Damit sich kleine Unternehmen, die einmal groß werden könnten, weiterentwickeln können, bräuchten sie Unterstützung. Die Novemberhilfen seien zwar ein guter Schritt. Aber: "Es gibt viele Unternehmen, die haben keine Vorjahresumsätze, die sie vorweisen können", berichtet Eisele. Doch genau das ist der Knackpunkt an den Novemberhilfen: Es handelt sich dabei um Zuschüsse in Form von 75 Prozent des entsprechenden durchschnittlichen Umsatzes im November 2019. Und um sie zu beantragen, benötigt man einen Steuerberater. Viele Kleinstunternehmer und Solo-Selbstständige haben aber keinen. So wie Janina König von "Petricor".

In ihrem Atelier im Dezernat 16 fertigt König Leder-Handtaschen. Die Hilfen im Frühjahr seien gut gewesen, berichtet sie. "Die Novemberhilfen sind aber nichts für mich", sagt die 28-Jährige. Sie habe keinen Steuerberater – "und ich kann mir auch keinen leisten". Sie habe bisher zwar immer versucht, das Positive aus der Situation zu ziehen. Doch je länger der Lockdown dauere, desto schwerer werde das. "Man merkt jetzt, dass man keine Leute mehr erreicht, dass sie weniger Geld ausgeben wollen." Für König besonders wichtig: Designmärkte, auf denen sie ihre Waren feilbieten kann. Diese sind im Corona-Jahr 2020 aber weggefallen.

In einer ganz anderen Branche arbeitet Julia Schönborn: Sie macht mit ihrer Agentur "Leading Edge" Kommunikation insbesondere im Bereich der Kreativwirtschaft, etwa für Künstlerinnen und Künstler. "Unsere Auftragslage ist unfassbar stark eingebrochen", so Schönborn. Sie und ihr Partner seien zwar in der Lage gewesen, ihre Kosten für das Unternehmen so zu reduzieren, dass sie es wohl schaffen, durch die Krise zu kommen. "Aber wir machen uns Sorgen um die Veranstaltungsbetriebe." Gerade dort seien Unsicherheit und Angst groß. Das sei auch im Dezernat 16 zu spüren, wo nicht nur Veranstalter, sondern etwa auch Veranstaltungstechniker oder Musiker ein Zuhause haben.

Auch für sie müssten die Hilfen von Bund und Land nun ankommen, sagt Schönborn. Deshalb hätten sie den offenen Brief auch mit unterschrieben – "um zu unterstützen". Ganz im Geiste des Zusammenhalts im Dezernat 16. Denn trotz Krise und Homeoffice sagt Schönborn: "Das tolle Miteinander gibt es dort immer noch."

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