Weinheim

Gemeinderat hält an Bebauung der Hinteren Mult fest

Doch die Mehrheiten werden knapper. Selbst in der Verwaltung gehen die Meinungen auseinander.

19.11.2022 UPDATE: 18.11.2022 13:08 Uhr 3 Minuten, 49 Sekunden
Auch Landwirte und Bodenschützer waren unter den rund 40 Zuschauern. Foto: Dorn

Von Philipp Weber

Weinheim. Man hat in zehn Jahren Ratsberichterstattung schon einiges erlebt, aber das gab es noch nie: Zwischen Weinheims Oberbürgermeister und dem Ersten Bürgermeister ist es am Mittwoch auf offener Bühne zu Meinungsverschiedenheiten gekommen. Es ging um den Kompromissvorschlag zur Bebauung der Hinteren Mult, den der Erste Bürgermeister Torsten Fetzner kurz vor knapp lanciert hatte. Dies lehnte OB Manuel Just ebenso ab wie die Ratsmehrheit. Dafür steht nach wie vor die politische Mehrheit für die gewerbliche Entwicklung des 11,36 Hektar großen Gebiets: Bei 19 Ja-, 15 Nein-Stimmen und einer Enthaltung votierte der Gemeinderat dafür, in ein ergänzendes Bebauungsplanverfahren zu starten. Dieses soll die vom Verwaltungsgerichtshof (VGH) gerügten Mängel in dem 2019 verabschiedeten Bebauungsplan "heilen".

Für diese Variante, die weiter eine gewerbliche Bebauung des gesamten Gebiets vorsieht, hatte sich OB Manuel Just bereits vor dem Rolf-Engelbrecht-Haus starkgemacht. Vor der Tür sprach er mit einer Gruppe von Demonstranten, die ein Ende der Gewerbepläne für die Hintere Mult und den Erhalt landwirtschaftlicher Flächen forderten. Doch auch die andere Seite hatte im Vorfeld Druck aufgebaut. Der Filterhersteller B&S hatte in einem lokalen Medium angekündigt, sich vom Standort Weinheim zu verabschieden, wenn sich weiter keine Erweiterungsmöglichkeiten in der Hinteren Mult ergäben.

Erster Bürgermeister Fetzner und die GAL-Fraktion unter der Führung von Elisabeth Kramer machten Kompromissvorschläge, die B&S auf einem Teil der heutigen Ackerflächen Erweiterungschancen eingeräumt und den anderen Teil frei gelassen hätten. Hierzu hätte es einer Vertagung des Themas sowie einer Überarbeitung der Bebauungsplanungen bedurft. OB Just hielt dem entgegen, dass in diesem Fall ein gänzlich neuer Bebauungsplan aufgestellt werden müsste. Dies wiederum werde die Tür für ein Bürgerbegehren öffnen, was weitere Verzögerungen nach sich ziehe. Und dann wäre B&S wohl weg. Außerdem bestünden bei einer Teil-Bebauung des Gebiets Bedenken im Hinblick auf den Grundstücksverkehr, so Just sinngemäß. Er bat Stadtplaner Sven-Patrick Marx, zu erläutern, warum die Kompromissidee charmant, aber kaum umsetzbar sei.

Doch ehe Marx loslegen konnte, fuhr ihm Fetzner in die Parade. Dieser bekräftige seine Bedenken gegen die sich anbahnende Entscheidung, bei der es sinnbildlich nur Schwarz oder Weiß zu geben schien. Er bat das Gremium, ihm und "meinen Leuten" (gemeint war unter anderem Marx) Zeit zu ...

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