Augsburg-Coach Wagner lobt den Hunger von Ex-Klub "Hoffe"
Der Coach geht zuversichtlich in das nächste Match. Auch wenn es gegen einen formstarken Ex-Verein geht.

Augsburg/London. Wenn Sandro Wagner am Samstag an seinem 38. Geburtstag in die Sinsheimer Arena kommt, kann der Trainer des FC Augsburg an seiner alten Wirkungsstätte viel erzählen. Dabei ist der frühere Stürmer der TSG Hoffenheim gerade einmal fünf Monate in seinem ersten Job als Chefcoach in der Bundesliga tätig. Doch die Aufgabe beim FCA hat für Wagner schon mehr Turbulenzen bereitgehalten als einige Kollegen anderswo in einer ganzen Saison erleben.
Nach dem Sieg zuletzt gegen Hamburg setzt der FC Augsburg im schweren Auswärtsspiel bei der TSG Hoffenheim auf das wiedergewonnene Selbstbewusstsein. "Wir sind einfach zuversichtlich, weil wir aktuell eine gute Stimmung haben", sagte Wagner. "Die Jungs wollen in die Erfolgsspur kommen und das hat man gemerkt. Und jetzt sieht man auch diesen Hunger, einfach jetzt auch noch mal vor Weihnachten schon noch was mitzunehmen."
Wagner-Lob für Gegner und Ex-Verein Hoffenheim
Augsburg geht auf Tabellenplatz 13 mit drei Zählern Vorsprung auf den Relegationsrang in den zwölften Spieltag. Mit einem Sieg könnte den Abstand auf den Tabellenkeller vergrößert werden. Hoffenheim hat doppelt so viele Zähler auf dem Konto, fünf Ligaspiele nacheinander nicht verloren und dabei beeindruckende 13 Punkte geholt.
"Herausragend gut, was da seit ein paar Monaten passiert in Hoffenheim", meinte Wagner, der früher selbst für die TSG gespielt hatte. "Ich glaube auch, dass da jetzt eine gewisse Euphorie entstanden ist", ergänzte er und ahnte deshalb für sein Team: "Das ist sicherlich kein Vorteil."
Der FCA hatte komplizierte Wochen hinter sich und vier Pflichtspiele in der Fußball-Bundesliga sowie im DFB-Pokal nacheinander verloren, ehe das 1:0 über Aufsteiger HSV folgte. "Ich finde es immer wichtig, wenn eine Mannschaft aus einem Tief rauskommt und das haben wir jetzt schon zweimal geschafft", erinnerte Wagner. "Das ist nicht selbstverständlich, vor allem die Stimmung, dieser Einsatz und diese Einstellung, wirklich es verändern zu wollen. Diese Eigenständigkeit haben wir hier."
Für manch eine Aufregung der vergangenen Monate hat der polarisierende Wagner selbst gesorgt. Mal leistete er sich einen etwas zu kessen Spruch, mal zeigte er eine fragwürdige Geste in Richtung Haupttribüne. Viel Kritik hat ihm das schon eingebracht.
Teile des Augsburger Publikums machten deutlich, dass sie sich an Wagners Auftreten ebenso stören wie an der Entscheidung der Vereinsführung, auf den vergleichsweise unerfahrenen Trainer zu setzen. Ganz besonders war das bei der 0:1-Heimniederlage gegen Borussia Dortmund zu beobachten, als Teile der Fans während des Spiels mit Spruchbändern gegen Wagner und die Vereinsführung protestierten.
"Große Worte, keine Taten – wie lange wollt ihr noch warten?" "Imagewechsel vollbracht: Von der grauen Maus zur Schießbude der Liga", war da zu lesen. Oder auch: "Personenkult und Marketingwahn – das sind nicht unsere Werte." "Niemand ist größer als der Verein." Immerhin erhielt Wagner nach dem Abpfiff von anderen Fans Beifall, als er auf sie zuging.
Das Traineramt in der Bundesliga ist eine neue Rolle, in der sich Wagner noch zurechtfinden muss. Während seine flotten und meinungsstarken Äußerungen in seiner früheren Tätigkeit als TV-Experte gut ankamen, musste er zuletzt feststellen, dass er als Trainer damit im Zweifel zu sehr aneckt. Besonders dann, wenn der sportliche Erfolg ausbleibt. Dabei hatte sich die Bundesligasaison mit dem 3:1-Sieg beim SC Freiburg sehr gut angelassen. Doch es folgte seither ein wellenförmiger Saisonverlauf, bei dem die Tiefen länger und tiefer ausfielen als die Höhen hoch.
Zwei Serien von vier Niederlagen in Folge stehen in der Bilanz, dabei setzte es auch das Aus im DFB-Pokal gegen den Zweitligisten VfL Bochum durch eine 0:1-Heimniederlage. Erschwerend kam hinzu, dass die Augsburger zwischenzeitlich über die schlechteste Defensive der Bundesliga verfügten und drei ihrer sieben Niederlagen gegen St. Pauli (1:2), Mainz (1:4) und Heidenheim (1:2) bezogen hatten, also gegen den Drittletzten, Vorletzten und Letzten. Der öffentliche Druck nahm zwischendurch erheblich zu.
Umso erleichterter waren sie beim FCA, als sie ihre jüngste Negativserie mit dem 1:0-Heimsieg gegen den Aufsteiger Hamburger SV am vergangenen Samstag durchbrechen konnten. Wagner dankte danach sogar dem Fußballgott. Auch dem ebenfalls neuen Sportdirektor Benjamin Weber fielen einige Steine vom Herzen. "Das tut richtig gut, nicht nur für uns, sondern für die ganze Stadt", sagte er.
Trotz aller Erleichterung bleibt es eine schwierige Mission für Wagner beim FCA. Eingestellt worden war er im Sommer als Nachfolger des beliebten Jess Thorup, laut Punkteschnitt der erfolgreichste Augsburger Trainer seit dem Bundesligaaufstieg 2011. Dennoch sah die Vereinsführung die Entwicklung unter dem Dänen kritisch.
"Wir haben uns im Sommer bewusst auf den Weg gemacht, Dinge anzupassen und zu verändern aus Überzeugung", erklärte Geschäftsführer Michael Ströll zuletzt noch einmal den Trainerwechsel und verwies auf die ständigen Abschlussplatzierungen in der unteren Tabellenhälfte. Um sich nicht schleichend auf einen Abstieg zuzubewegen, sei es wichtig, "eine gewisse Ambition mit reinzubringen".
"1000 Prozent Rückhalt"
Über Ambitionen verfügt Wagner zweifellos. "Wir wollen unbedingt den zweiten Sieg in Folge, das ist das klare Ziel", sagte er am Donnerstag über das Gastspiel im Kraichgau. Übergeordnet soll und will er eine aktive Spielweise lehren und den Verein mittel- bis langfristig auch mal wieder in den Europapokal führen.
Zu Gute kommt ihm bei seiner heiklen Mission, dass seine Vorgesetzten allein schon deshalb viel Geduld mit dem jungen Trainer aufbringen werden, weil eine personelle Korrektur wie das Eingeständnis eines strategischen Fehlers wirken würde. Präsident Markus Krapf sprach zuletzt sogar von "1000 Prozent" Rückhalt für Wagner. Auch davon kann der frühere Stürmer bei seiner Rückkehr zur TSG nun erzählen.



