Dazu zählen intelligente Wegweiser auf der Autobahn, die in Echtzeit per Navi immer den schnellsten Weg durch die Metropolregion weisen und vor Staus warnen. Ein Modell, das genau vorhersagt, welche Auswirkungen neue Straßen auf den Verkehr haben. Noch mehr Jobtickets und ein Masterplan für den Einsatz wasserstoffbetriebener Busse und Müllfahrzeuge. Das alles soll zu einer "ungestörten Mobilität" führen, wie Dallinger das Hauptziel nannte. Dazu brauche es moderne Problem-Analysen und neue Technologien.

Die baden-württembergische Verkehrsstaatssekretärin Elke Zimmer (Grüne) drückte aufs Tempo. Sie warb für einen massiven Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, der jedoch günstiger und digitaler werden müsse. Der Klimaschutz habe dabei höchste Priorität. Zimmer sprach in diesem Zusammenhang auch Radschnellwege und autofreie Innenstädte an. Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz erinnerte daran, dass die die "alte" grün-schwarze Landesregierung vorhatte, die Zahl der ÖPNV-Nutzer bis 2030 zu verdoppeln. Letztlich müsse sich die Politik an konkreten Erfolgen messen lassen. Die Quadratestadt wolle jedenfalls alles daran setzen, dass dieses Ziel erreicht werde.

Weniger Staus, dafür mehr Platz für Radler und ein Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, den viel mehr Pendler als heute nutzen sollen: Das sind drei Ziele des Mobilitätspakts, den Regionalverbandschef Stefan Dallinger initiiert hat. Foto:  M. Endres

Christian Specht, Verwaltungsratschef des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar (VRN) verwies darauf, dass Unternehmen mittlerweile nur noch das Jobticket für Arbeitnehmer bezuschussen müssen, die dieses auch nutzten. Weiter voran bringen will er zudem die VRN-Radboxen – flexibel nutzbare und vor Dieben geschützte Abstellanlagen, die im Netz angemietet werden können.

Darüber hinaus hat Specht noch nicht die Seilbahn über den Rhein abgeschrieben – obwohl die Region die Idee schon einmal verworfen hatte. Eine Machbarkeitsstudie soll Aufschlüsse bringen. Ebenfalls nicht vom Tisch: eine dritte Rheinquerung. "Die sollten wir auf alle Fälle mitdenken", forderte BASF-Standortleiter Uwe Liebelt. Der Manager sagte, die Region habe Wettbewerbsnachteile, wofür er einen Vergleich mit China heranzog. Dort entstünden Wirtschaftsräume am Reißbrett mit einem frei fließenden und klimaneutralen Verkehr. In Ludwigshafen stoße der Chemiekonzern allmählich an seine Grenzen, beispielsweise bei der Lkw-Abfertigung, die man komplett in den Norden des Geländes verlagert habe.

Weniger Staus, dafür mehr Platz für Radler und ein Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, den viel mehr Pendler als heute nutzen sollen: Das sind drei Ziele des Mobilitätspakts, den Regionalverbandschef Stefan Dallinger initiiert hat. Foto: Kreutzer

Die Innenstädte müssen seiner Ansicht nach von Autos befreit werden, damit diese lebenswerter für junge Talente würden, die sonst nach München oder ins Silicon Valley auswichen. Freudenberg-Vorstandsmitglied Tilman Krauch, zugleich Vorsitzender des Vereins Zukunft Metropolregion Rhein-Neckar, ging auf das sich rasch wandelnde Mobilitätsverhalten ein. So habe vor fünf Jahren niemand erahnt, dass und wie heute elektrische Roller und Räder den Markt den Markt eroberten und ein Fahrradboom eingesetzt habe.

Von einer dynamischen Entwicklung berichtete auch Ludwigshafens Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck. Sehr einsam habe es sich angefühlt, als sie im vergangenen Jahr die inzwischen abgerissene Hochstraße Süd mit weitreichenden Konsequenzen sperren musste. Durch den Mobilitätspakt habe sie nun Partner an ihrer Seite, freute sich Steinruck, die wie die Region darauf hofft, dass die Hochstraße Nord als Ausweichroute zumindest noch vier bis fünf Jahre durchhält. Das Beispiel macht deutlich, was Dallinger zu Beginn mit dem Satz meinte: "Der Mobilitätspakt ist ein Kind, das aus der Not geboren wurde."

Weniger Staus, dafür mehr Platz für Radler und ein Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, den viel mehr Pendler als heute nutzen sollen: Das sind drei Ziele des Mobilitätspakts, den Regionalverbandschef Stefan Dallinger initiiert hat. Foto: VRRN

Und die Probleme werden ja nicht kleiner. Denn neben den Hochstraßen müssen auch die Rheinbrücken, spätestens in den 2030er-Jahren, saniert werden. Schließlich geht es auch um die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer. Baustellen und Behinderungen erhöhen die Unfallgefahr. In diesem Jahr sind bereits 50 Lkw-Fahrer in Deutschland am Stauende gestorben.

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