Mosbach

Sechs Jahre Haft für Brandstiftung in Diedesheim

Der 51-Jährige wurde in mehreren Anklagepunkten für schuldig befunden. Sein Verteidiger will in Revision gehen.

19.07.2022 UPDATE: 25.07.2022 18:15 Uhr 5 Minuten, 40 Sekunden
Das Landgericht Mosbach. Foto:: Girgla

Mosbach. (gin) Sechs Jahre Haft lautete das Urteil, das das Schwurgericht des Mosbacher Landgerichts am späten Montagnachmittag im Fall des 51-jährigen Mannes verkündete, der im Dezember vor und hinter einem Wohnhaus in Diedesheim Feuer gelegt hatte. Damit blieb die Kammer unter Vorsitz von Dr. Barbara Scheuble nur knapp unter der von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafe.

Sieben Jahre hatte Oberstaatsanwalt Hansjörg Bopp ursprünglich beantragt, da er den Tatbestand des versuchten Mordes in Verbindung mit Brandstiftung als gegeben ansah. Im Gegensatz zur Verteidigung, die drei Jahre gefordert und den Wunsch nach einer Therapieauflage geäußert hatte, sah auch das Schwurgericht diesen Tatbestand als erfüllt an.

Standen zu Beginn des Verhandlungstages noch drei Anklagepunkte im Raum, wurde der zweite (die wenige Tage vor dem Brand verübte Sachbeschädigung am Auto der Kollegin seiner Ex-Partnerin in Dallau) fallengelassen. Zu verantworten hatte sich der Mann jetzt noch dafür, im Jahr 2017 das Auto einer vorherigen Lebensgefährtin in Brand gesteckt zu haben, sowie für den "Brandanschlag", wie die Staatsanwaltschaft es nannte, am frühen Morgen des 22. Dezembers 2021 in Diedesheim.

Dieser richtete sich nicht direkt gegen seine frühere Lebensgefährtin, sondern gegen deren Arbeitskollegin, die der Frau geholfen hatte, ihn zu verlassen. Sie hatte beim Auszug geholfen und sie bei ihrem Ex-Mann in Dallau untergebracht.

Mildernd auf das Urteil wirkten sich das Teilgeständnis des Angeklagten sowie seine Entschuldigung bei beiden Frauen aus. Auch war der Mann nur einmal vorbestraft – jedoch ebenfalls in Verbindung mit einer Beziehungstat. Auch dass er vermutlich zum Zeitpunkt der Brandstiftung alkoholisiert war und nur geringe Schäden am Haus zu verzeichnen waren, wirkte sich strafmildernd aus.

Jedoch ging die Kammer von Heimtücke aus und begründete dies mit dem Tatzeitpunkt: Gegen 2.30 Uhr in der Nacht soll das Feuer in Diedesheim gelegt worden sein. Eine Zeit, zu der die meisten Bewohner arglos schlafen und somit wehrlos sind. Niedere Beweggründe, die der Oberstaatsanwalt ins Feld führte, sah das Schwurgericht hingegen nicht.

Im Vorfeld hatte ein Sachverständiger ein Gutachten zu Verhalten und Schuldfähigkeit des 51-Jährigen abgegeben. Die von ihm angegeben Mengen in Bezug auf Alkohol und Drogen stellte er als unrealistisch dar; auch passe sein Verhalten nicht zu einer "autonom phasenhaft verlaufenden Depression". Die Fokussierung auf die Arbeitskollegin seiner Ex-Partnerin begründete der Experte mit der Suche nach einem Schuldigen für das Ende der Beziehung. Dies sei nicht unüblich. Selten in dieser extremen Form ...

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