Faktencheck

Von Masken und Mythen

Der Mund-Nasen-Schutz wird oft kritisiert - Doch viele Behauptungen sind nicht haltbar

19.10.2020 UPDATE: 20.10.2020 06:00 Uhr 2 Minuten, 37 Sekunden
Masken während des Unterrichts. Foto: dpa

Von Michael Abschlag

Heidelberg. Im Internet kursieren zahlreiche Gerüchte und Falschnachrichten zu Masken: Sie seien gefährlich, weil man etwa weniger Luft einatme oder CO2 nicht entweichen könne. Was ist dran an den Behauptungen? Ein Faktencheck.

Behindern Masken die Luftversorgung? Nein. Von den Seiten strömt genug frische Luft ein. Ärzte und Krankenschwestern tragen oft mehrere Stunden täglich Masken. Alltagsmasken sind zudem oft so grobmaschig, dass Sauerstoff- und CO2-Moleküle auch durch den Stoff kommen.

Die University of Miami in Florida hat eine mögliche Beeinträchtigung der Atmung untersucht: In einer jetzt veröffentlichten Studie bat sie 30 Probanden, sechs Minuten lang mit Alltagsmaske spazieren zu gehen. Die Hälfte der Teilnehmer waren Ärzte, die andere Hälfte Patienten, die an der schweren Lungenkrankheit COPD leiden. Die Ärzte maßen davor und danach unter anderem die Sauerstoffsättigung im Blut und den Kohlendioxidgehalt der ausgeatmeten Luft. Das Ergebnis: Es gab keine signifikante Veränderung – selbst auf die Atmung der Lungenkranken hatte die Maske offenbar keinen Einfluss. Eine Maske könne zwar zu einem Gefühl von Kurzatmigkeit führen, hieß es; das ist aber etwas anderes als ein Sauerstoffmangel.

Im Juli war eine Studie zu einem anderen Ergebnis gekommen – dort mussten die Teilnehmer aber radfahren und rennen. Von anstrengenden körperlichen Tätigkeiten mit Maske raten Experten deshalb ab. Beim Sport sollte man die Maske abnehmen oder öfter Pausen einlegen.

Sammelt sich zu viel CO2 in der Maske? Nein. Eine verbreitete These behauptet, unter der Maske würde sich eine gefährliche Menge an Kohlendioxid (CO2) ansammeln. Eine zu hohe CO2-Konzentration, etwa in geschlossenen Räumen, ist tatsächlich gesundheitsschädlich. Im Netz kursieren Videos, in denen Menschen mit CO2-Messgeräten die Atemluft unter der Maske untersuchen.

Solche Tests sind allerdings irreführend. Messgeräte sind nicht darauf ausgelegt, die CO2-Konzentration der Atemluft auf so kleinem Raum zu erfassen, die beim Ein- und Ausatmen stark schwanken kann. Die Grundannahme, man atme nur die Luft unter der Maske ein, ist falsch – anders als in einem geschlossenen Raum vermischt sie sich ja mit der Luft, die von den Seiten einströmt. So atmet ein gesunder Erwachsener mit jedem Luftzug 500 Milliliter bis ein Liter Luft aus, während unter der Maske nur etwa 50 Milliliter Luft Platz finden. Der größte Teil der Luft entweicht deshalb. Dasselbe gilt auch umgekehrt: Weil nur der kleinste Teil der benötigten Luft unter der Maske ist, wird der größte Teil beim Einatmen von Außen eingesogen. Die deutsche Atemwegsgesellschaft hält es deshalb für sehr unwahrscheinlich, dass sich die CO2-Konzentration unter der Maske erhöhen kann.

Gab es maskenbedingt Todesfälle bei Kindern? Nein, mit ziemlicher Sicherheit nicht. Im Netz kursieren derzeit solche Falschmeldungen über mehrere angebliche Todesfälle. Dazu zählt ein 13-Jähriger in Ostfriesland, dessen Tod aber nichts mit Corona-Maßnahmen zu tun hatte (er trug bei seinem Zusammenbruch nicht einmal eine Maske). Bei einer 13-Jährigen aus der Pfalz ist die Todesursache bislang unklar. Der Fall eines sechsjährigen Mädchens, das erstickt sein soll, ist frei erfunden.

Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin geht davon aus, dass Masken für Kinder ab einem Jahr unbedenklich sind. Kleinkinder sollten Masken nur nicht beim Schlafen tragen oder gegen ihren Willen. Bei Kindern im Vorschulalter gibt es ohnehin keine Maskenpflicht, nur eine Empfehlung.

Kann die Maske Keime übertragen? Das ist grundsätzlich möglich. Gerade in der Erkältungszeit können sich in der Maske Keime bilden, die dazu führen, dass man sich mit Bakterien infiziert. Das Robert-Koch-Institut (RKI) rät deshalb dazu, Masken regelmäßig zu wechseln – spätestens, wenn sie von der Atemluft durchfeuchtet sind. Selbstgenähte Masken sollten nach der Benutzung gewaschen werden, mindestens bei 60 und am besten bei 95 Grad. Das RKI empfiehlt auch, Masken nur für eine begrenzte Zeit zu tragen, etwa beim Einkaufen, in Bussen und Bahnen und an öffentlichen Plätzen.

Kritiker von Alltagsmasken verweisen gerne auf eine Studie von 2015, die den Einsatz von Stoffmasken in vietnamesischen Krankenhäusern untersucht hat. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass eine Stoffmaske das Risiko, an einer Grippe oder Ähnlichem zu erkranken, beim Krankenhauspersonal möglicherweise erhöhen kann. Die Studie ist aber wenig aussagekräftig. Im Alltag tragen Menschen in der Regel nicht stundenlang ohne Unterbrechung eine Maske.