Amoklauf in Heidelberg 2022

Die Tat, der Täter und das Gedenken an die Getötete

Eine 23-jährige Studentin wurde getötet. Das Motiv des Täters wurde nie abschließend geklärt.

24.01.2023 UPDATE: 24.01.2023 06:00 Uhr 1 Minute, 34 Sekunden
Trauerfeier nach Amoklauf
Kerzen und Blumenkränze liegen vor dem Eingang eines Universitätsgebäudes am Botanischen Garten in Heidelberg. Foto: Uwe Anspach/dpa

Heidelberg. (pne) Die Amoktat im Neuenheimer Feld vor genau einem Jahr, am 24. Januar 2022, erschütterte Heidelberg. Was an dem Tag und danach passierte – und wie die Universität daran in Zukunft erinnern möchte.

> Die Tat: Gegen 12.20 Uhr am 24. Januar betritt ein junger Mann, bewaffnet mit zwei Gewehren und mehr als 100 Schuss Munition ein laufendes Tutorium für organische Chemie im Hörsaal des Gebäudes INF 360 auf dem Campus Neuenheimer Feld der Universität. In dem Hörsaal befinden sich zu diesem Zeitpunkt 30 Erstsemester im Fach Biowissenschaften. Der Täter eröffnet das Feuer auf die Studierenden mit drei Schüssen, von denen einer eine 23-jährige Studentin in den Kopf trifft. Anschließend flüchtete er in den Außenbereich des Gebäudes im Botanischen Garten, wo er sich selbst erschießt.

> Der Täter: Bei dem Angreifer handelt es sich um den 18-jährigen Studenten der Biowissenschaften Nikolai G. aus Berlin. Wie sich später herausstellt, war er polizeilich zuvor nicht in Erscheinung getreten und hatte zurückgezogen in einer einfachen Studentenwohnung in Mannheim gelebt. Die Staatsanwaltschaft kann sein Motiv "nicht mit letzter Sicherheit" klären, nur feststellen: Der 18-Jährige war "ein Einzelgänger ohne soziale Bindungen zu seinen Mitstudierenden". Ihm wird eine narzisstische Persönlichkeitsproblematik bescheinigt. Seine Tat soll der junge Mann seit Dezember 2021 geplant haben. Die Waffen und die erforderliche Munition hatte er sich eine Woche vor der Tat bei einem Waffenhändler in Wien gekauft. Das Ermittlungsverfahren gegen den Händler wird später eingestellt. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass ihn keine Schuld trifft.

> Die Opfer: Die 23-jährige Studentin Marie-Luise Jung erliegt noch am selben Tag ihren schweren Verletzungen. Sie stammt aus der Stadt Landau in der Pfalz, wo sie zur Schule gegangen war und das Abitur gemacht hatte. Drei weitere Studierende, zwei 19- und 20-jährige Frauen sowie ein 20-Jähriger, werden leicht verletzt und für kurze Zeit im Krankenhaus behandelt.

> Das Erinnern: Universität und Studierendenrat haben in Erinnerung an die bei der Amoktat getötete Studentin den nach ihr benannten "Marie-Luise-Jung-Preis" ins Leben gerufen. Er wird von der Fakultät für Biowissenschaften vergeben, ist mit 1500 Euro dotiert und soll einmal im Jahr an eine herausragende Absolventin mit einem Masterexamen gehen, die eine Promotion und damit den Verbleib an der Universität anstrebt. Laut Auskunft der Familie der getöteten Studentin war es ihr ausdrücklicher Wunsch, diesen akademischen Weg einmal selbst einzuschlagen. Erstmals wird der Preis am Montag, 17. April, vergeben. Dann findet um 17 Uhr in der Aula der Alten Universität die Verleihung statt.

Auch interessant
Amoklauf in Heidelberg 2022: Wie eine 20-jährige Studentin die Amoktat verarbeitet
Uni Heidelberg: Rektor Eitel hofft, dass Amoktat die Ruperto Carola nicht verändert
Amoklauf Heidelberg: Warum der Wiener Waffenhändler trotz Regelverstoß nicht angeklagt wird
Dieser Artikel wurde geschrieben von:
(bearbeitet)
(zur Freigabe)
Möchten sie diesen Kommentar wirklich löschen?
Möchten Sie diesen Kommentar wirklich melden?
Sie haben diesen Kommentar bereits gemeldet. Er wird von uns geprüft und gegebenenfalls gelöscht.
Kommentare
Das Kommentarfeld darf nicht leer sein!
Beim Speichern des Kommentares ist ein Fehler aufgetreten, bitte versuchen sie es später erneut.
Beim Speichern ihres Nickname ist ein Fehler aufgetreten. Versuchen Sie bitte sich aus- und wieder einzuloggen.
Um zu kommentieren benötigen Sie einen Nicknamen
Bitte beachten Sie unsere Netiquette
Zum Kommentieren dieses Artikels müssen Sie als RNZ+-Abonnent angemeldet sein.