommentar bereits gemeldet. Er wird von uns geprüft und gegebenenfalls gelöscht.
Kommentare
Das Kommentarfeld darf nicht leer sein!
Beim Speichern des Kommentares ist ein Fehler aufgetreten, bitte versuchen sie es später erneut.
Beim Speichern ihres Nickname ist ein Fehler aufgetreten. Versuchen Sie bitte sich aus- und wieder einzuloggen.
Um zu kommentieren benötigen Sie einen Nicknamen
Bitte beachten Sie unsere Netiquette
Zum Kommentieren dieses Artikels müssen Sie als RNZ+-Abonnent angemeldet sein.