Kleine Rebellen

Wie meistern Eltern die Trotzphase ihres Kindes?

Schmollen, Enttäuschung, Wutanfall: Kinder benötigen diese Phase auf dem Weg zur Selbstständigkeit. Wenn Eltern jetzt richtig handeln, profitieren die Kinder davon auch später im Leben.

23.06.2022 UPDATE: 23.06.2022 12:06 Uhr 4 Minuten, 2 Sekunden
Ist der Protest verraucht, sollten Eltern kurz über die Situation sprechen, um der Wut Worte zu geben. Während des Wutanfalls auf das Kind einzureden, bringt wenig. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Von Evelyn Steinbach

Ihr Kind läuft weg, statt sich die Jacke anzuziehen? Weint, wenn es nicht das bekommt, was es gerade will? Im Alter zwischen zwei und sechs Jahren können simple Situationen heftigen Trotz auslösen. Für Eltern ist die Autonomiephase, wie man die Zeit der beginnenden Selbstständigkeit des Kleinkindes nennt, oft belastend. Wie reagiert man auf Wutanfälle? Und wie können Kinder lernen, mit Gefühlsausbrüchen umzugehen? Ein paar Expertentipps.

Kinder wissen schon früh, was sie wollen. Und das teilen sie deutlich mit. "Trotz beginnt schon in der Babyzeit", erzählt die Pädagogin und Buchautorin Susanne Mierau. Zum Beispiel wenn es sich abwendet und nicht wickeln lassen will, so die Expertin. Noch schafft man es, das Baby abzulenken. Ab zwei Jahren wird das schwieriger. Die Sprache kommt dazu, die Kinder werden stärker und motorisch geschickter. Ein lautstarkes "Nein" oder "Ich will aber nicht" ist nicht mehr zu überhören.

"Die Hochphase der Autonomiebestrebungen liegt bei drei bis vier Jahren", sagt Sebastian Arnold vom Berufsverband der Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutinnen und -therapeuten (bkj). "Kinder lernen in dieser Zeit, dass sie einen eigenen Willen haben und bestimmen können, kommen aber in ihrem Ausdruck an ihre Grenzen." Eltern sollten die Phase gut begleiten. Denn "wie Kinder sie durchleben, hat Auswirkungen auf das gesamte Leben", so Mierau.

«Geborgen wachsen: Wie Kinder glücklich groß werden und Eltern entspannt bleiben», Susanne Mierau, Kösel-Verlag, 176 Seiten, 17 Euro, ISBN: 978-3-466-31062-3. Foto: Kösel-Verlag/dpa-tmn

Wut akzeptieren - das Kind kann noch nicht anders

Frust und Enttäuschung gehören im Alltag von Kleinkindern, wo viel Neues entdeckt wird, dazu. "Das Gehirn befindet sich noch in der Reifung", sagt Arnold. Kinder müssen erst lernen, mit ihren Gefühlen umzugehen. "Eine Trotzreaktion ist wie ein Kurzschluss", meint er. "Die Sicherung brennt durch und es fehlt noch an einem Weg daran vorbei."

Gleichzeitig lernt das Kind viel über seine Wirkung auf andere. "Wenn Kinder ihre Eltern ärgern, dann vor dem Hintergrund zu schauen, was sie bewirken können", so der Familientherapeut. Bewusstes provozieren stecke nicht dahinter, das können sie erst viel später.

Nicht in alte Muster verfallen

Trotzen ist demnach kein ...